Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1846. (23)

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Merico.

Frankreich.


Uebersicht  der  Ereignisse  des  Jahres  1866.

nach  den  Entschlüssen  dieser  Versammlung.  Allein  schon  war  es
dafür  zu  spät;  die  Republikaner  gingen  auf  seinen  Plan  nicht  ein.
Bereits  seit  der  Mitte  des  Jahres  hatten  die  Franzosen  die  entfernteren
  Plätze,  die  sie  bisher  occupirten,  geräumt  und  sich  gegen  die
Mitte  zu  concentriren  begonnen;  dicht  hinter  ihnen  rückten  aber  die
Juaristen  nach,  deren  Guerillas  selbst  die  mittleren  Provinzen  fortwährend
  beunruhigten.  Bis  Ende  des  Jahres  standen  die  Franzosen
größtentheils  concentrirt  in  der  Hauptstadt  und  auf  der  Straße  zwischen
  Mexico  und  Veracruz,  wo  sie  ein  großes  befestigtes  Lager  errichteten,
  das  ihre  Einschiffung  nach  Europa  decken  sollte.  Maximilian
  hatte  sich  entschlossen,  sein  Geschick  nicht  von  den  Trümmern
seines  Thrones  zu  trennen  und  wenigstens  seine  Ehre  zu  wahren.
Mit  aufrichtiger  Achtung  und  Theilnahme  sah  Europa  dem  Untergange
  eines  Fürsten  entgegen,  der  dem  allgemeinen  Urtheile  zufolge
eines  bessern  Schicksals  werth  gewesen  wäre.

So  erlitt  Frankreich,  das  sich  als  Weltmacht  unter  dem  zweiten
Kaiserreich  auf  eine  seit  dem  Sturze  des  ersten  Napoleon  unerhörte
Höhe  des  Ansehens  und  des  Einflusses  gehoben  und  darin  fast  allein
einen  Ersatz  für  die  ihm  fast  gänzlich  entzogene  Freiheit  der  inneren
  Entwickelung  und  Bewegung  gefunden  hatte,  in  einem  und
demselben  Jahre  eben  in  dieser  seiner  Machtstellung  drei  Schläge,
von  denen  es  schwer  zu  sagen  war,  welchen  es  am  schmerzlichsten
fühlte.  Das  Zusammenbrechen  der  mexicanischen  Unternehmung  war
eine  unleugbare  Niederlage  der  eigensten  Politik  des  Kaisers,  die
weder  bemäntelt  noch  beschönigt  werden  konnte  und  der  plötzliche
Rückzug,  der  einer  Flucht  auf  ein  Haar  ähnlich  sah,  verletzte  die
Eitelkeit  und  das  berechtigte  Selbstgefühl  der  Franzosen.  In  Italien
  hatte  sich  im  Grunde  nur  vollendet,  was  Nappleon  schon  1859
als  das  Ziel  seines  Krieges  gegen  Oesterreich  verkündete,  die  Freiheit
  des  Landes  bis  zur  Adria;  aber  es  war  dieß  ohne  Frankreich
und  darum  in  einem  gewissen  Sinne  gegen  Frankreich  erfolgt.  Das
neue  Königreich  Italien,  diese  Schöpfung  Frankreichs,  war  von  Frankreich
  auch  wesentlich  abhängig,  so  lange  es  von  Oesterreich  noch
keineswegs  auerkannt  war  und  so  lange  die  Oesterreicher  im  Festungsviereck
  nur  von  Frankreich  zurückgehalten  wurden,  dem  ganzen  Spuck,
wie  man  in  gewissen  Kreisen  in  Wien  meinte,  ein  jähes  Ende  zu
bereiten.  Mit  der  gezwungenen  Abhängigkeit  Italiens  von  Frank-