Metadata : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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waren  einer  erst  weit  späteren  Zeit  vorbehalten.  —  Bischof  Ditt—
mar  von  Merseburg  erzählt  in  seiner  Chronik  von  den  letzten
Lebensstunden  Vieler  seiner  angesehenen  Zeitgenossen;  doch  geschieht
  in  seinen  Erzählungen  nie  eines  eigentlichen  Arztes  Erwähnung.
  Nur  den  Bischof  Bernward  von  Hildesheim
neunt  er  wiederholt  als  einen  Mann,  der  in  der  Heilkunde  Vorzügliches
  geleistet  und  deshalb  sehr  oft  zu  angesehenen  Kranken
gerufen  ward.  )  Als  der  Dompropst  Walterd  von  Magdeburg
im  Lager  bei  Belegore  (Belgern)  erkrankte  und  nach  dem  Giebichenstein
  bei  Halle  geschafft  worden  war,  holte  man  den  Bischof
Bernward  zur  ärztlichen  Hilfe  herbei.  Das  Chronicon  Montis
sereni  erzählt  ferner,  daß  Lintgarde,  Gemahlin  Markgrafs
Konrad's,  im  Peterêkloster  bei  Halle  im  Jahre  1145  zur  Ader
ließ.  Ebenso  ward  auch  ihr  erkrankter  Sohn  Dietrich,  im
Jahre  1184  von  Mainz  aus  zur  Heilung  in  dieses  Kloster  transportirt
  und  in  das  „infirmitorium  claustri“  gebettet.  )  —  Ein
Beispiel  von  der  Operation  in  jener  Zeit  ist  aber  folgendes:  als
nämlich  Dedo,  des  Markgrafen  Conrad's  vierter  Sohn,  mit
Heinrich  VI.  den  Brautzug  nach  Italien  machen  sollte  und  sein
übernatürlich  fetter  Körper  die  Reiseanstrengungen  und  die  italienische
  Luft  fürchten  mußte,  so  beschloß  er,  sich  durch  Operation
von  dem  Fette  befreien  zu  lassen;  doch  er  starb  unter  den  Händen
  des  tollen  Arztes,  der  sich  unterfing,  ihm  das  Fett  aus  den
Eingeweiden  zu  schneiden  im  Jahre  1190.9)  —  Hier  ist  eigentlich
  zuerst  eines  wirklichen  Arztes  Medico  adhibito)  gedacht.
Die  eigentliche  Hauptlehrerin  für  die  innere  und  äußere  Heilkunde
  —  die  Anatomie  —  war  noch  sehr  in  den  Windeln;
man  übte  sie  nur  an  Schweinen,  indem  man  es  für  unchristglaubens

  auszuüben  im  Stande  war.  So  gab  es  sogar  Pulover,  die  aus  50
und  mehren  Ingredenzien  zusammengesetzt  waren  (Anton's  Geschichte  der
deutschen  Landwirthschaft  J.  S.  447),  eine  ungeheure  Menge  von  Gegengiften,
  Elixire  von  Rosensaft,  patriarchalische  Brechmittel,
Pillen  vor  und  nach  dem  Essen,  „Sine  quibus  esse  nollo“,  ohne  die  sie  also
nicht  essen  konnten  (wahrscheinlich  wie  bei  den  Römern  die  Berechmittel),
goldenen  Salben,  allexlei  Latwergen  2c.  Wie  leider  noch  heutzutage.

!)  Chronik,  Lib.  VI.  390.  502.

8)  Lucardis  marchionissn  serenum  montem  venit  et  a  Meinhero  praepositö
devole  recepla  ibidem  se  phlebotomari  secit,  sequenti  autem  vel  tertia  die  pelilionem
  aliquam  praeposilo  porrexil,  de  qua  ille  einolebat  aliqnatenus  consentire.
—  Chron.  Monl.  seren.  34  annum  1184:  lbi  Tidericus  orientalis  marchio,  filius
Conradi  marchionis  segritudinem  incurril,  qua  longo  tempore  delentus  est.  In
vigilia  vero  beali  Thome  in  montem  serenum  adducins  in  inlirmitorio  clausiri
decumbens,  ingravescente  eadem  moleslia.  V.  Idus  Februari  delunctus  est.

:  Chron,  Mom.  ser.  ad.  an.  1190:  Heinricus  rex  ducendae  uxoris  causa
ad  Partes  Apuliae  prolecturus,  Dedonem  oriemalem  marchionem  secum  voluit
prosicisci.  Qui  üineris  lius  asperilalem  ei  aëris  qualilakem  corpori  suo,  quia
crassus  eral,  coulrariam  sciens.  pro  lollendo  intestinorum  arvins
medico  adhibito,  ventris  meisione  morinns  est  XVII.  kal.  Seplembris  el  in
ecclesia  Cillenensi  (Zschillen),  quam  ipse  fundaverat,  est  sepulius.