Full text : Die Verfassungsgeschichte der Germanen und Kelten.

Kap.  VII.  Die  Germanen.  63

Friedens  wie  der  militärische  des  Kriegs  ein  „princeps  civitatis.*
Jener  ist  konkret  ausgedrückt  nach  Caesar  der  Vergobretus,
dieser  der  dux,  nach  Strabo  jener  der  Aysuwv,  dieser  der  orearnyog;
weiter  ist  bei  königsloser  wie  bei  königlicher  Verfassung  der
princeps  civitatis  der  politische  Repräsentant  seines  Stammverbandes
  bei  den  Bünden  einzelner  oder  aller  gallischen  Staaten
(Siehe  das  Nähere  in  Kapitel  XX,  die  Stammfürsten).

Während  für  Gallien  der  Ausdruck  princeps  civitatis  der
generelle  für  beide  Obrigkeiten,  für  die  Stammfürsten  ist,  lesen
wir  in  der  Germania  10  von  Einem  „princeps  civitatis*.  Ist  es,
si  publice  consultetur,  der  politische  oder  der  Kriegsfürst?  Bei
Deutung  der  Wahrzeichen,  bei  Leitung  der  Landesgemeinde
(auch  wohl  des  Fürstenrates)  kann  es  sich  um  Dinge  des  Friedens,
  wie  um  solche  des  Kriegs  handeln,  Demnach  mag  unter
dem  germanischen  „princeps  civitatis“  je  nach  dem  Charakter
der  Handlung  der  eine  oder  der  andere  der  Stammfürsten  zu
verstehn  sein.  Übrigens  gibt  es  zur  Zeit  des  Friedens  keinen
Kriegsfürsten,  und  erst  nach  Caesar  den  communis  magistratus,
den  ständigen  Friedensfürsten  (S.  57).

Ebenso  wie  den  gallischen  principes  civitatis  mag  auch  den
germanischen  Stammfürsten  die  Vertretung  des  Stammverbandes
zustehn.  Dahin  wird  man  die  schon  erwähnte  Bestärkung  der
internationalen  Verträge  durch  Eid  und  Geiselstellung,  die  Sendung
und  den  Empfang  von  Gesandten,  das  Geben  und  Empfangen  von
Geschenken  zu  rechnen  haben.  Gall.  IV  11;  VI  9,  32;  Germ.  5,  15.

Von  den  beiden  Stammfürsten  ist  der  höchste  Friedensfürst
ohne  konkrete  Bezeichnung  und  ohne  weitere  Charakteristik,  der
höchste  Kriegsfürst  ist  konkret  der  Herzog,  dux.  Er  ist  der
Magistrat  des  Kriegs  für  dessen  Dauer.  Cum  bellum  civitas  aut
inlatum  defendit  aut  infert,  magistratus,  qui  ei  bello  praesint,  ut
vitae  necisque  habeant  potestatem,  deliguntur.  Duces  ex  virtute
sumunt.  Der  Oberbefehl  ist  imperium  und  potentia.  Gall.  VI  23;
Germ.  7;  Ann.  HI  28.  Ihm  zur  Seite  steht  als  Kriegsrat  der
Fürstenrat  (S.  33,  58).  Der  Herzog  steht  an  der  Spitze  entweder