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für ihre Ausbildung bisher nur die in der Waffe selbst entstandenen
handschriftlichen Instruktionen gegolten hatten. Es beschränkte sich
aber fast ganz auf die einzelne Batterie und berührte die eigentliche
Gefechtstaktik lediglich in dem beigefügten Abschnitt über die Gefechtsordnung
der Truppenbrigaden, die auch nur je eine Batterie hatten.
Diese Batterien standen dabei unter dem Befehl von höheren Offi—
zieren der anderen Waffengattungen, und die Wirkung der Artillerie
zersplitterte sich, während beim Gegner, wie es die Schlachten
Napoleons zeigen, eine größere Zahl von Batterien unter einheit—
licher artilleristischer Leitung zusammengefaßt und schließlich zur
Kartätschoffensive gegen das Angriffsziel vorgeführt wurde. Da die
Beweglichkeit der Artillerie durch die neue Kampfweise, die eine
größere Schnelligkeit und Wendigkeit der Infanterie mit sich brachte,
an Bedeutung gewonnen hatte, waren die Sechspfünder das haupt—
sächliche Kaliber geworden. Ihr Rollschuß hatte gute Wirkung bis
1600, der Bogenschuß bis 1200 Schritt (1200 bzw. 900 m), die beste
Kartätschwirkung reichte bis etwa 500 Schritt. Die Zwölfpfünder,
die bis 1806 das Hauptgeschütz gebildet hatten und deren Schwerfälligkeit
besonders infolge der schlechten Bespannung hervorgetreten
war, hatte man auf eine Batterie bei jeder Artilleriebrigade beschränkt
00). Im Kriege trat aber sehr bald wieder der Wunsch nach
stärkerer Wirkung, besonders gegen feste Ziele wie Dorfumfassungen
und Gehäöfte hervor, auch die Tragweite der Zwölfpfünder war größer.
Wo das Gefecht ernst wurde, holte man Zwölfpfünderbatterien aus
der Reserve hervor, die dadurch ebenfalls zersplittert wurde. Die Zahl
der zwölfpfündigen Batterien wurde daher bald wieder vermehrt.
Nach den Befreiungskriegen lauteten die Urteile über sie sehr günstig:
„Von dem Wert dieses herrlichen Geschützes wird man im Laufe
eines Feldzuges fast täglich durch den Augenschein überzeugt. Die
Erfahrungen der letzten Kriege haben bewiesen, daß es oft Verläumdung
ist, wenn man sagt, die Zwölfpfünder können nicht mit.
In der Wirkung liegt die Ursache zu dem Vertrauen, welches die
eigenen Truppen zu ihrer Artillerie haben“. Ein anderes Urteil
lautete: „Den Soldaten anderer Waffen ist der Zwölfpfünder ein
sehr geehrtes wertes Geschütz, welches stets mit einem fröhlichen
Hurrah begrüßt wird. Es ist hier der moralische Eindruck, der wirkt,
denn in Summa ist der Zwölfpfünder dem Sechspfünder so bedeutend
nicht überlegen“"s).
Die Mängel der Ausbildung, die sich aus dem Fehlen einer
Friedensbespannung bei der Fußartillerie ergaben, glichen sich im
Kriege von selbst allmählich aus, die Geschützführer wurden nach
Möglichkeit beritten gemacht, und das Aufsitzen der Bedienung auf
*7) Das Gewicht des vollständig ausgerüsteten Sechspfünders einschl. Futter
betrug 3410 Pfund, die Zuglast jedes Pferdes 570 Pfund. Das Gewicht des Zwölfpfünders
war 6710, die Zuglast jedes der 8 Pferde 840 Pfund.
65) Müller, Entwicklung der Feldartillerie S. 61.
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