Volltext : Das Königreich Württemberg. Erster Band. (1)

186  Alterthümer.

oder  Grauschwarz  mit  bescheidenen  und  spärlichen  Ansätzen  zu  eingedrückten
Ornamenten  Platz.  «

Neben  dem  antiken  Filigranwerk,  das  nie  seine  Wirkung  verfehlt,
und  dem  phantastischen  Halbgethier  tritt  mitunter  an  bronzenen  oder
silbernen  Gürtelschnallen  (Wurmlingen)  schon  echt  romanisches  Blattgeschlinge
  auf,  oder  wieder  äußerst  geschmackvoll  mit  geraden  Lineamenten
verzierte,  mit  prächtigen  farbigen  Steinen  reich  besetzte,  an  Holzschnitzereien
  gemahnende  Arbeit  (ebendaselbst).  —  Wir  sehen  vielartig-reiche,  aus
verschiedenen  Richtungen  zusammenstrahlende  Zierweise,  keine  Eintönigkeit,
ja  kaum  ein  Schmuckstück  ist  dem  anderen  gleich,  was  ja  noch  im  Romanischen
  und  Gothischen  und  in  der  deutschen  Renaissance  fortwirkt.  Das
spätrömische  Kunstgewerbe  erscheint  dagegen  einförmiger,  kälter,  weniger
phantasievoll.  —  Es  mochte  Meister  geben,  die  sich  schwer  von  ihrer  nordischheidnischen
  Art  losrißen,  wie  das  noch  in  der  Baukunst  des  Mittelalters
unter  den  Hohenstaufen,  sobald  der  klösterlich  hierarchische  Druck  nachläßt,
hervorbricht,  und  merkwürdigerweise  nochmals,  nach  der  in  wahrer  Heiligenbilderfabrikation
  gipfelnden  Spätgothik  kam  wiederum  die  Lust  am  altheidnischen
  Drachengewirr  in  der  durch  die  Reformation  getragenen  deutschen
Frührenaissance.

Noch  sind  wir  nicht  im  Stande,  die  geschichtliche  und  künstlerische
Entwicklung  des  Kunstgewerbes  der  Reihengräberzeit  klar  zu  überschauen,
hiezu  fehlt  es  noch  trotz  allem  an  der  Menge  und  Genauigkeit  der  Ausgrabungen;
  aber  die  Zeit  ist  nahe,  wo  eine  bestimmte  Reihenfolge  und
Auseinanderhaltung  der  einzelnen  Zeiten  und  Richtungen  möglich  sein  wird.
Die  Technik  war  reich  und  mannigfaltig:  außer  Gold,  Silber  und  Bronze
erscheint  Silber  in  Eisen  eingelegt,  Eisen  in  Silber,  Silber  mit  theilweiser
Vergoldung,  dann  Gold  oder  Silber  mit  Glas  oder  mit  zellenschmelzartig
  eingesetzten  farbigen  Glasflüssen,  mit  schönen  Halbedelsteinen,  Granaten,
Almandinen,  Amethysten.  Die  Unterlage  der  Glasstückchen  ist  stets  gemustert.
  —  Perlen  von  allen  Sorten  kommen  vor,  aus  farbigem  Glas,
aus  Bergkrystall,  Gagat,  Bernstein,  dann  aber  besonders  aus  Thon  mit
eingeschmolzenen  Farben;  solche  Perlen  erreichen  mitunter  eine  sehr  bedeutende
  Größe  und  eine  hervorragende  Schönheit.  Sogar  Schnallen  aus
Bergkrystall  ergaben  die  Pfullinger  Gräber.  Auch  schöngearbeitete  und
überraschend  dünn  gehaltene  Gläser  finden  sich  vor,  doch  verschwinden  die

römischen  durchbrochenen  und  durchgeschliffenen  Formen.

Die  stets  eisernen  Waffen  sind  handlich  und  anständig  (vgl.  das  vortreffliche
Handbuch  der  deutschen  Alterthumskunde  von  L.  Lindenschmit.  Erster  Theil,
S.  146  ff.).  Von  Fernwaffen  ist  zu  nennen  der  Bogenz;  sein  Vorhandensein  ist
meist  durch  Auffindung  von  Pfeilspitzen  verbürgt,  dann  aber  fanden  sich  in  den  im
Moorgrund  ruhenden  Todtenbäumen  von  Oberflacht  im  ganzen  8  Bogen,  6—7  Fuß
lang,  aus  Eibenholz;  auch  2  Fuß  lange  Pfeilstäbe  lagen  dabei.  Von  Fern=  und