Full text : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

Fulltext access denied for pi klein_kanzler_1915 and pageNo 96
            
Danach machte Bismarck preußische Holitik. „Seine Exzellenz der herr Leutnant von Bbabie- stand auf der Bundeswacht: scharfäugig, klug, allen überlegen, entschlossen, Dreußens Selbständigkeit und Ehre gegen jeden Übergriff zu wahren, kein Lehrling, sondern ein Staatsmann von Geburt und ein Meister in seiner Kunst. Er war bereit, ehrliche Freundschaft mit Osterreich zu halten, aber er brachte kein Dertrauen nach Frankfurt mit und verließ sich auf sich und seine beiden offenen Kugen. „Mit der Ruhe des RNaturforschers“ beobachtete er seine Nollegen am Zunde: die Thun, Drokesch und Rechberg wie die kleineren; er duldete keinerlei Surücksetzung, weder seiner Derson noch der Macht, die er vertrat, vom ersten Tage an bis an das Ende seines mehr als siebenfährigen Wirkens am Bunde. Er lernte alle Draktiken und Schliche der Feinde Dreußens kennen. „Ich richte mich nach dem feinsten politiker, den ich auf den jüngsten Jagden kennen gelernt habe, und der ruhig im Bau sitzen bleibt, wenn er schlechtes Wetter voraussieht.“ In einer fast unerschöpflichen Reihe von amtlichen Berichten und Denkschriften legte er seine Erfahrungen und Pläne nieder. Daneben unterhielt er einen lebhaften politischen Briefwechsel mit seinem Minister und mit Leopold von Gerlach. Es war eine Seit ilt aufreibender Kämpfe gegen den Widerstand der hofkamarilla, der Generaladjutanten, selbst gegen seinen vorgesetzten Minister von Manteuffel, und endlich auch gegen die Einflüsse, die vom Hof des Prinzen von Dreußen in Koblenz ausgingen. Otto von Bismarck trat bald aus den Harteischranken auf den Boden seiner ureigenen großen europäischen Dolitik. „Ich hatte mich, seit ich mich in Frankfurt auf der Defension gegen Osterreich, also auf einem von der Fraktionsleitung nicht gebilligten Wege befand, von derselben einigermaßen emanzipiert.“ Dor allem war es Bismarcks Stellung zu dem napoleonischen Frankreich (zur „Revolution“", wie Gerlach sagte) und zu Rußland, nicht minder aber seine veränderte Kuschauung vom Derfassungswesen — im letzten Grunde lein Staatsrealismus, der ihn von der ganzen Generation er alten romantischen Politiker schied und schließlich den Bruch mit ihnen herbeiführte. Die nationale Einigung erschien ihm niemals in einer anderen Gestalt als in dieser: Dreußen müsse nicht bloß auf „moralische Eroberungen“ in Deutschland aus sein, sondern Hreußens wirkliche Macht könne in jeder Jukunft einzig und allein der feste und unzerstörbare Kern, das Haupt und Schwert Deutschlands sein. Klles bing aber von dem Zusgang des diplomatischen und schließlich des kriegerischen Ringens mit österreich ab. 100