120 l.ehrpläne und l.chrbetrieb,
anstalten eine ersetzende Bedeutung zugewiesen ist. Die nationale
Aufsabe ist, „das sittliche Recht des Staates nachzuweisen, dem
Schüler ins Herz zu graben, was Staat und Nation für ihn bedeuten,
das Gefühl der tiefen Verpflichtung und unbedingten Zugehörigkeit
zu scnem Volke wachzurufen.“*} Und wie mit der Geschichte des
Staates die Geschichte des Herrscherhauses untrennbar verflochten ist,
so wird das Verständnis für diese Geschichte zugleich die Ehrfurcht
vor der Monarchie, die Anhänglichkeit an das Herrscherhaus beleben.
Nach der sozialen Seite hin soll der Geschichtsunterricht dem
Schüler zum Bewußtsein bringen, „in was für inniger und unlösbarer
Verbindung sein Leben mit dem der Allgemeinheit steht.‘‘*) Er soll
dafür sorgen, dat hieraus ein Gefühl der Teilnahme für das Leben
der Gemeinschaft und der Blick für ihre Aufgaben erwächst, besonders
auch ein Verständnis für die Bedürfnisse und Ansprüche der unteren
Gesellschaftsklassen und ein Einblick ın das, was der moderne Staat,
was insbesondere das deutsche Kaisertum zur Befriedigung dieser
Bedürfnisse, zur Hebung der arbeitenden Klassen getan hat und noch
tut. Die Lehrpläne schreiben für zwei verschiedene Stufen, Untersekunda
und Oberprina, besondere Belehrungen über wirtschaftliche
und gesellschaftliche Fragen in ihrem Verhältnis zur Gegenwart vor;
sic fordern im Zusammenhang mit der vaterländischen Geschichte und
„im Anschluß an die L.ebensbilder der betreffenden Herrscher, vergleichende
Berücksichtigung unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Entwicklung bis zum Ende des 19, Jahrhunderts, unter Hervorhebung
der Verdienste der Hohenzollern, insbesondere um Hebung
des Bauern-, Bürger- und Arbeiterstandes. Der von ethischen und
geschichtlichen Geiste getragene Unterricht hat hierbei einerseits auf
die Berechtigung mancher sozialen Forderungen einzugehen, andererseits
aber die V’erderblichkeit aller gewaltsamen Versuche der Änderung
sozialer Ordnung darzulegen.“ Um eine direkte Widerlegung sozialer
oder sozialdemokrätischer Theorien handelt es sich hierbei selbstverständlich
nicht. Die Lehrpläne schreiben eine sachliche Behandlung
unter Vermeidung jeder Tendenz vor, und erwarten mit Recht von
dem geschichtlichen Verständnis, von dem historischen Sinn, der
hieraus erwächst, dat der gesunde Sinn unserer Jugend in die rechten
Bahnen geleitet, zu klarem und ruhigem Urteil über das Verhängmnisvolle
unberechtigter sozialer Bestrebungen der Gegenwart befähigt
werde. —
*), Neubauer a.a. 0,