thumbs : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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der  Obergeneral  über  keine  Reserven  zu  verfügen.  Die  Infanterie  des  Corps
Wintzingerode  hatte  er  unter  dem  Prinzen  Eugen  von  Württemberg  rechts
am  Floßgraben  hinauf  über  Eisdorf  zu  einer  Umgehung  des  feindlichen  linken
Flügels  vorgehen  lassen.  Die  russische  Hanptreserve  aber  stand  noch  weit  zurück,
da  der  Flügeladjutant  des  Kaisers,  Fürst  Wolkonsky,  ihr  zu  Anfang  der  Schlacht
hatte  sagen  lassen,  sie  brauche  sich  mit  dem  Anmarsche  nicht  zu  beeilen,  da  das
Treffen  sich  sehr  günstig  gestalte.  Endlich  das  Corps  des  Generals  Miloradowitsch
stand  während  der  Schlacht  unangerührt  bei  Zeitz  und  war  infolge  eines  Irrtums
  im  russischen  Hauptquartier  gar  nicht  zur  Schlacht  befohlen  worden.

So  ging  der  günstige  Augenblick  vorüber.  Schon  machte  sich  auf  dem
linken  Flügel  der  Verbündeten  das  Eingreifen  der  Spitzen  derjenigen  Corps
fühlbar,  denen  Napoleon  die  Richtung  nach  dem  Schlachtfelde  gegeben  hatte.
Mit  jeder  Minnte  gestaltete  sich  die  Lage  der  Franzosen  günstiger,  diejenige
der  Verbündeten  mißlicher.  Die  erschöpften  prenßischen  Bataillone  vermochten
sich  in  den  eroberten  Dörfern  kaum  noch  gegen  die  wachsende  Ubermacht  der
Franzosen  zu  behaupten.  Kaja  mußte  wieder  von  ihnen  geräumt  werden.  Ein
wütender  Kampf  entspann  sich  auf  dem  engen  Raume  zwischen  den  Dörfern.
Die  Massen  der  Schlachthausen  lösten  sich  hier  in  dichte  Schwärme,  die  Schlacht
in  Einzelnkämpfe  auf.  Die  vier  Dörfer  standen  in  Flammen.  Pulverdampf
und  Rauchwolken  lagerten  sich  über  den  kämpfenden  Heerscharen.  Die  Heerführer
  Blücher,  York,  Scharnhorst  ordneten  selbst,  den  gezückten  Säbel  in  der
Hand,  die  Scharen  zu  immer  neuem  Widerstande.  „Hier  wachsen  rote  Maiblumen,“
  sprach  Blücher,  den  bereits  die  dritte  Kugel  an  diesem  Tage  traf,
ohne  daß  er  den  Kampfplatz  verließ.  Mit  düsterm  Unwillen  sah  Scharnhorst,
wie  die  Blüte  der  preußischen  Ingend,  die  er  selbst  für  diesen  Kampf  gewaffnet
hatte,  in  vergeblichem  Ringen  sich  verblutete,  weil  die  fehlerhaften  Anordnungen
des  russischen  Oberfeldherrn  seine  Siegeshoffnung  vereitelt  hatten.  Mit  dem
zornigen  Ausruf:  „Kein  Sieg,  kein  Sieg!“  stürmte  er  an  der  Spitze  einer
neugesammelten  Heerschar  vorwärts  in  das  dichteste  Getümmel.  Da  sank  der
Fahnenschmied  deutscher  Freiheit,  schwer  verwundet  in  der  heißersehnten  ersten
Freiheitsschlacht,“  um  ihn  rasselten  die  Waffen.

Es  war  sieben  Uhr  abends;  da  gewahrte  Napoleon  auf  seinem  Standpunkte
  bei  Kaja  von  Markranstädt  her  den  Anmarsch  der  Heersäulen  des  Vicekönigs,
  denen  er  die  Richtung  in  die  rechte  Flanke  des  verbündeten  Heeres
gegeben  hatte.  Dies  war  der  Moment,  auf  den  er  gewartet  hatte,  um  den  Ent-*

  Er  wollte  sich  trotz  seiner  schweren  Kniewunde  und  trotz  der  Warnungen  der  Ärzte
nach  Wien  bringen  lassen,  um  dort  in  maßgebenden  Kreisen  für  den  Beitritt  Österreichs  zur
Sache  der  Verbündeien  zu  wirken,  gelangte  aber  nur  bis  Prag,  sank  hier  auf  sein  Krankenund
  Slerbelager  und  starb,  noch  in  seinen  Fieberräumen  für  Preußens  und  Deutschlands
Freiheit  rüstend  (28.  Juni).