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der Obergeneral über keine Reserven zu verfügen. Die Infanterie des Corps
Wintzingerode hatte er unter dem Prinzen Eugen von Württemberg rechts
am Floßgraben hinauf über Eisdorf zu einer Umgehung des feindlichen linken
Flügels vorgehen lassen. Die russische Hanptreserve aber stand noch weit zurück,
da der Flügeladjutant des Kaisers, Fürst Wolkonsky, ihr zu Anfang der Schlacht
hatte sagen lassen, sie brauche sich mit dem Anmarsche nicht zu beeilen, da das
Treffen sich sehr günstig gestalte. Endlich das Corps des Generals Miloradowitsch
stand während der Schlacht unangerührt bei Zeitz und war infolge eines Irrtums
im russischen Hauptquartier gar nicht zur Schlacht befohlen worden.
So ging der günstige Augenblick vorüber. Schon machte sich auf dem
linken Flügel der Verbündeten das Eingreifen der Spitzen derjenigen Corps
fühlbar, denen Napoleon die Richtung nach dem Schlachtfelde gegeben hatte.
Mit jeder Minnte gestaltete sich die Lage der Franzosen günstiger, diejenige
der Verbündeten mißlicher. Die erschöpften prenßischen Bataillone vermochten
sich in den eroberten Dörfern kaum noch gegen die wachsende Ubermacht der
Franzosen zu behaupten. Kaja mußte wieder von ihnen geräumt werden. Ein
wütender Kampf entspann sich auf dem engen Raume zwischen den Dörfern.
Die Massen der Schlachthausen lösten sich hier in dichte Schwärme, die Schlacht
in Einzelnkämpfe auf. Die vier Dörfer standen in Flammen. Pulverdampf
und Rauchwolken lagerten sich über den kämpfenden Heerscharen. Die Heerführer
Blücher, York, Scharnhorst ordneten selbst, den gezückten Säbel in der
Hand, die Scharen zu immer neuem Widerstande. „Hier wachsen rote Maiblumen,“
sprach Blücher, den bereits die dritte Kugel an diesem Tage traf,
ohne daß er den Kampfplatz verließ. Mit düsterm Unwillen sah Scharnhorst,
wie die Blüte der preußischen Ingend, die er selbst für diesen Kampf gewaffnet
hatte, in vergeblichem Ringen sich verblutete, weil die fehlerhaften Anordnungen
des russischen Oberfeldherrn seine Siegeshoffnung vereitelt hatten. Mit dem
zornigen Ausruf: „Kein Sieg, kein Sieg!“ stürmte er an der Spitze einer
neugesammelten Heerschar vorwärts in das dichteste Getümmel. Da sank der
Fahnenschmied deutscher Freiheit, schwer verwundet in der heißersehnten ersten
Freiheitsschlacht,“ um ihn rasselten die Waffen.
Es war sieben Uhr abends; da gewahrte Napoleon auf seinem Standpunkte
bei Kaja von Markranstädt her den Anmarsch der Heersäulen des Vicekönigs,
denen er die Richtung in die rechte Flanke des verbündeten Heeres
gegeben hatte. Dies war der Moment, auf den er gewartet hatte, um den Ent-*
Er wollte sich trotz seiner schweren Kniewunde und trotz der Warnungen der Ärzte
nach Wien bringen lassen, um dort in maßgebenden Kreisen für den Beitritt Österreichs zur
Sache der Verbündeien zu wirken, gelangte aber nur bis Prag, sank hier auf sein Krankenund
Slerbelager und starb, noch in seinen Fieberräumen für Preußens und Deutschlands
Freiheit rüstend (28. Juni).