Full text : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

1050  Nachträge  und

bildung  für  ihren  zukünftigen  Beruf  gegen  Entgelt
  unterrichten,  endlich  die  Mitglieder  geistlicher
Genossenschaften,  Diakonissen,  Schulschwestern
und  ähnliche  Personen,  wenn  sie  sich  aus  religiösen
oder  sittlichen  Beweggründen  mit  Krankenpflege,
Unterricht  oder  anderen  gemeinnützigen  Tätigkeiten
  beschäftigen  und  als  Entgelt  nicht  mehr
als  freien  Unterhalt  beziehen.

Befreit  von  der  Versicherung  sind  ferner  die
im  Betriebe  oder  Dienste  des  Reichs,  eines  Bundesstaates,
  einer  Gemeindeverwaltung,  einer  Gemeinde
  oder  eines  Versicherungsträgers  Beschäftigten,
  wenn  ihnen  gegen  ihre  Arbeitgeber  ein
Anspruch  auf  Krankenhilfe  in  Höhe  und  Dauer
der  Leistungen  der  Krankenkassen  oder  für  die
gleiche  Zeit  auf  Gehalt,  Ruhegeld,  Wartegeld
oder  ähnliche  Bezüge  im  anderthalbfachen  Betrage
  des  Krankengeldes  gewährleistet  ist.  Das
gleiche  gilt  für  Lehrer  und  Erzieher  an  öffentlichen
Schulen  und  Anstalten.

Auf  ihren  Antrag  werden  befreit,  die  in  Betrieben
  oder  Diensten  anderer  öffentlicher  Verwaltungen
  oder  öffentlicher  Körperschaften  Beschäftigten,
  wenn  ihnen  ihr  Arbeitgeber  die  vorstehend
  bezeichneten  Ansprüche  gewährleistet
oder  wenn  sie  lediglich  für  ihren  Beruf  ausgebildet
werden.  Das  gleiche  gilt  für  Beamte  und  Bedienstete
  der  landesherrlichen  Hof-,  Domanial-,
Kameral-,  Forst=  und  ähnlichen  Verwaltungen,
der  herzoglich  braunschweigischen  Landschaft,  der
fürstlich  hohenzollernschen  Fideikommißverwaltung.
  Unter  der  gleichen  Voraussctzung  können
auch  die  in  Betrieben  oder  im  Dienste  nichtöffentlicher
  Körperschaften  oder  Lehrer  und  Erieher
  an  nichtöffentlichen  Schulen  und  Ansalten
  für  versicherungsfrei  erklärt  werden.

Auf  Antrag  des  Arbeitgebers  werden  ferner
befreit  die  Lehrlinge,  solange  sie  im  Betriebe

 

Berichtigungen

sind  geändert.  Werkmeister,  Betriebsbeamte
und  Techniker  unterliegen  der  Versicherungspflicht,
  wenn  ihr  Einkommen  nicht  mehr  als
5000  +  beträgt.

III.  Invalidenversicherung.  Die
V.  ist  ausgedehnt  auf  Gehilfen  und  Lehrlinge
der  Apotheker  und  auf  Bühnen=  und  Orchestermitglieder
  ohne  Rücksicht  auf  den  Kunstwert
der  Leistungen,  sofern  das  jährliche  Gehalt
weniger  als  2000  K  beträgt.  S.  auch  Techniker.


Wertzuwachsstener.  Nach  den  Kommissions
beschlüssen  des  AbgH.,  bei  dem  sich  der  Entwurf
  des  preußischen  Ausführungsgesetzes  zum
Reichszuwachssteuergesetz  noch  befindet,  soll  die
Veranlagung  dieser  Steuer  durch  den  Kr  A.  für
Landgemeinden  bis  zu  5000  Einwohner  erfolgen,
der  Kr  A.  aber  befugt  sein,  solchen  Gemeinden,
sofern  sie  bisher  kommunale  Zuwachssteuern  besaßen,
  auf  ihren  Antrag  die  Veranlagung  zu
überlassen.  BVon  den  dem  Staat  zustehenden
10  Prozent  des  Aufkommens  soll  die  Hälfte
dem  Kreise  bzw.  der  Gemeinde  für  die  Veranlagung
  und  Erhebung  zufallen,  von  den  40  Prozent
  aber,  die  den  Gemeinden  und  Gemeindeverbänden
  gebühren,  dem  Kreise  aus  Gemeinden
bis  zu  15.000  Einwohnern  ½8,  und  größern  ½.
Eine  Ausführungsanweisung  des  Md  J.  und
des  FM.  ist  unterm  19.  Mai  1911  erlassen  und
unter  demselben  Datum  vom  I#l.  eine  Allg.
Verf.  über  die  Mttteilungen  der  Grundbuch:
ämter  an  die  Zuwachssteuerämter  (JMBl.  201).
Oberbehörden  sind  nach  der  AusfAnw.  die  Kommunal-Aussichtsbehörden
  (Regierungspräsident
bzw.  Landrat  als  Vorsitzender  des  Kr  A.),  Landeszentralbehörde
  der  Md  J.  und  der  FM.

Wildbretstener.  Durch  Entscheidung  des  OVG.
vom  8.  Juni  1911  (VII  C  65.  11)  ist  die  Frage,

 

ihrer  Eltern  beschäftigt  sind,  sowie  Personen,  ob  Gemeindestcuern  auf  Wildbret  und  Geflügel
die  bei  Arbeitslosigkeit  in  Arbeiterkolonien  oder  nach  §  13  ZollTG.  noch  zulässig  sind,  verneint
ähnlichen  wohltätigen  Anstalten  vorübergehend  worden,  ebenso  durch  Urteile  mehrerer  außerbeschäftigt

  werden.

Auf  seinen  Antrag  wird  befreit,  wer  auf  die
Dauer  nur  zu  einem  geringen  Teil  arbeitslähig
eingeführt.

ist,  solange  der  vorläufig  unterstützungspflichtige
Armenverband  zustimmt.

Betriebsbeamte,  Werkmeister  und  Techniker
(s.  d.)  unterliegen  der  Versicherungspflicht,  wenn
ihr  jährliches  Einkommen  weniger  als  2500  .#K
beträgt.

II.  Unfallversicherung.  Die  gesetzliche
  V.  ist  ausgedehnt  auf  Apotheken,  Gerbereibetriebe,
  das  Dekorateurgewerbe,  die  Steinzerkleinerungsbetriebe,
  Badeanstalten  sowie  auf  die
Binnenfsischerei,  die  Fischzucht,  die  Teichwirtschaft
  und  die  Eisgewinnung,  wenn  sie  gewerbsmäßig
  betrieben  oder  vom  Reich,  einem  Bundesstaat,
  einer  Gemeindeverwaltung,  einer  Gemeinde
  oder  öffentlichen  Körperschaft  verwaltet
werden,  ferner  auf  das  Halten  von  Fahrzeugen
auf  Binnengewässern,  auf  Fahrbetriebe,  Reittier=
  und  Stallhaltungsbetriebe,  wenn  sie  gewerbsmäßig
  betrieben  werden,  auf  das  Halten
von  Reittieren  sowie  auf  das  Halten  von  anderen
Fahrzeugen,  als  Wasserfahrzeugen,  wenn  sie
durch  clementare  oder  tierische  Kraft  bewegt
werden.

Lagereibetriebe,  die  mit  einem  Handelsgewerbe
verbunden  sind,  und  der  Holzfällungsbetriebe

 

preußischer  Oberlandesgerichte.

Witwen=  und  Waisenversicherung  der  Arbeiter.
Sie  ist  durch  die  RFVO.  vom  1.  Jan.  1912  ab
Die  Leistungen  der  W.  u.  W.  bestehen
  aus  der  Witwenrente,  die  eine  dauernd
invalide  Witwe  nach  dem  Tode  ihres  versicherten
Ehemannes  erhält,  aus  der  Witwerrente,  die  der
erwerbsunfähige  Ehemann  nach  dem  Tode  der
Ehefrau,  welche  den  Lebensunterhalt  ihrer  Familie
  ganz  oder  überwiegend  aus  ihrem  Arbeitsverdienst
  bestritten  hat,  erhält,  und  der  Waisenrente,
  welche  eheliche  Kinder  nach  dem  Tode
des  versicherten  Vaters  oder  wenn  dieser  erwerbsunfähig
  war,  nach  dem  Tode  der  versicherten
  Mutter  erhalten.  Hinterläßt  der  verstorbene
Versicherungspflichtige  elternlose  Enkel  unter
15  Jahren,  deren  Unterhalt  er  ganz  oder  überwiegend
  bestritten  hat,  so  steht  ihnen  eine  Waisenrente
  zu,  solange  sie  ihrer  bedürftig  sind.  Außerdem
  wird  Witwengeld  beim  Tode  des  EChemannes
  und  Waisenaussteuer  bei  Vollendung
des  15.  Lebensjahres  der  Kinder  gezahlt.  Voraussetzung
  für  die  Gewährung  der  Hinterbliebenenfürsorge
  ist,  daß  der  Verstorbene  zur  Zeit  semes

,  ETodesdieWartezeitfürdieJuvaiidcnkcntccks
Die  Voraussetzung  für  die  V.  der  füllt  und  die  Anwartschaft  aufrechterhalten  hat,

für  die  Gewährung  des  Witwengeldes  und  der
Waisenaussteuer  außerdem,  daß  die  Witwe  zur