Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. LVIII. Band. (58)

Oberstrichterliche  Entscheidungen.  411

zu  bestellen,  während  die  Bestellung  von  Reallasten  für
solche  Persönlichkeiten  ohne  jeden  Bezug  auf  ein  berechtigtes
  Grundstück  ohnehin  unbestritten  statthaft  erscheint
(Roth,  bayer.  Civ.-R.  Bd.  2  S.  292  ff.,  Bd.  3  S.  173;
Bluntschli,  Deutsch.  Priv.-R.  3.  Aufl.  S.  257;  Stobbe,
Deutsch.  Priv.-R.  2.  Aufl.  Bd.  2  S.  215,  216;  Bl.  f.
RA.  Bd.  8  S.  144,  Bd.  32  S.  129  ff.  Ziff.  1;  Seuffert's
  Archiv  Bd.  16  S.  307,  Bd.  23  S.  176).  Nach
Bayer.  LR.  steht  der  Constituirung  einer  sogenannten
irregulären  Personalservitut,  wic  insbesondere  aus  den
Anm.  Kreittmayr's  zu  Thl.  II  Kap.  7  Nr.  3  lit.  b
und  d  zu  entnehmen  ist,  ein  rechtliches  Bedenken  ebenfalls
  nicht  im  Wege.

In  dem  gegebenen  Falle  kommt  jedoch  zu  bemerken,
daß  die  Annahme  des  Beschwerdeführers,  als  ob  aus  der
Notariatsurkunde  hervorgehe,  daß  das  für  die  Vorgärten
vorgesehene  Terrain  städtisches  Eigenthum  sei,  nicht  zutreffend
  ist.  —  —  (Folgen  Erörterungen  hierüber.)

Geht  man  davon  aus,  daß  sich  die  Eigenthumsverhältnisse
  bezüglich  des  Vorgärtengrunds  so  verhalten,
wie  es  Seitens  des  Stadtmagistrats  München  behauptet
wird,  so  wäre  die  Qualifikation  der  Vorinstanz,  welche
in  der  übernommenen  Verpflichtung  der  drei  Anwesensbesitzer
  die  Bestellung  einer  Grunddienstbarkeit  erblickt,
nicht  aufrecht  zu  erhalten,  vielmehr  müßte  man  in  dem
abgeschlossenen  Rechtsgeschäfte  die  Constituirung  einer
Reallast  erblicken.  Denn  dann  würde  auf  den  drei
Anwesen  zum  Vortheile  der  städtischen  Parzellen  die  Last
ruhen,  die  Letzteren  auf  Kosten  der  jeweiligen  Anwesensbesitzer
  einerseits  als  Vorgärten  in  den  Stand  zu  setzen
und  andererseits  als  solche  fortdauernd  bis  zu  dem  Zeitpunkte
  zu  unterhalten,  in  welchem  die  Stadtgemeinde  die
Auflassung  begehrt.  Damit  wäre  aber  nicht  etwa  den  Besitzern
  der  belasteten  Anwesen  nur  eine  Beschränkung  in
Benützung  ihres  Grund  und  Bodens  auferlegt,  sondern
dieselben  hätten  zu  Gunsten  der  Stadtgemeinde  auf  deren