Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1858. (42)

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Ablieferung  des  Stückes  bei  dem  Metzger  an  den  Gemeindevorstand  des
Letzteren  abzugeben.

9)  Die  obigen  Vorschriften  gelten  gleichermaßen  auch  für  solches  Vieh,  wel-10



ches  der  Lungenseuche  nur  erst  verdächtig  ist,  so  lange  nicht  ein  thierarztliches
  bezüglich  Physikats-Gutachten  (Ziffer  5)  seine  Unverdächtigkeit
wieder  hergestellt  hat.

Als  der  Lungenseuche  verdächtig  sollen  unbedingt  schon  alle  diejenigen
  Stücke  Rindvieh  angesehen  werden,  welche  sich  mit  unzweifelhaft
von  der  fraglichen  Krankheit  befallenen  Stücken  in  dem  nämlichen  Stalle
befunden  haben.  Im  Uebrigen  ist  ein  Stück  Rindvieh  der  Lungenseuche
für  desto  stärker  verdächtig  zu  erachten,  je  vollständiger  die  im  Anhange
beschriebenen  Krankheitserscheinungen  bei  ihm  vorhanden  sind;  zumal  wenn
sich  schon  bestimmt  Fälle  der  mehrgedachten  Krankheit  in  der  Nähe  gezeigt
  haben.

Räume,  namentlich  Ställe  und  Geräthschaften,  welche  mit  Lungenseuche
kranken  Thieren  in  solche  nähere  Berührung  gekommen  sind,  daß  eine
Weiterverbreitung  der  Krankheit  durch  sie  nach  sachverständigem  Erachten
zu  besorgen  steht,  ingleichen  die  von  der  Lungenseuche  genesenen  Thiere
selbst  müssen  so  lange  strenge  abgesperrt  bleiben,  bis  ihre  Reinigung  gehörig
Statt  gefunden  hat.  Hinsichtlich  der  Räume  und  Geräthschaften  ist  das
durch  die  Bekanntmachung  des  unterzeichneten  Staats-Ministeriums  vom
15.  November  1856,  die  Pferderäude  betreffend,  vorgeschriebene  Verfahren
  in  Anwendung  zu  bringen.  Die  Viehbesitzer  haben  sich  unweigerlich
  nicht  nur  den  hierauf  bezüglichen  Anordnungen  des  Gemeindevorstandes
  zu  unterwerfen,  sondern  dieselben  auch,  so  viel  an  ihnen  liegt,
mit  zu  vollziehen.  Der  Letztere  hat  auch  in  jedem  hierher  bezüglichen
Falle  das  Gutachten  des  Land-Thierarztes,  oder  nach  Maßgabe  der  Vorschriften
  unter  Ziffer  5  eines  andern  Sachverständigen  einzuholen  und
bei  eigener  Verantwortlichkeit  pünktlich  zu  beachten  und  die  Ausführung
  der  angeordneten  Maßregeln  aufmerksam  zu  überwachen.

11)  Jeder  Fall  von  Nichtbefolgung  der  vorstehenden  Anordnungen  wird  hierdurch

  mit  einer  Strafe  bis  20  Thalern  oder  entsprechendem  Gefängnisse
bedroht,  vorbehältlich  der  Bestimmungen  des  Strafgesetzbuches  (Art.  170
und  171)  und  der  etwa  im  Civil-Rechtswege  geltend  zu  machenden  Entschädigungsansprüche.