Metadata : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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lernen  und  zu  üben;  und  das  Gedächtnis  für  die  reichen  alten
Liederschätze  wird  immer  schwächer.  Man  merkt  das  vor  allem
beim  Sammeln  alter  Lieder  aus  dem  Volksmunde  —  der  Herausgeber
  hat  selbst  hunderte  von  Liedern  im  Landvolke  aufgeschrieben
  —;  man  mischt  die  Lieder  durcheinander,  zieht  die
Ueberbleibsel  vergessener  Lieder  mit  Ueberbleibseln  anderer  Lieder
zusammen  und  fragt  nicht  danach,  ob  es  biegt  oder  bricht.  Das
Volk  hat  aber  —  Gott  sei  Dankl  —  immer  noch  eine  große  Lust
am  Singen,  und  kritiklos,  wie  es  nun  einmal  ist,  nimmt  es  alles
auf,  wos  sich  ihm  von  der  Stadt  her  ins  Ohr  schmeichelt.  Kein
Wunder,  daß  wir  in  den  entlegensten  Gegenden  die  entsetzlichen
großstädtischen  Gassenhauer  zu  ürmn  kriegen;  hörte  ich  doch  bei
einem  Volksseste  i  im  Schwarzwalde  Burschen  und  Mädchen  singen:
„Im  Grunewald,  im  Grunewald  ist  Holzauktion  ...  Und  als
ich  im  Sommer  1899  i  in  den  (hannoverschen)  Sollinger  Wald  kam,
schallte  mir  von  einer  Kirmeß  das  schöne  Lied  entgegen:  „Ist  denn
kein  Stuhl  da  .  ..“  Glücklicherweise  verschwinden  diese  Gassenhauer
  meist  wieder  sehr  schnell,  während  die  eigentlichen  Volkslieder
  längeres  Leben  haben.

Mittel  und  Wege.  Do  ist  vor  allem  ein  krästiger  Tppell
an  unsere  Dorsgesangvereine  zu  richten,  deren  Einfluß  im  a
gemeinen  dem  eigentlichen  Volksliede  eher  schädlich  als  förderlich
war.  „Wie  die  Sangeskunst  der  Ritter  und  Pfaffen  im  Mittelalter
das  Volkslied  zurückdrängte,  so  haben  in  unserer  Zeit  die  nach
städtischem  Vorbild  gegründeten  Gelangvereine,  unterititt  durch
das  künstliche  Schulsingen,  fast  überall  auf  dem  Lande  die  alten
Singstuben  in  Abgang  gebracht  und  dadurch  nicht  bloß  die  alten
Lieder  vertrieben,  sondern  auch  das  Ansehen  der  altväterlichen
natürlichen  Singweise  —  des  Auswendig-  und  Einstimmig.
Singens  —  schwer  geschädigt.  Man  singt  jetzt  mit  viel  mehr  Kunst
und  Schweiß  —  aber  man  singt  aus  dem  Buch  und  singt  Lieder,
die  man  nicht  versteht  oder  nicht  nachsühlt,  sondern  zu  verstehen
sich  nur  den  Anschein  gibt.  Und  was  das  traurigste  an  diesem
Kunsteifer  ist:  man  singt  nicht  nur  —  wie  früher  —  aus  Freude
am  Singen  und  am  Lied,  sondern  vor  allem  aus  Ehrgeiz,  im
Gedanken  an  eine  ersolgreiche  Produktion:  Erfolg  beim  „Publikum“,
  Ersolg  beim  Preisgericht,  Ersolg  in  der  Lokalpresse!  Selbst
alte  Volkslieder  werden  diesem  edlen  Zwecke  dienstbar  gemacht:
es  ist,  wie  wenn  eine  Stadtdame  mit  der  alten  Bernertracht
kokettiert.  Schon  ziehen  auch  die  schweizerischen  Tiroler  in
Wadenstrümpsen  herum  und  machen  Geschäfte  und  Sensation  mit
dem  urgroßväterlichen  Erbe.  Es  braucht  keinen  großen  Schritt
mehr,  so  haben  wir  die  Verschacherung  der  Heimat  im  Interesse
der  Fremdenindustrie  auch  auf  dem  Gebiete  des  Volksgesangs.“
(Otto  von  Greyerz  in  seiner  Sammlung  „Im  Röseligarte“.  Vergl.
5  unte  erwähnte  Zeitschrift  „Das  deutsche  Volkslied-  1908
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