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und 5 Tage nach der Wiederimpfung leicht an den Pocken. Mutter und Tochter
waren einmal geimpft, aber nie wiedergeimpft worden. Alle 3 Fälle endeten in
Genefung.
In Bremen wurden zu wiederholten Malen durch russische Auswanderer die
Pocken eingeschleppt; von ortsansessigen Personen erkrankten 6, nämlich ein 31-jähriger,
nie wiedergeimpfter Handlungsgehülfe, ein 51-jähriger, nie wiedergeimpfter Werkmeister
des Krankenhaufes, welcher mit der Desinfektion der Kleidungsstücke
Pockenkranker beschäftigt war, ferner 2 aus Böhmen gebürtige Jute-Spinnerinnen
und 2 Insassen des Krankenhauses, welche hier schon 5½ Monate bezw. 18 Tage vor
ihrer Erkrankung verpflegt worden waren. Von den Pockenkranken war Niemand wiedergeimpft,
3 der Fälle verliefen tödtlich, (vgl. Pockentodesfälle).
Die in Bremen an den Pocken behandelten 12 Kinder russischer Auswanderer
standen im Alter von ¼ bis 14 Jahren und waren, soweit bezügliche Nachrichten vorliegen,
ungeimpft; nur ein Fall verlief tödtlich, die übrigen sind auf den Meldekarten als
leicht bezeichnet (die Meldekarten sind erst ein Jahr später, im Oktober 1891, ausgefertigt).
In Elsaß-Lothringen sind die Pocken Gmal während des Berichtsjahres eingeschleppt
worden, 2mal von Luxemburg, Zmal von Frankreich, 1mal von der Schweiz
aus. Viermal gelang es, Ansteckungen in größerem Umfange zu verhüten, dagegen
erkrankten in Redingen (Kr. Diedenhofen) 9 und in Roßlingen, Gr. Moyenvre und
Diedenhofen im Ganzen 13 Personen in Folge von Einschleppung der Pocken.
Die 6 Einschleppungen betrafen, bezw. veranlaßten folgende Erkrankungen:
1. In Chätean-Salins reiste am 3. Februar ein pockenkranker, katholischer
Priester aus Nancy zu, welcher nachweislich schon am 31. Januar erkrankt war.
2. In Landorf (Kr. Forbach) erkrankte ein in Mirecourt bei Nancy wohnender
32-jähriger, nie wiedergeimpfter Gerichtsschreiber 5 Tage nach seiner Ankunft in Landorf,
und bald darauf seine Pflegerin und Tante eine 53-jährige Frau, welche zwar in Folge
der Krankheit ihres Neffen wiedergeimpft wurde, aber 6 Tage nach der (zu spät erfolgten)
Wiederimpfung doch von leichten Pocken befallen wurde.
3. In Breisdorf (Kr. Diedenhofen) erkrankte 8 Tage nach seiner Ankunft aus
Luxemburg ein dort geborener, als Kind einmal geimpfter, 18-jähriger Knecht; die
Krankheit verlief leicht.
4. In Leimen (Kr. Mühlhausen) erkrankte eine umherziehende, nie wiedergeimpfte,
muthmaßlich in Basel infizirte, 32-jährige Händlerin und steckte ihr noch ungeimpftes,
einjähriges Kind an. Beide genasen nach schwerer Krankheit.
5. Im Kreise Diedenhofen kamen vom 10. Märg bis 15. Mai 13 Pockenfälle zur Beobachtung.
Der erste Fall betraf einen 19-jährigen, nur einmal als Kind geimpften Tagelöhner,
derselbe hatte sich von einem Stubengenossen, welcher in Luxemburg eben die
Pocken überstanden hatte, angesteckt und übertrug seinerseits die Krankheit auf 9 weitere,
in demselben Schlafhaufe nächtigende Personen. Einer der Kranken steckte auch seinen
in Diedenhofen wohnenden Bruder an, und im Krankenhause Diedenhofen wurden
dann durch diesen die Pocken auf einen nie wiedergeimpften, 46-jährigen Krankenwärter
übertragen.
6. In Redingen (Kr. Diedenhofen) waren vom 7. April bis 5. Mai 9 Personen
von den Pocken befallen. Zuerst erkrankte ein nach Ausweis der Impflisten ungeimpfter,
5-jähriger Knabe, welcher muthmaßlich durch seinen in Frankreich arbeitenden
Vater angesteckt worden war. Das Kind starb, ehe die Anzeige gemacht, nachdem aber
schon eine größere Anzahl von Personen infizirt worden war.