486 21l. TrexpeLenBguRG, Die Akademie unter Frieprican Wırneın IV.
nomie; Herr Ehrenberg sprach über ihn in allgemeinen Beziehungen. Erst wenn
die einzelnen Wissenschaften alle, welche A. von Humboldt bereicherte oder anrezte,
ihren frischen Zweig zum Ehrenkranze hinzu gebracht, tlicht sich der Kranz in voller
Schönheit.
Die naturwissenschaftlichen Arbeiten der neuern Zeit, in ihrer Fülle unermelslich,
streben doch, wie es scheint, zwei Mittelpunkten zu, uın welche sie
sich in zwei Gruppen lagern. Auf der einen Seite haben sie den stillen Trieb,
eine Physik der Erde zu bilden, in welcher die Physik und Cheinie mit ihrem
unendlichen Detail der Thatsachen und in ihren grofsen Gesetzen Glieder werden.
Auf der andern Seite will sich eine Biologie der Erde bilden, alles Leben
auf unserm Planeten in seinen Abstufungen und Formen umfassend und ergründend.
Botanik und Zoologie bis zum Leben des Menschen hinauf erscheinen darin
als ein grolses Ganze. Beide Richtungen vereinigen sich in der verhältnifsmäfsig
jungen Geologie; denn in ihr wird die Physik der Erde eine Geschichte der
Erde, und mitten in den physikalischen Gewalten, welche die Erdoberfläche umgestaltet
haben, entdeckt sie die Spuren vergangenen Lebens aus längst verlaufenen
Epochen.
Für unser Mosaikbild suchen wir zunächst in der physikalischen, dann in
der geologischen und endlich in der biologischen Gruppe aus den Arbeiten der
Akademie einige Steinchen auf, um sie zusammenzufügen.
Die Meteorologie zeigt aın deutlichsten die Richtung zu einer Physik der
Erde. Sie setzt fast alle physikalischen Kräfte voraus; denn Licht und Luft, Wärme
und Wasser, die Natur des Festen und Elastischen, magnetische und_ elektrische
Kräfte spielen in mannigfaltiger Wechselwirkung in die meteorologischen Erscheinungen
hinein. Es war Herrn Dove’s unausgesetzte beharrliche Sorge, aller Orten
Beobachtungen anzuregen und zu regeln, die auf dem ganzen Erdkörper zerstreneten
Wahrnehmungen in seiner Hand zu sammeln, die Ergebnisse im Mittel darzustellen.
das daraus hervorgeliende Gesammtbild graphisch zu entwerfen und die wissenschaftliche
Erklärung zu versuchen. Wenn es, um den wandelnden Erscheinungen
Gesetze abzugewinnen, zunächst sicherer und mit einander vergleichbarer Beobachtungen
an den verschiedensten Orten bedarf, so ist unter der Regierung des
Königs Friedrich Wilhelm des Vierten in der Meteorologie ein grolser Anfang zemacht.
Mit dem ı. Januar 1848 wurden nach A. von Humboldt’s Anregung auf des
Königs Befehl in allen Theilen des Reichs meteorologische Stationen eingerichtet,
welchen Herr Dove die nothwendige Einlieit des Mafses in den Instrumenten und
der Gesichtspunkte in den Beobachtungen giebt; und schon hat sich dies Netz der
wissenschaftlichen Beobachtungen über Preufsen hinaus nach Mecklenburg, Holstein,
Hannover, Oldenburg, Thüringen, Frankfurt a. M., Giefsen erweitert, und gegenwärtig
sind 75 Stationen thätig!. Selbst der Telegraph, schneller als Wetter und
Wind, dient den ıneteorologischen Combinationen. Es ist recht und billig, dals
die Länder vereinigende, den Gedanken und den Befehl blitzschnell entsendende
Telegraphie, ein Erzeugnifs deutscher Wissenschaft, auch wieder der Wissenschaft
diene, und sie thut es, wenn Herr Dove, wie im Mittelpunkt eines Gewebes, täglich
aus entfernten Ländern Wettertelegramme empfängt, oder wenn die Astronomen,
wie unter uns Herr Encke?, die Telegraphie zum Mittel der geographischen
Längenbestimmungen machen. Schon lange vor dem Jahre 1840 hatte Herr Dove
das Drehungsgesetz .des Windes bestimmt und A. von Humboldt für die mittlere
Verbreitung der Wärme auf der Erde die isotherinen Linien aufgestellt. Die Aus-!
H.W. Dove, Das Klima des preufsischen Staates etc. in der Zeitschrift des königl.
preufsischen statistischen Bureau’s März 1861. No. 6.
? Monatsbericht 1857. 8.94 fl.