durch eine neue Berliner Mitteilung gewissermaßen
überrannt worden.
Wir anderen blieben zurück in einem erregt wartenden
Empfinden, daß irgend ein völlig unvorhergesehener
Zwischenfall sich ereignet und die verworrene und er—
stickende Lage noch mehr zerrüttet haben müsse. Unendlich
lang erschienen mir die wenigen Minuten, die so vergingen.
Dann wurden Schulenburg und ich zum Kaiser befohlen.
Wir fanden ihn, bei aller äußerlich gewaltsam be—
wahrten Fassung und Wurde, seelisch aufs tiefste erschüttert.
Und immer noch gleichsam im Kampfe mit
dem Zweifel, ob das, was er soeben erlebt hatte, denn
auch Wirklichkeit und Wahrheit sein könne, sagte er
uns: er habe soeben die Mitteilung des Reichskanzler—
amtes erhalten, daß eine Botschaft über seine Ab—
dankung als Kaiser und als König von Preußen und
gleichzeitig über meine Verzichterklärung im gleichen
Umfange vom Prinzen Max von Baden, ohne daß der
Prinz die Erklärung des Kaisers abgewartet hätte, über
unsere Köpfe weg ausgesprochen und durch das Wolff—
sche Telegraphenbureau verbreitet sei — daß der Prinz
als Reichskanzler zurückgetreten und zum Reichsver—
weser ernannt und der sozialdemokratische Reichstags—
abgeordnete Ebert nunmehr Reichskanzler sei.
Wir alle waren von dem Schlage dieser Nachricht
so benommen und erstarrt, daß wir im ersten Augen—
blicke kaum fähig waren, zu sprechen. Dann aber ver—
suchten wir sogleich, den ganzen beispiellosen Vorgang
im Zusammenhange festzulegen:
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