Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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und  Gegenwart  mit  ihren  Nöten  und  Kümmernissen,  die  durch  einen
Mangel  an  Erfahrung  verursacht  werden,  nur  die  Mittel  für  eine
bessere  Zükunft.  Diese  Ansicht,  die  sich  allein  auf  eine  Entwicklungstheorie
  stützen  kann,  hat  nicht  nur  eine  uns  verständliche  Möglichkeit
für  sich,  sondern  sie  bietet  auch  einen  hohen  Grad  von  Wahrscheinlichkeit,
  und  fie  bietet  sogar  die  Aussicht,  daß  mit  der  Zunahme  der  Erfahrung
  selbst  ihre  Gewißheit  festgestellt  werden  kann,  womit  dann
selbstverständlich  auch  das  Dasein  Gottes  dem  Verständnis  näher  gebracht
  ist.

Wenn  wir  den  Zweck  des  Menschen  und  hiermit  überhaupt  das
Zweckmäßige  im  Weltgeschehen  in  einer  Entwicklung  des  Menschen  zur
Vollkommenheit  sehen,  so  müssen  wir  ohne  weiteres  zu  der  Frage  kommen,
  worin  sich  nach  dieser  Ansicht  die  Vollkommenheit  desselben  im
irdischen  Dasein  äußern  kann.  Auch  hier  kann  uns  der  entwicklungsgeschichtliche
  Materialismus  eine  befriedigende  Antwort,  die  sich  mit
den  Tatsachen  nicht  in  Widerspruch  befindet,  geben.  Wie  schon  bemerkt,
können  wir  uns  von  diesem  Standpunkt  nur  ausschließlich  als  Materie
ansehen,  d.  h.  als  Körper,  der  zwar  ein  geistiges  Leben  aber  keine  Seele
hat,  die  unabhängig  existenzfähig  ist.  Wir  sind  also  nur  Materie,  die
sich  aus  bewußtseinloser  Form  bis  zu  sich  empfindender  schon  entwickelt
hat,  und  die  nur  noch  sich  erkennende  werden  kann.  Und  zwar  sind  wir
letztere,  wenn  wir  auf  dem  Höhepunkt  der  Entwicklung  unseren  Daseinszweck
  erkennen.  Einen  Höhepunkt  der  Entwicklung  muß  es  aber
geben,  da  die  Erde  in  ihrer  gegenwärtigen  Bedeutung  ein  Ende  nehmen
muß,  wenn  sie  einen  Anfang  gehabt  hat;  letzteres  ist  aber  für  eine  Entwicklungstheorie
  die  Voraussetzung.  Anderseits  kann  man  sich  auch  eine
aufsteigende  Entwicklung  ins  Unendliche  nicht  denken.

Inbezug  auf  unsere  Wahlfreiheit  haben  wir,  wie  bereits  hervorgehoben,
  den  Höhepunkt  der  Entwicklung  erreicht,  wenn  die  Gesamtwahlfreiheit
  für  die  Menschen  ein  Maximum  und  damit  für  den  einzelnen
  ein  Optimum  erreicht  hat.  Damit  ist  die  Quelle  der  Ungerechtigkeit
  beseitigt  und  die  Erde  mit  ihrer  Bevölkerung  in  das  Zeichen  des
Weltfriedens  getreten.  Wenn  wir  jetzt  als  sich  bewußt  empfindende
Materie  gottähnlich  sind,  so  sind  unsere  Nachkommen  jener  Epoche  als
sich  erkennende  Materie  Gott  gleich.  Die  ganze  Erde  ist  dann  ein
Paradies,  von  gottgleichen  Geschöpfen  bewohnt,  dessen  Freuden  aber
nicht  mit  der  Harmlosigkeit  spielender  Kinder,  sondern  mit  der  Würde
gereister  Männer  genossen  werden.

Mit  dieser  Betrachtung  müssen  wir  zu  der  Überzeugung  kommen,
daß  die  Entwicklung  von  bewußtseinloser  Materie  bis  zu  sich  erkennender
das  Zweckprinzip  nicht  nur  der  Menschen,  sondern  der  Welt  überhaupt
ist.  Für  uns  Menschen  auf  der  gegenwärtigen  Entwicklungsstufe  be-