Full text : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

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„So  wie  man  frißt,  so  schafft  man  auch,“
das  gilt  nicht  nur  von  dem  Schlossergesellen  im
Liede,  sondern  auch  vom  Landarbeiter:

Schnellesser,  Schnellarbeiter.

Ein  verständiger  Herr  übertreibt  auch  Arbeiter  und
Vieh  nicht;  er  weiß  aus  eigener  Erfahrung:
ein  Stund  Rauh  is  bäter  as  twei  Grosche
Geld.
Nur  sich  selbst  schadet  der,  dem  man  nachsagt:
„Hei  günnt  en  dat  Eten,
awer  nich  de  Tid  dortau.“
Denn

Ruh  und  Rast  ist  die  halbe  Mast.
Ueberstürzung  ist  ebenso  schlimm  wie  Zerfahrenheit:

Je  gröter  Hast,  je  minner  Spood  (Scchneller-Erfolg

  43)
und

wer  twei  Hasen  nahlöppt,

de  fängt  gor  keinen.

Jedem  muß  seine  besondere  Arbeit  zugewiesen  werden,
  denn

de  Has'  is  sicher,  wenn  nah  em  teigen  Jäger

toglik  scheiten.
Darum
besimnt,  eh  ji  beginnt!
Sonst  erfahrt  ihr  nachher

„wat  man  nich  in'n  Kopp  hett,

mutt  man  in  de  Föt  hewwen.“

Wenn  alle  sich  das  zu  Herzen  nähmen,  würde  man
seltener  von  solchen  Torheiten  hören  wie

He  spannt  de  Peerde  hinner'n  Wagen,

he  tömt  de  Peerd  bim  Start  op,

he  will  den  Hasen  fängen  un  schleiht  de  Trum—

mel.  44)
Nein,

Wenn  een  d’  Trepp  schürt,

mütt  a  van  baben  anfängen  45)
und

En  mütt  nich  mehr  schlachten,

as  'n  insolten  kann.

Ebenso  verkehrt  wie  unüberlegt  handeln  ist  aber
auch,  zu  lange  im  voraus  überlegen;  ein  unvorher-43)
  Eilige  Hast  hat  selten  Sput.
Zu  Sput  gehört  „sich  sputen  (  sich  beeilen).“  Der
dumme  Hans  wurde  einst  mit  einem  Topf  weggeschickt,
  er  sollte  schnell  Milch  holen.  Als  er  nach
steben  Wochen  wiederkam,  fiel  er  vor  der  Tür  und
zerschlug  den  Topf.  Da  sagte  er  vorwurfsvoll:
„Dat  heww  ick  ja  imme  segat:  Hastig  Spaud  is
nimme  gaud!“
44)  Hei  wett  dat  Wisken  (-Weise,  Melodie)  wol,
man  nich  dat  Wörtken  (-Text)

sagt  man  von  dem,  der  alles  nur  halb  weiß,  der
wohl  weiß,  wie  es  sein  soll,  aber  nicht,  wie  er's
machen  soll.

Wat  he  mit  de  Hänna  möckt,

stött  he  mit  dem  Hinnesta  wedde  üm.

45)  Irst  bregen  (-brühen),  denn  drögen
heißt  es  von  der  Wäsche.

Unser  Dommerland

gesehener  Zwischenfall
über  den  Haufen:
Wer  värher  rekent,  mutt  tweimal  räkna.
Darum
Nimm  di  nicks  vör,  denn  schleiht  di  nicks  fehl!
Aber  es  muß  noch  etwas  hinzukommen,  wenn
der  Lohn  der  Arheit  nicht  verloren  gehen  und  allmählich
  an  Stelle  der  drückenden  Sorge  ruhige  Behaelichkeit
  einkehren  soll:  Anspruchslosigkeit  und
Sparsamkeit.  Wer  sofort,  wenn  seine  Verhältnisse
sich  ein  wenig  gebessert  haben,  den  großen  Herrn
spielen  will,  der  wird  es  nicht  weit  bringen.
Wenn  de  Hinn  to  früh  kakelt,
leggt  se  't  Ei  in  de  Netteln.
He  prahlet  mit  de  leddige  Fischblas“.
Und
Wenn  de  Stöhner  nischt  hett,
denn  hett  de  Prahler  gewiß  nischt.
Jeder  redet  ihm  nach:
Dicktun  is  mein  Reichtum
und  Habenichts  mein  Vermögen.  46)
Der  Bescheidene  achtet  nichts  gering:
Wat  beite  is  as  a  Lus,
scha  ma  nähma  mit  nach  Hus;
denn  selbst
en  Lus  is  uck  a  Klöwke  (Klaue)  Veeh,
und
bäter  ne  Lus  in'n  Kohl  as  gor  keen  Fleesch,
Beter  wat  as  gor  nicks.
Eins  kommt  zum  andern:
Wer  den  Schilling  nicht  ihrt,
is'n  Daler  nich  wirt.
Sammelholt  brennt  ock,
und
All  Botte  helpt,
un  wenn't  uck  Zägabotte  is.  47)
Heutzutage  ist  z.  B.  das  Spinnen  und  Weben  auch
auf  dem  Lande  schon  sehr  abgekommen  —  es  bringt
nicht  viel  ein,  und  man  kauft  ja  Garn  und  Baumwollenzeug
  billig  genug  in  der  Stadt.  Da  entschuldigt
  sich  manche  vor  sich  selbst:
Spinnen  ist  ein  klein  Gewinnen,
46)  Do  is  nischt  hinne  as  'n  grotet  Mul  un  ne
wide  Bex.
Und  wenn  seine  Kinder  dann  das  schlichte  „Mutter
—  Bater“  durch  das  vornehm  klingende  „Mama  —
Papa“  ersetzen  müssen,  sagt  man  spöttisch:
„Mama,  Papal  Kein  Brot  int  Spind  un  doch
Mama,  Papal“"
47)  Das  Sprichwort  ist  entstanden  infolge  (wissentlich
  oder  unwissentlich)  falscher  Deutung  des
„All  Bot  helpt“,
in  dem  „Bot“  Nutzen,  Vorteil  bedeutet.  Vergl.
All  Bot  helpt  wat,  sär  de  Meesk  (-Ameise)  un
pißt  int  Haff,
Dat  ward  wol  ne  Bül  updriwen,
so  väl  as  wenn  de  Meesk  in'n  Rhinstrom  piößt,
sagt  man  von  einem,  der  tut,  als  wenn  er  Bäume
ausreißen  will  und  doch  nichts  schafft.

wirft  oft  den  besten  Plan