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„So wie man frißt, so schafft man auch,“
das gilt nicht nur von dem Schlossergesellen im
Liede, sondern auch vom Landarbeiter:
Schnellesser, Schnellarbeiter.
Ein verständiger Herr übertreibt auch Arbeiter und
Vieh nicht; er weiß aus eigener Erfahrung:
ein Stund Rauh is bäter as twei Grosche
Geld.
Nur sich selbst schadet der, dem man nachsagt:
„Hei günnt en dat Eten,
awer nich de Tid dortau.“
Denn
Ruh und Rast ist die halbe Mast.
Ueberstürzung ist ebenso schlimm wie Zerfahrenheit:
Je gröter Hast, je minner Spood (Scchneller-Erfolg
43)
und
wer twei Hasen nahlöppt,
de fängt gor keinen.
Jedem muß seine besondere Arbeit zugewiesen werden,
denn
de Has' is sicher, wenn nah em teigen Jäger
toglik scheiten.
Darum
besimnt, eh ji beginnt!
Sonst erfahrt ihr nachher
„wat man nich in'n Kopp hett,
mutt man in de Föt hewwen.“
Wenn alle sich das zu Herzen nähmen, würde man
seltener von solchen Torheiten hören wie
He spannt de Peerde hinner'n Wagen,
he tömt de Peerd bim Start op,
he will den Hasen fängen un schleiht de Trum—
mel. 44)
Nein,
Wenn een d’ Trepp schürt,
mütt a van baben anfängen 45)
und
En mütt nich mehr schlachten,
as 'n insolten kann.
Ebenso verkehrt wie unüberlegt handeln ist aber
auch, zu lange im voraus überlegen; ein unvorher-43)
Eilige Hast hat selten Sput.
Zu Sput gehört „sich sputen ( sich beeilen).“ Der
dumme Hans wurde einst mit einem Topf weggeschickt,
er sollte schnell Milch holen. Als er nach
steben Wochen wiederkam, fiel er vor der Tür und
zerschlug den Topf. Da sagte er vorwurfsvoll:
„Dat heww ick ja imme segat: Hastig Spaud is
nimme gaud!“
44) Hei wett dat Wisken (-Weise, Melodie) wol,
man nich dat Wörtken (-Text)
sagt man von dem, der alles nur halb weiß, der
wohl weiß, wie es sein soll, aber nicht, wie er's
machen soll.
Wat he mit de Hänna möckt,
stött he mit dem Hinnesta wedde üm.
45) Irst bregen (-brühen), denn drögen
heißt es von der Wäsche.
Unser Dommerland
gesehener Zwischenfall
über den Haufen:
Wer värher rekent, mutt tweimal räkna.
Darum
Nimm di nicks vör, denn schleiht di nicks fehl!
Aber es muß noch etwas hinzukommen, wenn
der Lohn der Arheit nicht verloren gehen und allmählich
an Stelle der drückenden Sorge ruhige Behaelichkeit
einkehren soll: Anspruchslosigkeit und
Sparsamkeit. Wer sofort, wenn seine Verhältnisse
sich ein wenig gebessert haben, den großen Herrn
spielen will, der wird es nicht weit bringen.
Wenn de Hinn to früh kakelt,
leggt se 't Ei in de Netteln.
He prahlet mit de leddige Fischblas“.
Und
Wenn de Stöhner nischt hett,
denn hett de Prahler gewiß nischt.
Jeder redet ihm nach:
Dicktun is mein Reichtum
und Habenichts mein Vermögen. 46)
Der Bescheidene achtet nichts gering:
Wat beite is as a Lus,
scha ma nähma mit nach Hus;
denn selbst
en Lus is uck a Klöwke (Klaue) Veeh,
und
bäter ne Lus in'n Kohl as gor keen Fleesch,
Beter wat as gor nicks.
Eins kommt zum andern:
Wer den Schilling nicht ihrt,
is'n Daler nich wirt.
Sammelholt brennt ock,
und
All Botte helpt,
un wenn't uck Zägabotte is. 47)
Heutzutage ist z. B. das Spinnen und Weben auch
auf dem Lande schon sehr abgekommen — es bringt
nicht viel ein, und man kauft ja Garn und Baumwollenzeug
billig genug in der Stadt. Da entschuldigt
sich manche vor sich selbst:
Spinnen ist ein klein Gewinnen,
46) Do is nischt hinne as 'n grotet Mul un ne
wide Bex.
Und wenn seine Kinder dann das schlichte „Mutter
— Bater“ durch das vornehm klingende „Mama —
Papa“ ersetzen müssen, sagt man spöttisch:
„Mama, Papal Kein Brot int Spind un doch
Mama, Papal“"
47) Das Sprichwort ist entstanden infolge (wissentlich
oder unwissentlich) falscher Deutung des
„All Bot helpt“,
in dem „Bot“ Nutzen, Vorteil bedeutet. Vergl.
All Bot helpt wat, sär de Meesk (-Ameise) un
pißt int Haff,
Dat ward wol ne Bül updriwen,
so väl as wenn de Meesk in'n Rhinstrom piößt,
sagt man von einem, der tut, als wenn er Bäume
ausreißen will und doch nichts schafft.
wirft oft den besten Plan