38 Die Volksschule.
halbe Bildung etwas sehr Bedenkliches, so ist sie es vor allem in staatlichen
Dingen, und es kann sehr viel Unfug von den auf solche Weise
politisch etwas unterrichteten Schullelirern getrieben werden. Anstatt die
Jugend und überhaupt die Gemeinde zu vernünftigem Denken und Wissen
in politischen Tagesfragen anzuleiten, können sie in Ueberschätzung ihrer
Befähigung agitiren und in sehr unerwünschter Weise Rathschlag und Beispiel
geben. Dass sie im Ganzen demokratisch gesimnt sind, liegt in ihrer
socialen Stellung und im Missverhältnisse ihrer Bildung zu ihrem Berufe
und ibrem Einkommen. Dies ist nicht zu ändern, wird durch keinerlei
Art von Seminarunterricht geändert werden, und ist schliesslich kein grosses
Uebel. Allein sie können auch diesen theoretischen Standpunkt verlassen
und thatsächlich gefährliche Demagogen werden, ihre Gemeinde verhetzen,
lebhaften Antheil an wühlerischen Winkelzeitungen nehınen, bei den Wahlen
verkehrten Einfluss ausüben. Die Erfahrungen, welche um das Jahr 1848
gemacht worden sind, können hierüber keinen Zweifel lassen. Und wenn
auch damals der letzte Grund der Unzufriedenheit und der schädlichen
Einwirkung vieler Schullehrer in ihrem ungenügenden Auskommen gelegen
sein mag, hierin aber wenigstens vielfach eine ausgiebige Verbesserung
eingetreten ist: so bleibt doch die Gefahr immer noch in einem gewissen
Maasse bestehen, und unzweifelhaft würde die Gefährlichkeit solcher Dorfund
Wirthshausdemagogen durch eine oberflächliche Bildung in staatlichen
Dingen noch bedeutend erhölıt werden. Es soll hieraus nun zwar keineswegs
geschlossen werden, dass das, was als nothwendig sich herausgestellt
hat, unterlassen bleibe; allein man muss wissen, was man thut, und auch
auf die übeln Seiten des zu Erstrebenden gefasst sein.
Dass die Fortbildungsschule weder ihrem Stoffe noch der Lehrweise
nach eine blosse Weiterführung der gewöhnlichen Volksschule sein darf,
liegt in ihrem Zwecke und in dem Alter, so wie den äusseren Verhältnissen
der Schüler. Von einer richtigen Art des Unterrichtes und einer
verständigen Organisation des Ganzen hängt der Erfolg zum grossen Theilo
ab. Selbstverständlich können hier nur allgemeine Andeutungen gegeben
werden und es bedarf zu einer billigen und gleicherzeit wirksamen Ausführung
noch mancher wohl überlegten näheren Bestimmung. Obne den
Anspruch zu erheben, dieselben sämmtlich oder sie alle ganz richtig zu
bezeichnen, möchten nachstehende vorzugsweise zu empfehlen sein. — Vor
allem müsste wohl.von einer alsbaldigen allgeıneinen Einführung abgeschen,
sondern nur da begonnen werden, wo über die erforderlichen Lehrkräfte
verfügt werden kann. Nicht jedem älteren, in seinem Berufe sonst vielleicht
ganz tüchtigen Schullehrer könnte auch der neue Unterricht zugemuthet
werden; erst die in den Seminarien hierzu gebildeten, allmählig neu eintretenden
Lehrer wären dazu mit Zuverlässigkeit brauchbar, und ausserdem