Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Vortrag  des  Lyrischen.  153

sind  derselben  andere  beigemischt.  Es  mögen  denn  hier  Beispiele
  der  Tonfarbe  drängend  eilig  folgen,  die  hauptsächlich
lebhaft  im  Gegensatz  zu  ruhig  ist.  Auch  hier  findet  eine
Steigerung  statt.  Die  Beispiele,  die  mindere  Lebhaftigkeit
erfordern,  stehen  zuerst.  Die  Beimischung  anderer  Tonfarben  ist,
wo  nötig,  angegeben.
(Bittend.)
O  thu'  es  nicht,  thu's  nicht!
Sieh,  deine  reinen  edlen  Züge  wissen
Noch  nichts  von  dieser  unglücksel'lgen  That!  —
Falle,  falle  würdig,  wie  du  standst!
Verliere  das  Kommando!  Geh  vom  Schauplatz,
Du  kannst's  mit  Glanze,  thu's  mit  Unschuld  auch  !
(Warm  und  weich.)
Max,  folg'  mir  lieber  gleich,  das  ist  doch  besser.
Erspare  dir
Die  Qual  der  Trennung,  der  notwendigen,
Komm  mit  mir!  Komm,  mein  Sohn,  .
Komm  mit  mir,  ich  gebiete  dir's,  dein  Vater!
Max,  in  des  Kaisers  Namen,  folge  mir!  —
(art.)
Das  Urteil,  Sir,  das  ich  in  Eure  Hand  gelegt,
Wo  ist's?
Das  Volk  bestürmte  mich  zu  unterzeichnen,
Ich  mußt'  ihm  seinen  Willen  thun,  ich  that's,
Gezwungen  that  ich's  und  in  Eure  Hände
Legt'  ich  die  Schrift;  ich  wollte  Zeit  gewinnen!
Ihr  wißt  was  ich  Euch  sagte!  Nun,  gebt  her!
Bedenkt  Euch  nicht  so  lang,  wo  ist  die  Schrift?  —
(Meldend.)
Er  läßt  sich  wieder  sehn
Er  wandelt  unter'n  Palmen  wieder
Auf  und  ab  und  bricht  von  Zeit  zu  Zeit  sich  Datteln.  —
Geht,  lauft,  holt  mir  das  Büchelchen!  Geschwind,
Ich  bin  bereit  mit  Gold  es  aufzuwiegen,
Und  tausend  Dank  dazu!  Eilt!  Lauft!  —
Leg'  alles  jetzt  bei  Seitl,  ich  bitte  dich,
Es  leidet  keinen  Aufschub!  —
(Unmutig.)
O  nur  dies  Mal
Gieb  unfrer  Warnung  nach,  laß  ihn  nicht  fort!
Muß  es  denn  der  just  sein!  Schick'’  einen  andern!  —