281 Der Feldzug in Galizien und Südpolen bis zum 15. Sept. 1914
entschlossen die Zähne wies. Nittélings der Straße Krasnik— Lublin hatte
die 4. russische Armee in der Linie Tarnawka—Str. Wies—Bozechon—
Cbodel befestigte und stark bestückte Stellungen bezogen, die von der 1. Armee
genommen werden mußten und vom X., V. und I. Korps troh herber Verluste
mit unvermindertem Schwung angegriffen wurden.
So erschien die Lage der 1. und 4. österreichisch-ungarischen Armce
am Abend des 26. Auguft aussichtsreich und versprach einen vollen Erfolg,
obwohl der Widerstand alle Erwartungen übertraf und sich im Laufe des
Tages merklich versteift hatte.
Zwei Stellen der weitgespannten Front bildeten sich zu Haupibrenn.
punkten des Kampfes und des russischen Widerstandes aus, Tarnawatla
im Zentrum der 4. Armee und Chodel am linken Flügel der 1. Armee.
Hier stemmten sich die Russen den österreichischen Angriffen erfolgreich
entgegen und hemmten dadurch den allgemeinen Fortschritt der Angreifer.
Bei Tarnawatka und am Porbach sowie auf den Höhen von Chodel und
an der Chobeler Tiefenlinie standen die Russen wie die Mauern, und als der
27. August erschien, sahen sich die Osterreicher von neuen Verstärkungen
bedroht. Oivision auf Division quoll über den Bug und griff am linken
Flügel in die Schlacht ein. Hier war die Schwäche der österreichischen Angriffsordnung.
Auffenbergs rechter Flügel hatte nicht so stark gemacht
werden können, daß er jedem Stirn= und Seitenanfall gewachsen war.
Voroevics Ungarn von der 15. Division, die den Angriff führten, wurden
plößlich bei Jarczow wütend angefallen und vorn und in der rechten Flanke
gefaßt. Schweres Artilleriefeuer schlug in die Flanke, Welle auf Welle
erdfarbener russischer Infanterie ergoß sich über ihre verzweifelt fechtenden
Bataillone. Aus der Fernschlacht wurde wilder Nahkampf, in den von
Krylow und Grubieszow her immer noch neue russische Kolonnen eingriffen.
Die große Flankenbedrohung war von Osten her in Schuß geraten, während
sich zugleich bei Komarow russische Truppen zu Gegenstößen ballten und die
Schlachtlinie Auffenbergs in der Front gefährdeten.
An Erzberzog Josef Ferdinand war es, der Flankenbedrohung zu
begegnen. Es war die höchste Zeit, denn schon wichen die Trümmer der
Flügeldivision des VI. Korps vor dem mächtigen Ansturm von Laszczow
auf Jarczow. Die Kampflinie, welche die 15. Division gegen Nordosten
gebildet hatte, drohte vollends zu zerreißen. Mit der Kraft der Verzweiflung
bielten die Trlümmer der 15. Division den Kampf aufrecht. Schieden sie aus
dem Felde, ehe Ersatz da war, so gerict die 4. Armee in die Gefahr, umfaßt
und aufgerollt zu werden. Das war um so bedenklicher, als die Kampffront#
sich verschoben hatte und Teile des II. und XN. Korps schon nördlich der
Straße nach Szczrebrzeszyn und bei Wielacza sochten, während das VI. Korps
bei Tarnawatka und Janow blutete. Drang der russische Stoß nach Vernichtung
dieses Korps gar auf Rawa Mufka durch, so wurde die österreichisch-