Full text : Kriegs-Gesetze – Verordnungen und Bekanntmachungen Heft 4 (4)

Volksernährung.

Sind  Beschlüsse  wegen  Verletzung  öffentlicher  Interessen  beanstandet,  so  hat
der  Reichskanzler  vor  der  Entscheidung  über  die  Beanstandung  einen  Beirat  zu  hören
in  den  er  Vertreter  der  Bergwerksbesitzer,  der  Bergarbeiter,  des  Kohlenhandelz
de.  Pe  der  Landwirtschaft,  der  Städte  und  der  Eisenbahnverwaltung  zu

rufen  hat.

#&#  8.  Wer  den  Vorschriften  dieser  Verordnung  zuwider  Bergwerkserzeugniss
der  Gesellschaft  nicht  überläßt,  wird  unbeschadet  der  auf  Grund  der  Satzung  zu  verhängenden
  Ordnungsstrafe  mit  Geldstrafe  bis  zu  einhunderttausend  Mark  bestraft.
Im  Falle  der  Wiederholung  nach  vorangegangener  Bestrafung  kann  außerdem  auf
Gefängnis  bis  zu  sechs  Monaten  erkannt  werden.

Ebenso  wird  bestraft,  wer  entgegen  einer  nach  §  4  Abs.  2  eingegangenen  Verpflichtung
  unbefugt  Bergwerkserzeugnisse  weiter  veräußert.

Artikel  III.

Von  der  Ermächtigung  des  Artikel  I  ist  kein  Gebrauch  zu  machen,  wenn  innerhalb
  einer  durch  den  Reichskanzler  zu  bestimmenden  Frist  von  Bergwerksbesitzen,
deren  Förderung  nach  amtlichen  Fördernachweisungen  mehr  als  97  vom  Hundert
der  Gesamtförderung  des  in  Betracht  kommenden  Bezirkes  ausmacht,  eine  Vereinigung
  zu  den  im  Artikel  1  bezeichneten  Zwecken  durch  Vertrag  gebildet  wird,
und  der  Reichskanzler  durch  den  geschlossenen  Vertrag  die  öffentlichen  Interessen
für  gewahrt  erachtet.

Artikel  IV.

Eine  auf  Grund  des  Artikel  I  errichtete  Gesellschaft  wird  durch  den  Reichskanzler
  aufgelöst,  wenn  für  den  in  Betracht  kommenden  Bezirk  von  Bergwerksbesitzern,
  die  über  die  im  Artikel  III  bezeichnete  Förderung  verfügen,  eine  Vereinigung
  zu  den  im  Artikel  1  bezeichneten  Zwecken  durch  Vertrag  gebildet  wird,
und  der  Reichskanzler  durch  den  geschlossenen  Vertrag  die  öffentlichen  Interessen
für  gewahrt  erachtet.

Artikel  V.  1)

Der  Reichskanzler  wird  ermächtigt,  die  ihm  auf  Grund  dieser  Verordnung
zustehenden  Befugnisse  der  Landeszentralbehörde  zu  übertragen.  Diese  Übertragung
  ist  widerruflich.

Artikel  VI.

„Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  ihrer  Verkündung  in  Kraft.  Sie  tritt
wei  Jahre  nach  Friedensschluß  außer  Kraft;  der  Bundesrat  kann  einen  früheren
Heityunt  des  Außerkrafttretens  bestimmen.

Mit  dem  Zeitpunkt  des  Außerkrafttretens  dieser  Verordnung  gelten  die  gemäs
Artikel  I  errichteten  Gesellschaften  als  aufgelöst.

1)  Bekanntmachung
auf  Grund  des  Artikel  Vder  Verordnung  über  die  Errich
tung  von  Vertriebsgesellschaften  für  den  Steinkohlen=  un
Braunkohlenbergbau  vom  30.  August  19  15.

Vom  30.  August  1915.

Auf  Grund  des  Artikel  V  der  Verordnung  über  die  Errichtung  von  Vertriebe
gesellschaften  für  den  Steinkohlen-  und  Braunkohlenbergbau  vom  30.  August  191
übertrage  ich  die  mir  durch  diese  Verordnung  erteilten  Befugnisse  der  Lande
zentralbehörde.

52