Beutsches Keich. (März 13.) 285
setzung des Herrenhauses in der Art herbeigeführt wird, daß unter
Aufrechterhaltung des Kgl. Berufungsrechts, aber unter Beseitigung aller
Familien= und Standesrechte, die bisher die Mitgliedschaft zum Herrenhaus
begründen, allen größeren Kommunalverbänden, sowie allen für das
wirtschaftliche und kulturelle Leben unsers Volkes wichtigen Berufskreisen
eine aus Wahlen hervorgehende, ihrer Bedeutung entsprechende Vertretung
im Herrenhaus gewährt wird.
13. März. (Berlin.) Rückkehr des deutschen Botschafters in
den Ver. Staaten Grafen v. Bernstorff.
Bei seiner Durchreise in Kopenhagen äußerte er sich in einer Unterredung
mit dem Hauptschriftleiter des „Hamburger Fremdenblattes“
v. Eckardt über Deutschlands Politik gegenüber Amerika in
folgender Weise: Mit Stolz und Freude sehe ich, wie das deutsche Volk
in seiner nicht leichten Lage den Folgen des von mir so lange wie möglich
verhinderten Bruches mit Amerika erhobenen Hauptes entgegensieht, fest
entschlossen, seine heiligsten Güter rücksichtslos zu wahren. Ich hatte den
Eindruck, daß es an Verständnis dafür auch in den neutralen Ländern nicht
fehlt, und die feste Zuversicht, daß das Verständnis noch wachsen wird.
Allerdings bin ich schwer betroffen durch die erst in Christiania zu mir gelangte
Nachricht, daß die durch meine Hand gegangene Weisung an den
Kaiserlichen Gesandten in Merxiko zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gekommen ist. Auf welchem Wege die amerikanische Regierung
in den Besitz der Instruktion gekommen ist, weiß ich nicht. Es bleibt nur
die Annahme übrig, daß entweder der englische oder der amerikanische Geheimdienst
sich auf irgendwelche Weise Kenntnis der Geheimschrift erworben
hat, in welcher das Telegramm von Washington nach Mexiko weiterbefördert
wurde. Daß die Veröffentlichung in Amerika das größte Aufsehen erregt
hat, ist natürlich, und daß unsere Feinde ein willkommenes Mittel darin
erblicken, die herrschende Erregung gegen Deutschland zur Siedehitze zu
steigern, ist selbstverständlich. Wenn aber von „deutschen Intrigen“ in
amerikanischen Ländern gesprochen wird, so möchte ich hervorheben,
daß wir es stets auf das entschiedenste abgelehnt haben, uns in die Politik
des amerikanischen Festlandes einzumengen. Alle amerikanischen Behauptungen
über deutsche Intrigen in Haiti, Kuba, Kolumbien sind Märchen.
Ich kann auf das bestimmteste versichern, daß, solonge ich den Posten eines
kaiserlich deutschen Botschafters in Washington bekleidete, niemals auch nur
das leiseste Anzeichen zu meiner Kenntnis gelangt ist, daß die kaiserliche
Regierung die Politik der genannten und anderer mittel- und südamerikanischer
Staaten in einem der Union feindlichen Sinne zu beeinflussen gesucht
hat. In ganz Mittel- und Südamerika und ganz besonders auch in Mexiko
haben wir stets ausschließlich wirtschaftliche Ziele verfolgt und selbst
die Pflege der großen wirtschaftlichen Interessen, die wir in allen diesen
Ländern haben, des öfteren bewußt hintangesetzt, um die Empfindlichkeit
der Vereinigten Staaten zu schonen. Selbst in dem Augenblick, wo die
deutsche Regierung den Entschluß faßte, den uneingeschränkten U-Bootkrieg
zu beginnen und wo nach der bisherigen Haltung der amerikanischen Regierung
mit der Verwirklichung der wiederholten amerikanischen Kriegsdrohung
gerechnet werden mußte, hat ihr als wichtigstes politisches Ziel
die Aufrechterhaltung der Neutralität der Vereinigten Staaten vorgeschwebt.
Ebenso deutlich sagt die Instruktion in bezug auf Mexiko, daß der Gesandte
von ihr nicht eher Gebrauch machen darf, als bis er die Gewißheit
erlangt hat, daß die Vereinigten Staaten uns den Krieg erklärt haben.
Daraus erhellt, daß die mexikanische Regierung, wenn die Vereinigten