Metadata : Archiv für öffentliches Recht.Fünfter Band. (5)

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„Solche  Pflichten,  die  aus  der  Natur  des  Rechtsverhältnisses
  hervorgehen,  giebt  es  unseres  Erachtens  nur  folgende:
1)  dass  der  Staat,  welcher  aus  dieser  bisherigen  ewigen  Neutralität
  heraustreten  und  sich  fortan  die  freie  Hand  der  gewöhnlichen
  Neutralität  oder  Nichtneutralität  vindieiren  will,
eine  solche  Erklärung  zeitig,  in  Friedenszeiten,  abgeben,  mit
anderen  Worten,  die  ewige  Neutralität,  die  bei  ıhm  als  ein
für  allemal  fortbestehend  angenommen  wird,  aufkünden
muss.  Das  erfordert  die  politische  Redlichkeit  und  Aufrichtigkeit,
  die  auch  im  völkerrechtlichen  Verkehre  unentbehrlich  ist.“

Ist  nun  mit  der  Zuerkennung  dieser  „Pflicht“  in  Wirklichkeit
nicht  ein  weiteres  ganz  ungeheures  Privilegium  dem  neutralisirten
Staate  vindicirt?  Ist  ihm  nicht  implicite  das  Recht  in  Anspruch
genommen,  dass  er  seinerseits  jederzeit,  im  Frieden  sogar,  also
ohne  Anlass,  die  ewige  Neutralität  künden,  dadurch  in  die  Rechte
eines  nicht  neutralisirten  Staates  restituirt  werden,  und  somit
nach  Belieben  Krieg  verkündigen  kann?  Dagegen  den  anderen
Staaten  soll  dieses  Recht  gegen  den  solcherweise  neutralisirten
Staat  nicht  zustehen,  selbst  dann  nicht  einmal,  wenn  er  mit  keinem
anderen  Zwangsmittel  zur  Erfüllung  auch  nur  seiner  allgemein
völkerrechtlichen  Pflichten  angehalten  werden  kann?

Gegen  eine  derartige  Auffassung  des  Neutralisationsverhältnisses
  ist  entschieden  Verwahrung  einzulegen!  Wir  wollen  allerdings
  zunächst  dahingestellt  sein  lassen,  ob  die  Neutralisation  in
der  That  als  eine  „ewige“  im  eigentlichen  Wortsinn,  also  als  auf
einem  unkündbaren  Vertrag  beruhend,  zu  verstehen  sei,  oder  ob
dieses  Beiwort  „ewig“  nicht  wie  in  allen  ähnlichen  völkerrechtlichen
  Verträgen  eher  in  dem  Sinne  „von  vorläufig  unbegrenzter
Dauer“  aufgefasst  werden  müsse.  Ist  aber,  wie  der  Verfasser
präsumirt,  dieses  letztere  der  Fall,  kann  der  neutralisirte  Staat
jederzeit,  selbst  im  Frieden,  seinen  Vertrag  künden,  dann  muss
auch  jedem  anderen  an  dem  Neutralisationsgeschäft  betheiligten
Staate  dasselbe  Recht  der  Kündigung  zustehen.  Denn  weder  aus