88 Die Gründung der Societät im Jahre 1700.
der Verkehr mit der Kurfürstin Sorume CGuaRLoOTTE; sie hatte ihın
ein Zimmer in ihrem Lustschloss Lietzenburg eingeräumt! und fand
trotz aller Feste Zeit, gehaltvolle wissenschaftliche Gespräche mit
ihm zu führen, die Lriewız sogar veranlassten, ihr schriftliche Exposes
zu übergeben”. Ausserdem benutzte er seine freie Zeit zu
einer umfangreichen Correspondenz mit der hannoverschen Kurfürstin?.
Alles beriehtet er ilır treulich, das Bedeutende und das
Kleinste, vor alleın Politisches, dann auch Wissenschaftliches und
Höfisches, und spielt in der "That die Rolle eines ausserordentlichen
Agenten der Kurfürstin am brandenburgischen Hofe. Vom Kurfürsten
ist er entzückt; derselbe habe versprochen, das Observatorim
oft zu besuchen, wenn es hergestellt sein wird. Ironisch
scherzend bemerkt die Kurfürstin Sorme: »Cela manqua encore A
la grandeur de Mr. l’Eleeteur de Brandebourg d’avoir toujours um
astrologue A ses cötes, comme les Rois des Indes«‘.
Am ı9. Juni hatte Lrissız eine Audienz beim Kıurfürsten in
Schönhausen® und wurde von ihm mit der Abfassung der Stiftungsurkunde
betraut und zum Präsidenten der Societät ernannt“. Aber
! Er gab es aber im Juni wieder auf und zog nach Berlin. weil ihn die geräuschvollen
Feste angriffen und er Brunnen trinken wollte. s. die Briefe an die
Kurfürstin Sorime (Kıorr, Werke. 8. Band. S.167f. 181). »J’ai fait ici une vie
que Mad. }'Electrice appelle apres moi ein liederlich Leben.«
?2 Siehe Krore, Werke, 10. Band, S.62 ff. Es handelte sich um psyehologisehe
Fragen. die durch eine Sehrift des Abts MoLaxus angeregt waren. So werthvoll
und entzückend waren der Kurfürstin diese Gespräche. dass sie nach der Krönung
an Lrıenız einmal schrieb: »Ne croyez pas que je prefere ces grandeurs et
ces couronnes, dont on fait ici tant de cas, aux charmes des entretiens philosopliques
que nous avons eus a Charlottenbourg«. So erzählt Frirpricn der Grosse in
seiner Abhandlung über Frienricu I. (Mem. de VP’Acad. Royale des Sciences 1748 pP. 378).
und die Wahrheit dieser Erzählung wird dadurch nicht beeinträchtigt. dass dieser
Brief nicht erhalten ist und dass der König den späteren Namen »Charlottenburg«
für »Lietzenburg« eingesetzt hat.
® Wir besitzen aus den drei Monaten, die sich Leirwız in Berlin aufhielt.
ı3 zum Theil sehr ausführliche Briefe von ihm an die Kurfürstin Sormie und 14
von ihr an Leizxız, dazu vier Schreiben des Letzteren an den hannoverschen Kurfürsten
(s. Kıorr, Werke, 8. Band, S. 151— 208).
* A.2.0.8.154. 156.
° Ein interessantes ('oneept für eine etwas spätere Unterredung mit dem
Kurfürsten von Leiexizens Hand findet sich im akadeinischen Archiv; mitgetheilt
un Urkundenband Nr. 39.
° Siehe den Brief an Sormie vom 19. Juni (Kropp, Werke. 8. Band. S. 182).
In ihrem Gratulationssehreiben vom 23. Juni (a.a.0. $S.184) spielt die Kurfürstin
auf die preussische Königskrone an: »On ne craint point les heros de Brandebourg,
d’autant qwil n’y a point de royaume a conquerir pour M.T’Electeur de Brandebourg
de cc eöte ici [sic]«. Den hannoverschen Kurfürsten bat LEigvız um Bestätigung