120 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Sept. 29.—Okt. 5.)7.)
wählt. — Finanzminister v. P f a f f legt das Budget vor, das mit einem
Fehlbetrag von fast vier Millionen abschließt. Die Ordnung der finanziellen
Beziehungen zwischen Reich und Einzelstaaten sei dringend nötig, ebenso
eine regelmäßige beträchtliche Schuldentilgung.
29. September. (B a d e n-B a d e n.) Der Reichskanzler Fürst
Bülow hat eine Zusammenkunft mit dem italienischen Minister des
Auswärtigen Tittoni.
September. Oktober. (B e r l i n.) Ausstand in der Elektrizitäts-
und Metallindustrie.
In mehreren Unternehmungen verlangen die Schraubendreher strikte
Durchführung des Achtstundentags, Abschaffung aller Ueberstunden, Lohnerhöhungen.
Da eine Einigung nicht erfolgt, werden 850 Arbeiter ausgesperrt
(Ende September); da andere Arbeiter gemeinsame Sache mit den
Streikenden machen, werden am 27. September 33000 Arbeiter ausgesperrt.
Einigungsversuche führen zu keinem Ergebnis, da die Arbeiter 7½ Prozent
Lohnerhöhungen fordern, die Unternehmer nur 5 bis 6 zugestehen. Der
Verband der Berliner Metallindustrie erklärt sich mit der Elektrizitätsfirma
solidarisch und droht für den 14. Oktober weitere 20000 auszusperren
(Anfang Oktobter). Infolgedessen erneuern die Arbeiter die Verhandlungen:
die Unternehmer gewähren die schon vor dem Streik bewilligten Erhöhungen
und stellen die Ausständigen nach Bedarf wieder an.
2. Oktober. (W ü r t t e m b e r g.) Die Eisenbahnverwaltung
führt die neunstündige Arbeitszeit ein.
2. Oktober. (S a c h s e n.) Bei den Ergänzungswahlen zur
Zweiten Kammer werden gewählt 19 Konservative, 8 Nationalliberale,
1 Reformparteiler, 1 Freisinniger, 1 Sozialdemokrat. Die
Konservativen verlieren vier Sitze.
3./7. Oktober. (B e r l i n.) Tagung des zweiten Kolonialkongresses.
Es werden öffentlich alle kolonialen Angelegenheiten
diskutiert von Beamten, Missionaren, Gelehrten und Vertretern
der wirtschaftlichen Interessen.
Anfang Oktober. (P r e u ß e n.) In der Presse wird lebhaft
geklagt, daß mehrere große Güter von Deutschen an Polen verkauft
seien und daß die Stadtverwaltung von Posen ein städtisches
Grundstück an Polen verkauft habe.
5.7. Oktober. (B a y e r i s c he A b g e o r d n e t e n k a m m e r.) Debatte
über die Fleischnot.
Abg. S e g i t z (Soz.) interpelliert die Regierung über Maßregeln zur
Bekämpfung der Fleischteuerung. Minister des Innern Graf F e i l i t z s c h:
Die Regierung habe nicht nur Erhebungen über die Fleischteuerung angestellt,
sondern auch alle Maßnahmen erwogen, die für eine tunlichst
rasche Abminderung der hohen Fleischpreise in Betracht kommen. Eine
weitere Oeffnung der Grenzen sei jedoch nicht angängig, weil dadurch unser
heimischer Viehbestand der Gefahr der Verseuchung ausgesetzt werde. Die
sicherste Grundlage für eine verlässige Fleischversorgung des Landes sei
eine gedeihliche Fortentwicklung der heimischen Viehzucht und die Förde-