Full text : Archiv für öffentliches Recht.Siebenter Band. (7)

Nach  unserer  privatrechtlichen  Construction  ergibt  sich  die
Entscheidung  ohne  Schwierigkeit.  Bekanntlich  hat  schon  HırscHeu
die  privatrechtliche  Construction  versucht.  Er  hat  dabei  aus  den
beiden  berechtigten  Gemeinden  eine  einheitliche  Gesammtgemeinde
als  berechtigten  Factor  construirt.  Dieses  Phantasiegebilde  ist
als  solches  genügend  von  HiınscHius  und  KöHLer  gekennzeichnet
worden.  Gerade  aber  an  der  Consequenz  in  vorliegender  Frage
(HırscHeL  nimmt  Vertheilung  nach  der  Zahl  der  Gemeinden  an)  °*)
zeigt  sich  die  Unrichtigkeit  der  Grundanschauung.  Dass  damit
gegen  die  privatrechtliche  Construction  überhaupt  irgend  ein
Moment  erbracht  sei,  wird  Niemand  behaupten  wollen.  Die
ın  Bayern  vorkommende  Simultankirchenverwaltung,  welche  aus
den  Pfarrern  und  gewählten  Vertretern  der  betheiligten  Gemeinden,
  sowie  einem  Vertreter  der  politischen  Gemeinde  besteht
(Kraıss,  a.  a.  O.  S.  45)  ist  für  die  vorliegende  Frage  nicht  ohne
Bedeutung,  denn  die  vorstehend  citirte  Ministerialentschliessung
hat  den  Grundsatz  ausgesprochen,  dass  eine  solche  Simultanverwaltung
  nur  dort  einzurichten  sei,  wo  Simultaneum  Miteigenthumverhältniss
  sei,  denn,  wie  die  Entschliessung  sehr  richtig
bemerkt,  sei  zwar  an  jeder  Simultankirche  der  Gebrauch  gemeinsam,
  nicht  aber  das  Recht  auf  die  Substanz  des  Eigenthums.

4.  Im  Anschlusse  an  das  Vorstehende  will  ich  eine  weitere
Frage  kurz  streifen.  Eine  Simultankirche  ist  für  den  Gebrauch
der  simultanberechtigten  katholischen  Gemeinde  zu  klein  geworden.
Muss  ein  Erweiterungsbau  vorgenommen  werden,  und  wer  hat  die
Kosten  eines  solchen  zu  tragen?  Eine  Frage,  die  bei  den  verschiedenen
  Gestaltungen  des  Vermögensrechte  an  Simultankirchen

°®)  Eine  Ansicht,  die  SıLsernacı,  Verf.  und  Verw.  sämmtlicher  Religionsgesellschaften
  in  Bayern.  2.  Aufl.  Regensburg  1882,  theilt,  wenn  die  Antheile
der  Gemeinden  gleich  sind.  Die  Ministerial-Entschliessung  vom  21.  October
  1874  (Amtshandbuch  für  die  protest.  Geistlichen  des  Königreichs
Bayern  diess.  d.  Rheins.  Neue  Aufl.  München  1883,  1,  401  ff.)  behandelt  die
Frage  als  eine  offene.