Metadaten : Geschichte der königlich Preußischen Armee. Band IV. (4)

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Soldat  kann  hierdurch,  namentlich  wenn  er  als  Tirailleur  sich  mehr
selbst  überlassen  ist,  leicht  zu  einer  gefährlichen  Munitionsver—
schwendung  verleitet  werden.  Dagegen  ist  nicht  zu  verkennen,  daß
das  Dreysesche  Gewehr  mit  dieser  Eigentümlichkeit  in  den  Händen
kriegsgewohnter,  gewiegter  Soldaten,  die  der  Führer  völlig  in  seiner
Gewalt  hat,  bei  dem  entscheidenden  Feuergefecht  der  Infanterie—
massen  den  Ausschlag  zu  geben  geeignet  ist,  da  es  den  Gegner
physisch  und  moralisch  niederwerfen  muß,  wenn  er  bereits  die  zweite
Salve  erhält,  während  er  noch  mit  dem  Wiederladen  seiner  Gewehre
beschäftigt  ist.  .  .  Gewehre  dieser  Konstruktion  lassen  sich  im  Liegen
fast  ebenso  leicht  als  im  Stehen  laden,  und  wenngleich  die  Möglichkeit,
ein  rasches  Feuer  abzugeben,  für  den  Tirailleur  weniger  wichtig  ist,
so  gewährt  doch  die  erwähnte  Eigentümlichkeit  des  Dreyseschen  Gewehrs
  dem  Schützen  den  Vorteil,  sich  auch  in  ebenem  und  offenem
Terrain  durch  Niederlegen  eine  Deckung  verschaffen  zu  können,  ohne
der  Wirkung  des  eigenen  Feuers  Eintrag  zu  tun“.  Die  Verteidigung
gegen  Kavallerie  sei  erleichtert.  Beim  Schießen  hinter  Scharten
von  Festungswerken  und  aus  Kasematten,  wo  die  Handhabung  des
Ladestocks  erschwert  sei,  biete  das  neuc  Gewehr  Vorzüge.  Das  Laden
falle  auch  kleinen  Leuten  nicht  beschwerlich.  Da  das  Abbeißen  der
Patronen  wegfalle,  seien  schlechte  Zähne  kein  Hindernis.  Das  Gewehr
  könne  nicht  wie  der  Vorderlader  in  der  Hitze  des  Gefechts  mit
mehreren  Schüssen  geladen  werden.  Entladen  und  Reinigen  sei  einfach.
  Gerade  der  Hauptvorzug  der  neuen  Waffe,  ihre  schnelle  Feuerbereitschaft,
  erregte  aber  die  Besorgnis,  daß  dadurch  ein  vorzeitiges
Verschießen  entstehen  könne.  Der  Zylinderverschluß  war  ziemlich
kompliziert  und  verschmutzte  bei  längerer  Benutzung  durch  die  Pulverrückstände.
  Da  der  Zündspiegel  nicht  im  Boden  der  Patronec,  sondern
vorwärts  der  Pulverladung  saß,  wurde  die  lange  dünne  Nadel
von  dem  aufflammenden  Pulver,  das  sie  durchstechen  mußte,  allmählich
  ausgeglüht,  zerbrach  dann  leicht  und  mußte  ausgewechselt  werden,
was  im  Ernstgefecht  seine  Bedenken  hatte.  So  standen  sich,  solange
noch  keine  Kriegserfahrungen  vorlagen,  die  Ansichten  gegenüber.
Besonders  der  General  v.  Willisen  (Georg)  war  ein  Gegner  des  Zündnadelgewehres
  und  erklärte  es  noch  1853  als  „ein  Unglück  für  die
Armec“.  Wahr  gemacht  hat  sich  dagegen  das  stolze  Wort  Priems:
„60  000  mit  Zündnadelgewehren  bewaffnete  Soldaten  unter  Füh—
rung  eines  talentvollen  Generals,  und  Seine  Majestät  der  König
kann  bestimmen,  wo  Preußens  Grenze  gehen  soll“.  Bis  zum
Jahre  1848  hatte  die  Fabrik  in  Sömmerda  etwa  45000  Gewehre
abgeliefert,  und  am  15.  April  befahl  der  König,  „daß  dic  Bewaffnung
der  Füsilierbataillone  und  evtl.  der  Jäger  und  des  Gardeschützenbataillons
  mit  dem  leichten  Perkussionsgewehr  in  möglichst  kurzer
Zeit  zur  Ausführung  komme“.  Zunächst  wurden  auf  A.  K.  O.  vom
6.  Juni  das  1.  und  2.  Garderegiment  zu  Fuß,  das  Gardereserveinfanterieregiment
  und  die  Füsilierbataillone  des  2.,  9.  und  32.  Infanteric-