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Soldat kann hierdurch, namentlich wenn er als Tirailleur sich mehr
selbst überlassen ist, leicht zu einer gefährlichen Munitionsver—
schwendung verleitet werden. Dagegen ist nicht zu verkennen, daß
das Dreysesche Gewehr mit dieser Eigentümlichkeit in den Händen
kriegsgewohnter, gewiegter Soldaten, die der Führer völlig in seiner
Gewalt hat, bei dem entscheidenden Feuergefecht der Infanterie—
massen den Ausschlag zu geben geeignet ist, da es den Gegner
physisch und moralisch niederwerfen muß, wenn er bereits die zweite
Salve erhält, während er noch mit dem Wiederladen seiner Gewehre
beschäftigt ist. . . Gewehre dieser Konstruktion lassen sich im Liegen
fast ebenso leicht als im Stehen laden, und wenngleich die Möglichkeit,
ein rasches Feuer abzugeben, für den Tirailleur weniger wichtig ist,
so gewährt doch die erwähnte Eigentümlichkeit des Dreyseschen Gewehrs
dem Schützen den Vorteil, sich auch in ebenem und offenem
Terrain durch Niederlegen eine Deckung verschaffen zu können, ohne
der Wirkung des eigenen Feuers Eintrag zu tun“. Die Verteidigung
gegen Kavallerie sei erleichtert. Beim Schießen hinter Scharten
von Festungswerken und aus Kasematten, wo die Handhabung des
Ladestocks erschwert sei, biete das neuc Gewehr Vorzüge. Das Laden
falle auch kleinen Leuten nicht beschwerlich. Da das Abbeißen der
Patronen wegfalle, seien schlechte Zähne kein Hindernis. Das Gewehr
könne nicht wie der Vorderlader in der Hitze des Gefechts mit
mehreren Schüssen geladen werden. Entladen und Reinigen sei einfach.
Gerade der Hauptvorzug der neuen Waffe, ihre schnelle Feuerbereitschaft,
erregte aber die Besorgnis, daß dadurch ein vorzeitiges
Verschießen entstehen könne. Der Zylinderverschluß war ziemlich
kompliziert und verschmutzte bei längerer Benutzung durch die Pulverrückstände.
Da der Zündspiegel nicht im Boden der Patronec, sondern
vorwärts der Pulverladung saß, wurde die lange dünne Nadel
von dem aufflammenden Pulver, das sie durchstechen mußte, allmählich
ausgeglüht, zerbrach dann leicht und mußte ausgewechselt werden,
was im Ernstgefecht seine Bedenken hatte. So standen sich, solange
noch keine Kriegserfahrungen vorlagen, die Ansichten gegenüber.
Besonders der General v. Willisen (Georg) war ein Gegner des Zündnadelgewehres
und erklärte es noch 1853 als „ein Unglück für die
Armec“. Wahr gemacht hat sich dagegen das stolze Wort Priems:
„60 000 mit Zündnadelgewehren bewaffnete Soldaten unter Füh—
rung eines talentvollen Generals, und Seine Majestät der König
kann bestimmen, wo Preußens Grenze gehen soll“. Bis zum
Jahre 1848 hatte die Fabrik in Sömmerda etwa 45000 Gewehre
abgeliefert, und am 15. April befahl der König, „daß dic Bewaffnung
der Füsilierbataillone und evtl. der Jäger und des Gardeschützenbataillons
mit dem leichten Perkussionsgewehr in möglichst kurzer
Zeit zur Ausführung komme“. Zunächst wurden auf A. K. O. vom
6. Juni das 1. und 2. Garderegiment zu Fuß, das Gardereserveinfanterieregiment
und die Füsilierbataillone des 2., 9. und 32. Infanteric-