Metadata : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

12  1.  Kindheit  und  Schulzeit

zu  einem  Vorstoß  in  entgegengesetzter  Richtung  veranlaßt.  Er
stand  auch  zu  sehr  unter  dem  Einfluß  der  vorurteilsfreien  Erziehung
  des  Hauses.

1832  verließ  er  als  Abiturient  das  Graue  Kloster;  wie  er
in  seinen  Erinnerungen  sagt,  „als  normales  Produkt  staatlichen
Unterrichts,  als  Pantheist  und  wenn  nicht  als  Republikaner,
doch  mit  der  Uberzeugung,  daß  die  Republik  die  vernünftigste
Staatsform  sei,  und  mit  dem  Nachdenken  über  die  Ursachen,
welche  die  Menschen  bestimmen  könnten,  einem  dauernd  zu  gehorchen,
  während  ich  von  Erwachsenen  manche  bittere  oder  geringschätzige
  Kritik  über  die  Herrscher  hören  konnte."“

Von  ausgesprochenen  Reigungen  für  dieses  oder  jenes  Unterrichtsfach
  wissen  wir  kaum  etwas.  Die  Mathematik,  das  hat
er  einmal  gesagt,  liebte  er  wenig.  Für  das  Altertum,  zumal
das  römische,  hat  er  sich  offenbar  lebhaft  interesssert;  reichliche
Zitate  und  Anspielungen  hat  er  zeitlebens  ihm  entnommen.  Der
philologische  Unterricht  hat  ihm  nicht  immer  gefallen,  die  griechische
  Grammatik  hat  er  überflüssig  genannt.  Zu  einer  Lebensmacht
  ist  die  gymnastale  Bildung  nicht  für  ihn  geworden;  dazu
war  er  ein  zu  moderner  Mensch  und  eine  im  deutschen  Wesen
zu  ausgeprägte  Natur.  Geschichtsstudien  lagen  ihm  besonders
nah;  die  neuere  deutsche  Dichtung,  die  französische  und  besonders
  die  englische  Literatur  —  allerdings  hauptsächlich  nach  der
Schulzeit  —  zogen  ihn  lebhaft  an.  Schiller  mit  seiner  warmen
Vaterlandsliebe  und  seiner  historisch-politischen  Art  zu  denken,
fesselte  ihn  mehr  als  Goethe.  Chamisso,  Uhland,  Lenau,  auch
Heine,  von  den  Fremden  Bypron  waren  ihm  lieb  und  vertraut.

Unter  seinen  Gymnastalleistungen  standen  Latein  stets  voran,
zeitweilig  auch  die  Geschichte,  später  mehr  noch  das  Deutsche,
in  dem  er  „eine  sehr  erfreuliche  Gewandtheit  besitze“.  Des  Abgangszeugnisses
  Schluß  lautete:  „Wir  entlassen  diesen  befähigten
und  wohlvorbereiteten  Jüngling  mit  unsern  besten  Segenswünschen
  und  der  Hoffnung,  daß  er  mit  erneutem  Eifer  an
seiner  ferneren  wissenschaftlichen  Ausbildung  arbeiten  werde."“

Charakteristisch  ist  dieses  Zeugnis  nicht,  wie  die  meisten  Zeugnisse
  aus  jener  Zeit,  denen  vielfach  ein  schematischer  Vordruck