Inhaltsverzeichnis : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

44  Landlieferungen  —  Landmesser  (Feldmesser)
Rechnungsiahr,  ewie  hinsichtlich  der  assessoren  und  zreferendarien  ist  die  Qualifikation
Städte  Städtisches  Kassen=  und  als  L.  zu  erteilen,  wenn  sie  sechs  Monate  mit

Rechnungswesen.  |  Erfolg  bei  einem  g.  praktisch  gearbeitet  haben  und
Literaturnachweise  bei  Landgemeindeordnungen.  vier  vorschriftsmäßige  Probearbeiten  aus  dieser
Landlieferungen  s.  Kriegsleistungen  IIphä.7  #  Beschäftigung  vorlegen,  sowie  eine  ihnen  erteilte
Landmesser  (Feldmesser)  sind  die  in  Pren=  Aufgabe  im  Kartenzeichnen  zulänglich  lösen

ßen  praktisch  und  akademisch  vorgebildeten,  (Prüfungsvorschriften  vom  4.  Sept.  1882  —

staatlich  geprüften  und  angestellten  Techniker  MBl.  202  —  nebst  Abänderungen  vom  12.  Juni

für  die  Landesvermessung.  Nach  §  36  GewO.  1893  —  MBl.  140  —,  26.  Jan.  1896  —  MBl.  18

sind  sie  Gewerbetreibende;  ihr  Gewerbe  darf  und  21.  Febr.  1901).  Eine  weitere  besondere

zwar  frei  betrieben  werden,  doch  bleiben  die  Prüfung  haben  die  im  Bereiche  der  landwirt-Landesregierungen

  berechtigt,  Personen,  welche  schaftlichen  Verwaltung  als  Vermessungsbeamte

das  Gewerbe  betreiben  wollen,  zu  beeidigen  anzustellenden  L.  abzulegen  (Erl.  vom  8.  Dez.

und  öffentlich  anzustellen.  §  4  Ziff.  7  PrGew--)
St#.  zählt  aber  die  vereidigten  L.  nicht  zu  den
steuerpflichtigen  Gewerbetreibenden.  Die  Bestal-  s
lung  und  Vereidigung  setzt  Bestehen  einer  Prüfung,
  Unbescholtenheit  und  Zuverlässigkeit  voraus.
Die  Prüfung  ist  vor  einer  der  beiden  Prüfungskommissionen
  abzulegen,  die  bei  den  beiden
landwirtschaftlichen  Hochschulen  in  Berlin  und
Poppelsdorf  errichtet  sind.  Die  Prüsungskommissionen
  unterstehen  einer  aus  je  einem  Kommissar
  des  FM.,  MsL.  und  MdölA.  unter  Vorsitz
  des  dienstältesten  Kommissars  zusammengesetzten
  Oberprüfungskommission,  welche  auch
über  die  Qualifikation  der  Geprüften  endgültig
entscheidet  und  die  Bestallungen  ausfertigt.
Über  die  Zusammensetzung  der  Prüfungskommissionen
  entscheiden  die  genannten  Minister
nach  Anhörung  der  Oberprüfungskommission.
Die  Zulassung  zur  Prüfung  setzt  voraus:  1.  entweder
  Reife  für  die  Prima  einer  neunstufigen
höheren  Lehranstalt  oder  a)  bestandene  Prufung
nach  Abschluß  der  Untersekunda  oder  b)  Reifezeugnis
  einer  Realschule  bzw.  gymnasialen  oder
realistischen  Lehranstalt  mit  sechsstusigem  Lehrgang,
  und  außerdem  in  den  Fällen  zu  a  und  b
einjährigen  erfolgreichen  Besuch  einer  anerkannten
  mittleren  Fachschule;  2.  mindestens  einjährige
  praktische  Beschäftigung  bei  einem  vereideten
  L.;  3.  mindestens  zweijähriges  Studium

nicht

Bestallung  kann  nach  §§  53,  54  Gewy.

der  Bestellung  vorausgesetzt  werden

1888  —  MBl.  1889,  7;  s.  hierzu  auch  Vf.  vom
4.  Juni  1910  —  MBlfs.  162).  Wegen  der
im  Bereiche  der  Katasterverwaltung  anzustellenden
  L.  s.  Katasterverwaltung.

Nach  der  Bestallung  werden  die  L.,  sofern  sie
nicht  von  einer  Staatsbehörde  zu  dauernden  amtlichen
  Funktionen  bestellt  und  daher  als  Beamte

vereidigt  werden,  von  dem  Regierungspräsidenten

  eidlich  verpflichtet,  worin  die  öffentliche
Anstellung  im  Sinne  des  §  36  Gew0O.  liegt
(OB.  47,  324).  Sie  unterliegen,  soweit  sie
in  der  landwirtschaftlichen  oder  Eisenbahnverwaltung
  beschäftigt  sind,  der  Disziplin
des  Regierungspräsidenten  und  des  FMN.  Ihre
im
Verwaltungsstreitverfahren  vor  dem  BezA.  zurückgenommen
  werden  wegen  Unrichtigkeit  der
Nachweise,  auf  Grund  deren  sie  erteilt  ist,  sowie
bei  Verlust  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  —  für
dessen  Zeitdauer  —  oder  wenn  aus  Handlungen
oder  Unterlassungen  des  IJnhabers  der  Mangel
derienigen  Eigenschaften  klar  erhellt,  welche  bei
mußten
(wegen  Mangels  der  „Zuverlässigkeilt“  vgl.
OVG.  47,  319).  Die  Ausführung  der  Landmesserarbeiten
  muß  nach  den  Vorschriften  des
Feldmesserreglements  erfolgen.  Jeder  Interessent
  kann  beim  Regierungspräsidenten,  im
Auseinandersetzungsverfahren  bei  der  Generalder

  Geodäfsie  auf  den  Hochschulen  in  Berlin  oder  kommission  die  Revision  der  Landmesserarbeiten
Poppelsdorf.  Offiziere  des  stehenden  Hceres  durch  Revisoren  beantragen,  welche  vom  Regenügen
  dem  Erfordernis  zu  1  durch  ihr  Offi-gierungspräsidenten  im  Einverständnisse  mit  der
zierspatent.  Aus  der  praktischen  Beschäftigung  Generalkommission  aus  der  Zahl  der  L.  des  Bemüssen
  vier  Probearbeiten  bestimmter  Art  vor=  zirks  gestellt  werden.  Mossungsfehler  innerhalb
gelegt  werden.  Der  Prüfling  hat  Fertigkeit  bestimmter  Fehlergrenzen  gelten  aber  nicht  als
im  Kartenzeichnen  nachzuweisen.  Im  übrigen  solche.  Uberschreiten  die  Fehler  diese  Grenzen,
erstreckt  sich  die  Prüfung  auf  elementare  Mathe-  6  trägt  der  L.  die  Kosten  der  Revision,  andernmatik,
  analytische  Geometrie,  höhere  Analysis,  falls  der  Antragsteller.  Gehen  die  Fehler  über
Theorie  der  Beobachtungsfehler,  Landmeßkunde,  das  Doppelte  der  Fehlergrenzen  hinaus,  so  ist
Nivellieren,  Trassieren,  Massenberechnungen,  Ab-  die  Arbeit  ganz  oder  teilweise  unbrauchbar  und
stecken  zum  Erd=  und  Wasserbau,  Instrumenten-  insoweit  von  dem  L.  oder  einem  anderen  L.

kunde,  Landeskulturtechnik  und  einschlägige  auf  Kosten  des  ersteren  zu  rektifizieren.  Der
Rechtskunde.  Sie  ist  eine  schriftliche  drei  Tage,  Revisionsbefund  wird  auf  Grund  des  Gutachtens
drei  Arbeiten  —,  praktische  im  Gelände  —  in  des  Revisors  von  dem  Regierungspräsidenten

Landmeßkunde,  Nivellieren  und  Trassieren  —
und  mündliche.  Sie  ist  nicht  bestanden,  wenn  auch
nur  in  einem  Fache  nicht  mindestens  das  Prädikat  FM.  bzw.  MisL.  zulässig  ist.

„zulänglich“  erlangt  ist.  In  diesem  Falle  kann!)  Die  Bezahlung  der  Landmesserarbeiten  besie
  einmal,  nach  Bestimmung  der  Oberprüfungs=  steht  in  der  Regel  in  Tagesdiäten,  Feld-  und
kommission  nach  einem  halben  oder  einem  Jahr,  Reisezulage,  Ersatz  der  Auslagen  und  Reisekosten;
wiederholt  werden.  Diese  Kommission  bestimmt  ihre  Höhe  ist  durch  die  zuständigen  Minister  festauch,
  ob  die  Prüfung  völlig  oder  nur  teilweise  gestellt;  die  Liquidation  unterliegt  bei  Meinungszu
  wiederholen  ist.  Auch  bestallte  L.  können  sich  verschiedenheiten  der  Festsetzung  des  Regierungseiner
  Nachprüfung  behufs  Erlangung  besserer  präsidenten  bzw.  der  Auseinandersetzungsbehörde
Prädikate  unterwerfen.  Die  Prüfungsgebühr  unter  Zulassung  einer  Berufung  an  den  zubeträgt
  15.X.  Baumeistern,  Bauführern,  Forst=  ständigen  Minister.  Die  L.  haben  Tagebücher

böw.  der  Auseinandersetzungsbehörde  in  einem
Bescheide  festgestellt,  gegen  den  Rekurs  an  den