Neuere oberstrichterliche Ertenntnisse. 569
der Preisanschläge innerhalb des polizeilich bestimmten
Zeitraumes.
Zur Bestrafung der letzterwähnten zwei Berufspflichtverletzungen
dient der Art. 143 des PStGB.
und zwar in Z. 1 hinsichtlich der Unterlassung, in
Z. 2 hinsichtlich der unbefugten Aenderung der Preisanschläge
vermöge des im §S. 144 d. R. für
die Landesgesetzgebung getroffenen Vorbehaltes. Erk.
v. 16. Sept. 1876 UNr. 468.
III. Strafbestimmungen in Spezialgesetzen.
1) Reichsgewerbeordnung v. 21. Juni 1869.
S 1 Abs. 2, §. 33, S. 147 Z. 1. Die Ausführungen
beider Instanzgerichte, daß seit der Einführung
der Reichsgewerbeordnung in Bayern (1. Jan.
1873) das Conditoreigewerbe in Oberfranken eine
Befugniß zum Kleinhandel mit Liqueuren nicht mehr
aus den hierauf bezüglichen Anordnungen der bayer.
Gewerbsgesetzgebung und Gewerbspolizei vom Jahre
1868 in Anspruch nehmen könne, verhalten sich in
vollständiger Richtigkeit und in Uebereinstimmung
mit dem allegirten oberstrichterlichen Erkenntnisse vom
21. Dez. 1874, soweit dabei von einem erst
nach dem 1. Januar 1873 gegründeten
Conditoreigewerbe ausgegangen wird, denn
der §. 33 d. RGO. erfordert zum Kleinhandel mit
Spirituosen ausnahmslos eine gewerbspolizeiliche Erlaubniß
und setzt hiebei, wie aus seinem Abs. 2 und
aus §. 10 der bayer. Vollz.-Verordnung hervorgeht,
eine spezielle Prüfung des Eingelnfalles voraus, so
daß eine generelle (oberpolizeiliche) Regelung der
betr. Befugnisse — wie sie bis dahin in Ansehung
der Conditoreien in Bayern bestand — fernerhin
nicht mehr Platz greifen kann.
Allein auf eine unrichtige Bahn sind beide Instanzgerichte
gerathen und in einen Widerspruch mit