Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

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die Entscheidung der Frage unter einem Vorwand hinauszuziehen, Juli 10. 
zumal ohnehin auf allen Kreis-, Reichs- und andern Tagen eben 
Kurpfalz das Haupt aller Widerwärtigkeiten ist, die andern Stände 
an sich zieht, unter den Protestanten das Direktorium führt und, wenn 
man schon einmal einig ist, gleich Uneinigkeit und Verwirrung im 
lteich zu seinem Vorteil pflanzt, erweitert und fortsetzt. 
Der Justizpunkt wird auf einem Kurfürstentag ohne Zutun 
des ganzen Reiches weder erörtert noch deshalb etwas Endgiltiges 
geschlossen werden können, nur Vorbereitungen zu dessen Beförderung 
beim nächsten Reichstag können getroffen werden; anderes würden 
die übrigen Stände nicht zulassen. 
Wenn auch alle Kurfürsten und der Kaiser einen nächstens an- 
zustellenden Reichstag beschliessen, so hat man davon doch nicht 
mehr Vorteil als vom letzten zu erwarten, „wegen der fortlhaftigen 
extension, confirmation des religionfridens, approbation desjenigen, 
was wider denselben bishero die catholische verlorn, dann auch dass 
man in religionsachen keinen andern richter als das romische reich 
und die sambtliche stende zu richter haben, dardurch in re ipsa ganz 
rechtlos sein soll, darein kein catholischer stand in ewigkeit verstehn 
kan oder soll; doch muess man einmal daraus kommen und eines 
reichstag ausgang erwarten.“ 
Sollten „wegen des von Salzburg salzspörr begehrter doppelter 
maut“! oder sonst Privatbeschwerden gegen uns vorkommen, 50 
zweifeln wir nicht, dass sie, da wir nicht erfordert sind, abgewiesen 
oder wenigstens nichts Praejudizierliches gegen uns vorgenommen werden 
wird, bevor wir gehört worden sind. Wensin darf sich deshalb nicht 
auf das Geringste einlassen sondern hat Kurköln in unserm Namen 
zu ersuchen, nichts derartiges vorgehen zu lassen. Doch soll Wensin 
ihm berichten, dass Salzburg (wider alle Billigkeit, unser Erbieten 
und Ermalınen, der wir nur bei den Verträgen und unsern alten 
Rechten bleiben uud uns derselben bedienen wollten) die Verträge 
„aufgestossen“ und die Salzausfuhr bis heute gesperrt hat, obwol wir ihm 
Schiffe und Geschirr bis Hallein geschickt haben, dass der Erzbischof 
ferner, als wir das „ordenlich berchtesgadisch fronreuter salz“ unlängst 
wie sonst immer gemäss den Verträgen wegführen lassen wollten, dies 
unser eigenes Gut auf freier Landstrasse von einigen hundert Soldaten 
hat aufhalten lassen, dass er sich täglich verstärkt, Blockhäuser und 
Laufgräben anlegt, um den Salzausgang aus Berchtesgaden zu hindern, 
und fast 800 Mann dahin gelegt hat, um uns nach seinem Gefallen 
za seinem Vorteil und unserm Schaden zu zwingen. Das steht 
einem katholischen Fürsten übel an und kann leicht Weiterungen 
verursachen ; denn wir werden uns wider unser Recht nicht zwingen 
oder von der doppelten Maut, die wir vermöge erlangten Indults 
ı Veber den Salzstreit vgl. K. Mayr-Deisinger, Wolf Dietrich 
von Raittenau, Erzbischof von Salzburg, München 1886, 8. 181 f.