Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Uummer  22

Elab.  Generalstabsoffiziere  sind  nicht  vorhan--dent
  die  Arbeitsbedingungen  in  den  Stäben  sind

gentsezladt  Wertshaftlia.  herrscht  vollkommene
  Aufl  ölung.  Die  Ausbildung  u.  Ordnung
  der  Truppen  ist  nichts  wert.  Eine  Ordnung
  em  Heere  gibt  es  nicht  mehr;  B’sehle  werden
  nicht  ausgeführt,  Defertionen  finden  malsenha##t
  statt  und  Beurlaubte  k  hren  nicht  zurück.
Der  Zusammenhang  ist  an  vielen  Stellen  zerrifsen;
  der  Befland  an  Pserden  ist  fast  vernichtet,
die  Befestigungen  der  Stellungen  zersallen  und
die  Drahthidernisse  sind  zur  Erleichterung  der
Verbrüderung  und  des  Handels  en'fernt  worden.
  Einen  Angriff  des  Feindes  auszuhalten
  ist  unmöglich.  Die  eirzige  Retung
  des  Heeres  ist  ein  Rückzug  hinter  natürliche
  Grenzen.

Die  Alliierten.  L  ndun
1

Wibiwoftot.

s  Petersburg,  00.  .  Von  den  im  Hasen
  von  Wladiwostol  eingelausenen  engliscken,
amerikanischen  und  japanischen  Kriegsschifsen
wurden  Truppen  an  Land  gesetzt,  die  nicht  nur
den  Hafen.  sondern  auch  die  ganze  Staot  besett
haben.  Den  russüchen  Bebhörden  wurde  eine
diesbezügliche  Note  überreicht.  die  im  Namen.

die  Stadt  besetzenren  Mächte  vom  japanisschen
  Generalkonsul  in  Wladiwoslol  unterzeichnet
  war.  Der  Inhalt  dieser  Note  wurde  auf  telegraphischem
  Wege  nach  Peteroburg  übersandl.

Bitte  der  liv=  und  estländischen  Ritlerschaft

  um  den  Schutz  Deutichlands

*  Stockholm,  29.  1.  Wie  „Stockholmo
Tidningen“  meldet,  überreichte  gestern  eine  Abordnung,
  beislehend  aus  drei  angesehenen  Mitgliedern
  der  Ritterschaft  von  ECslland  und  Lioland,
  dem  Vertreter  der  Bolschewili-  Regierung
in  Stodholm,  WoromsI,  eine  Kundgebung,  in
der  mitgeteilt  wird,  daß  die  Rillerschaft  von  Livland
  und  Cstland  eine  versassungsmäsige  Vertretunz
  des  Landes  bildet  und  hiemet  bekannt

gibt,  daß  Lidland  und  Cslland  selbständig
1  und  in  ihr  Recht  eintteten,  um  anit  anderen
  Ländern  Ablommen  jeder  Art  zu  treffen.
Zum  Schlus,  heißl  es  in  der  Kundgebung:

„Die  wiederbolten  Uebergriffe  der  gestürzien
Selkstherrschermacht  und  die,  zahlreichen  Ueber-Griffe
  gegen  die  Gesehe  des  Londes,  die  vonider
repul  litanischen  Regierung  Rußlands  zugelasen
wurden,  beben  des  Land  m  eine  verzweiselte
Lage  gebracht  und  haben  ihm  die  Moglichkeit
n#encn,  sein  sgatliches  Dasein  zu  friften.
Die  Verkicter  des  Landes  sind  somit  gezwungen,
  sich  nach  einem  Schug  außerhalb  der
Landergrenzen  um  gceben  und  dort  Garautien
ar  Gesetz  und  Mecht  zu  suchen.  Daher  Hat  die

"#tterschaft  von  Liolm  *7  und  Estland  beschlosen,
  das  Deutiae  Nei  um  Schutz  zu

zitten.  Sie  will  die  Vertreter  der  russischen
Regierung  davon  zur  selben  Jekt  in  Kenntnis
setzen,  wie  dieser  -  der  deutschen  RegierusiJ)
  übern#tteli  bird.

die  Kriegslage.
Der  amtliche  österreichische  Pericht.
aden.  Wien,  30.  1.  Amtlich  wird  verlaul-#ie

  schweren  Kämpfe  auf  der  Hochfläche
von  Asiago  dauern  an.  Südwelllich  von
Asiago  und  im  Gebiete  des  Monte  Sisemol
scheiterten  alie  ila  leuiscen  Angriffe  unter  grohen
  blutigen  ð  Verlußen.  DOe#  Monte  di  Val  Bella
und  der  Col  del  Rosso  mut#ten  nach  heldenmütiger
  Verteidigung  und  zähem  Ningen  den  an
Zahl  immer  siärler  herangeführten  seindlichen
FKiästen  uberlassen  werden.

Der  heif  des  Generalstabs.

 

——7

5
Seb####ck#l
aäÄ  —  G#t“  4%  4Kentn  JS  t#e#s-S##N##a#
  incs  ate
„  Rtatd  us  umioc  l!
—.—.—...——————"“

Die  Rume  von  Sailmru.

20)  Roman
ans  dem  Lande  der  Jucdenta-  von  Luls  Sumpeler.

„Was  machen  Sie  rohrend  der  langen  sonmenlosen
  Wintertage

„Wir  musi  zieren  fleißig.  .so  vergeht  rasch
..  Da  welen  wir  wieder  zu  Dause  angeenst

  sie  durch  den  Garten  schritten,  in  welch  em
Astern  und  Georginen  llühten,  an  den  gelbbelaubten
  Bäunchen  Li#  lösischiten  êAepfel  und  Birnen
  hingen,  Vie  Nebstöcke  voll  der  herrlichsten
Trauben  waren,  kam  ihnen  Hauptmann  Werner
antgegen,  der,  als  er  die  Dame  sah,  aberrascht
stehen  blieb  und  sagle:

„Ei,  Donnerwelter!  .  lüh  die  Hand,  gnãdigite
  Frauum  Serous  Balmer!“

.„  Ist  das  Ihr  Freund,  Hauptmann  Werner?

err  Professor  Balmer  bet  mir  ost  schon  viel

.  t  von  Ihnen  exzählt.“

Sat,  rih  entlich  haft  du  nicht  aus  der  Schule

t  *  Gewissen  so  beladen,  daß  du  Indis-Vesionen
  zu  befürchten  haft?  Sei  unbesorgt,  ich

KRosenheinier  Anzelger

Zu  den  Luftangriffen  auf  England.

s  Haag,  30.  1.  Reuter  meldet  aus  London:
  Bei  den  gestrigen  Luftangriffen  wurden
14  Mann,  Frauen  und  16  Kinder
getötet  und  93  Mann,  59  Frauen  und  17
Kinder  verwundet.  Mit  Ausna##  me  eints  Toten
  und  sieben  Verwundeten  sanden  alle  Unglücksfälle
  in  London  statt.  Der  verursachte
Schaden  ist  unbedeutend.

der  Kleg  zur  see.

Ein  englisches  Torpedoboot
gesunken.:
s  London,  30.  1.  Reuter  meldet:  Die-#eldmiralitst
  gibt  bekannt:  Insatze  einer  Kollission  ist
das  Torpedoboot  „Hazard“  am  28.  Januar  im
Kanal  gesunken.  Drei  Mann  sind  umgekommen.

Einbewaffneterenglischer
Dampfer  umgekommen.
§  London,  30.  1.  Reuter  meldet:  Die  Admiralität
  teilt  mit:  Das  bewassnete  Schiff  „Mechanician“
  ist  am  20.  Jannuar  torpediert  und
darauf  im  Kanal  auf  Strand  gesetzt  worden.
Das  Schiff  ist  völlig  zertrümmert.  Drei
Offiziere  und  10  Mann  sind  umgekommen.

Ausland.
internationale  tatholische
Konferenz.
*  Genf,  30.  1.  Wie  „La  Feuisle“!  erfährt,

Eine

beginnt  am  Dienstag  in  Zürich  eine  intermationale

  kath.

Kouferenz,  an  der  holländische
  und  deutsche  7  Delegierte,  darunter  der
Meichptageabg.  Erzberger,  offiziell  teilnehmen.
  Auch  franz.  kath.  Persönlich  keiten  werden
  in  Zürich  erwartet.  Sie  werden  sich  indessen
  an  den  Vethandlungen  nicht  off.  zieli  beteiligen.



 

 

Bayerischer  Landiag.

Etat  des  Innern.  —  Kriegsziel
  und  Streikfragen.
*  MUünchen.,  30.  1.

Vor  der  Weiterberatung  des  Etats  des  Innern
  wurde  in  namentlicher  Abstimmung  der
Gesetzentwurf  betr.  die  Haftung  des  Grundstückes
für  öffentliche  Lasten  einstimmig  angenommen.

Bei  der  Debatte  über  den  Etat  spielten  wiederum
  die  Fragen  der  Streikbewegung  und  der
Kriegsziele  eine  Rolle,  zumal  auch  der  Minister
noch  chäman  den  Standpunkt  der  Regierung
darlegte.  Eingeleitet  wurde  die  Debatte  durch
den  Abg.  Bechh  (Fr.  Vgg.)  der  eine  Reihe  von
Maßnabmen  auf  dem  Gebiet  der  imeren  Verwaltung
  besprach  und  dann  ins  Politische  überleitele,
  wobei  er  dagegen  protestierte,  daß  die
Schuld  an  den  Arbeiterstreiks  der  Vaterlandspartei
  in  die  Schuhße  geschoben  werde  und  bestruüt,
  dah  diese  Partei  zur  Kriegsverlängerung
gehetzt  habe.  Wir  wollen  nur  unsere  Grenzen
sichern,  niemanden  annektieren  und  uns  eine
Kriegsentschädigung  sichern,  möglichst  durch  Lieserung
  von  Nohslossen.  Abg.  Cilenberger  (Bd.)
sprach  zunächst  lurz  zum  Elat  und  wandte  sich
dann  scharf  gegen  die  Hetzereien  der  Akldeutschen
und  der  Vakerlandspartei.  Bedauocrlich  sei,  d.ß
diese  Hetarbeit  von  manchen  Reigierungen  unterstützt
  wurde.  Zur  Arbeiterschaft  habe  er  das
Vertrauen,  daß  sie  zur  Vernunft  komme  und
wieder  zur  Arbeit  zurüskehre.

Längere  Ausführ##gen  machte  darauf  Minister
  von  Brezkreich.  Zunächst  ging  er
auf  „Wünsche  der  Vorrchner  zum  Etat  ein,  wobei
  er  die  Schwierigkeiten  schilderte  unter  de

habe  dich  der  gnädigen  Frau  von  der  ainverdient

rosigsten  Seite  geschildert

„Das  dürfen  Sie  ihm  glauben“,  warf  Mia
scherzend  ein,  „und  da  die  Freunde  meiner  Freunde
  auch  meine  Freunde  sind,  darf  ich  Sie  wohl
bitten,  als  mein  Gast  heute  abends  dhiert  hu  bleien.“


„Gnädigste  Frau,  Ihr  Wunsch  ist  mir  Besehl.“
Beiter  plaudernd  schritten  sie  dem  Herrenhaus

Uebrigens,  Hauns,  entschuldige,  wenn  du  solange
  warten  mußtlest,  aber  ich  habe  irb
liche  Leben  und  Treiben  da  draußen  inden  Weingärten
  ein  wenig  anschen  wollen.  Die  Trauben
hier  im  Garten  werden  erst  in  einigen  Tagen  reif,
dann  mußt  du  hier  sein,  wenn  wir  Erntefest  halen.“



Bald  0h  dem  Nachtmahle  kam  auch  Herr
von  Land

„Wie  si  nd  Sie  demn  mit  der  heurigen  Ernte  du-Krieden““
  fragte  Balmer.

„Ausgezeichnet,  sie  fönnte  nit  besser  sein!“

„Da  gratuliere  ich  von  Herzen.  Die  Gewitter
des  verslossenen  Sommers  haben  also  keinen
Schaden  angerichtet?“

„Nein,  Gott  sei  Dank.“"

„Deslo  besser,  es  freut  mich,  daß  ich  d  der
Lage  sein  werde,  meinen  leeben  Gälten  einen  guten
  Tropfen  vorzusetzen,“  sagte

„Ja,  Frau  Gräfin,  der  en  der:  ist  heuer
so  gut  sausgefallen  wie  nochen

„Famos,  da  werd  ich  mich  Phn  einladen  lassen,
  «  lachte  Hauptmann  Werner.

 

 

nen  die  innere  Verwaltung  während  des  Krieges
  zu  leiden  habe,  die  Frage  der  Vereinfachung
  der  Staatsverwaltung  berührte  und  die
Förderung  des  landw.  Kulturbauwesens  und
des  Ausbaues  der  Wasserkräfte  versprach.  Das
Güterzertrümmerungegesetz  soll  geändert  werden.
Von  einer  Aenderung  des  jetigen  Ernährungswstems
  ser  ihm  nichts  bekannt,  auch  nicht  von
einer  Herabsetzung  der  Mebl=  und  Brotration.
Dann  ging  er  auf  die  erwähnten  politischen
Fragen  noch  einmal  ein  und  erllärte  gegenüber
m  Abg.  Auer,  dah  die  Stellung  der  Reichsdenn
  in  Bezug  auf  die  Friedensfrage  durchaus
  klar  sei.  Die  Stellung  der  Reichsleitung
in  der  Kriegszielfrage  lann  einen  begründeten
Anlaß  zu  dem  jetzigen  Verhalten  beines  Teiles
der  Arbeiterschaft  nicht  bilden.  Der  Minister
bat  schließlich  die  Arbeiterführer  nochmals  dringend
  ihren  Einfluß  zur  Herbeiführung  geordneter
  Zustände  aufzuwenden.  Es  wäre  ein
Wahn  zu  glauben,  daß  die  Arbeiter  der  feindlichen
  Länder  auch  streiken  würden.  Vor  allem
ist  jetzt  not:  geschlossene  Einheit,  l##ine  extremen
Kriegszielforderungen  und  leine  Scharfmachereien,
  weder  von  rechts  noch  links.
Abg.  Dr.  Schlittenbauer  (Ztr.)  prözisierte
emgehend  die  Forderungen,  die  erfüllt  werden
müßten,  um  die  landwirkschaftliche  Produktion
zu  heben  und  verlangte  Bereitstellung  der  not- 



wendigen  Arbeitskräfte,  der  nolwendigen  Betriebssioffe,

  der  Düngemittel  und  Samereien,
belprach  die  Wirkungen  des  Gülerzertrümmerungsgesetzes
  und  forderte  ausreichenden  Schutzt

der  bayerischen  Landwirtschaft  bei  den  Zollver-Uhandlungen

  mit  Oesterreich.  Dann  wandte  er
sich  scharf  gegen  die  Unabhängigen,  die  auf
den  Trümmern  des  Vaterlandez  deie  soz  a'istische
  Nepublik  auhouen  wollten.
Steit  sei  der  ndete  Vaterlandsverrat.
Jerryienheit  und

derfruden  mit  Rußland  und  nur  Trotzlis  San
wied  dabei  ausgenen.  Das  wollen  wr  do.
dern.  Den  Krieg  gewinnt  nur,  wie  Hindenburg
  sagte,  das  Volk,  das  am  längsten  seine
Nerven  behält.

Perschiedene  Nachrichlen.

Ein  Kindsmord.  Die  Wiener  Geschworenen
  beschäftigte  ein  Prozeß,  der  wegen  der  geselltchaftlichen
  Stellung  der  Angeliagten  das.

 

drößte  Aufsehen  erregte.  Angellagt  sind  die  25.

jährige  Oberstentochter  Marla  Magdalena  Wes-.
sely  von  Ballinhof  wegen  zweifachen  Kindemordes
  sowie  ihre  Mutter  Jeseph'ins#  wegen  Mitschuld.
  Im  Februar  1914  wurde  im  Garten  ühres
Wohnhauses,  in  Padpapier  gebülll,  die  Leiche
eines  neugeborenen  Kindes  gefunden,  die  von
Katzen  angenagt  war.  Nachforschungen  blieben
ersolglos.  1917  wurde  im  Garten  abermals  eine
in  Papler  gehüllle  Leich:  gefunden;  das  Kind
war  in  schmutz:  der  Flässigkeit  ertränkt  wor  den.
Der  Verdacht  leulle  sich  sah  liestlich  auf  die  An-Dellagte.
  Maria  Wesseln,  deren  Vater  September
1916  gestorben  war,  sührte  einen  auffälligen
Vebenswandel,  erhielt  vi#ele  Herrenbesuche.  Wahrend
  der  Untersuchung  gestand  sie,  ihr  erstes  Kino
durch  Würgen  und  Ersticken  m#t  einer  Dece  umgebracht,
  das  zweite  in  einem  Kübel,  mit  dem
Kopf  nach  unten,  ertränkt  zu  haben.  Den  Vater
ihrer  Kinder  erklärte  sic,  nicht  zu  kennen.  Die
Verhandlung  findet  unter  gröhtem  Andrang  von
Frauen  und  Mädchen  der  eleganten  Gesellschaft
statt.  Cs  entsrinnen  lich  wahre  Kämpfe  um  Einlaß
  in  den  Saal  (1!)  Die  Justizwach##muhwiederholt
  einschreiten.  Maria  Weßeely  wurde  nach
zweitägiger  Verhandlung  vom  eriten  Mord  frei  "c
gesprochen.  Wegen  des  zweiten  nurde  se  zu  drei
Jahren  schweren  Kerler  verurteilt.  D'e  Muiter
wurde  jreigejprochen.

„Aber  Hans!“

„Oh,  Verzeihung,  gnädigste  Frau  ...

„Vitte,  büte,  Herr  Hauptmann,  srrechen  Sie
nur  immer  so,  wie  Sie  auf  dem  Gerzen  haben.
Solche  Menschen  mag  ich  am  liebsten;  auch  Herr
von  Lander  wird  nichts  dagesen  haben,  wenn  Sie
Cinem  Weine  Ehre  antun.“

„Auf  Ihr  Wohl,  Herr  von  Lander!
Uebrigens,  dn  Erfindermensch,“  wandte  sich  Werner
  an  Balmer,  „wie  geht  es  drüben  km  Steinhaus?“


„Ich  hoffe,  daß  meine  Ernte  auch  so#gut  ausfällt
  wie  die  heurige  Weinernte,  dann  kann  ich
nächstes  Frühjahr  mit  den  Versuchen  im  Freien
beginnen  .  .  ah,  da  sällt  mir  gerade  cin,“  (uhr
Balmer  sort,  „ich  habe  noch  einen  Brief  auf  die
Post  zu  tragen;  ich  muß  mir  eine  neue  Drehspindel
  aus  der  Fabrik  kommen  lassen."

„  Ich  werde  Lotte  rufen.

Nein,  gnädige  Frau,  be  hite  bleib-  n  Eie  doch,
ich  werde  lie  selbit  rufen.“

Valmer  ging  in  den  Garten,  da  er  das  Oienstmädchen
  in  der  Küche  nicht  vorgefunden  hatte,
und  ries:

„Lotie,  Lotte

7“

—  der  Herr  Professor  rust.
4%%
Ganz  erschrocken  kam  das  Mädchen  durch  den
Garten  Lgeranmt.

das  Nachtessen  im  Steinhaus  dauert  aber

&  sagte  er  zu  dem  verlegen  dreinschauenden
ädchen,  „ich  meine  aber,  die  Trauben  sind  noch

nich  reik!  Tragen  Sie  mir  diesen  Brief  auf  die

 

(Beisall.)“

Der  jezige
Mit:
Zwielpalt  im  Innern  bekom
men  wir  den  Friede  lä  nicht,  auch  nicht  den  Spoen  "

4  Zentner  Weizenmehl,
Fleisch=  und  Wurstwaren  und  Butter  und  Cier
abgenommen  wurden.  Das  Mehl  hatten  sie  in

 

Freitag,  I.  Februar  1918

Hof-  und  Personalnacheichlen.
München.  31.  Jannar.
Der  Erzbischof  ist  gestern  Abend  an  die
Südostsront  zum  Besuche  bayerischer  Truppe.
abgereist.

Munchener  Neuigkeilen.

Zu  dem  Schleißheimer  Zugsun,
glück.  Im  Münnchener  Garnisonslazarett  ist
nunmehr  der  Soldat  Karl  Meinel,  der  Flegerabteilung
  SWlo  kheim,  Schlohrmeisier  aus
Hof  i.  BV.,  an  den  Folgen  der  bei  dem  Anglück
erlittenen  Verbrennungen  storben,  womit  die
Zahl  der  Todesopser  auf  sechs  gefsliegen  fst.
Das  Befinden  des  bei  dem  Unolück  gleichfails
verletzten  Feldkuraten  Wilhelm  Weber  aus
Landshut,  der  in  der  chirurg.  Klinik  untergebracht
  ist,  gibt  leider  zu  Besorgnis  Anlaß.  IDie
Erhebungen  der  Staatsanwalsschaft  über  die
Ursache  des  Unglücks  werden  nach  ihrem  Abschluß
  ve  röffentlicht  werden.

Die  Straßenbahnzusammenstöße
haben  sich  im  Jahre  1917  gegen  das  Vorjahr
nahezu  verdoppelt.  Die  Zahl  der  Zusammenstösre
  zwischen  Straßenbahnwagen  selbst  und
zwischen  Straßenbahnwagen  und  Fuhrwerken
und  der  Verletzungen  von  Personen  betrug
2081  gegen  1061  im  Vorjahr.  Ueberfahren
wurden  von  der  Strahenbahn  im  letzten  Jahre
insgesamt  332  Personen,  darunter  43  tödlch.
Durch  Auf=  und  We  wurden  insgesamt

verletzt  442  Personen,  darunter  12  tödl  ich.

Bayerische  Nachrichten.
Abgefath#te  Hanst  erer.  Einen  bösen
elusal  erlebten  am  Samstaxz  in  Bun#au  etwa
em  Dutend  Hamsierer  aus  M  nasburz,  de#nen  bei
einer  Revislen  durch  die  Gendarmerie  Burgan
heinahe  ein  Jemner

 

 

der  Mühle  zu  Glöttweng  das  Pfund  31  507Pfennig
  gelauft.  Die  Fleisch=  und  Wurstwaren,  die

5  Burgauer  Mectzerläden  stammten,  wurden
uus  Montag  an  die  Dlesigen  minderbemittelten
Schwerarbeiter  abgegeben.

Stiftung.  Aus  Anlaß  der  goldenen  Hochzeit
  des  Königspaares  wurden  in  Würzburg
200  C00  Mark  geriftet.

Ein  Freispruch.  Nach  viertägiger  Verhandlung
  am  Landgericht  Passau  gegen  den
Garnisoninspektor  und  L#zaretloberinspelior  K.
Lindner  und  dessen  Ehefrau,  die  beschuldigt  ##aren,
  Lazarettlebenemittel  für  sch  und  andere
Privatpersonen  verwendet  zu  haben,  wurde  heute
ein  freisprechindes  Urle  1  gefä  ll.  Zur  Verhend
lung  waren  43  Zeugen  geladen.

Schrecklicher  Unf  all.  Vorgestern  spat
abenbo  zwisch:  n  8  und  9  Uhr  vergnüũgte  Achin
Waldlirchen  beim  Mondschein  der  11  Jahre  alie
Sohn  des  Güllers  Steinmüller  in  der  Reitmis
  le  nahe  bei  Waldkirchen  mit  Schlittenfahren.

Dabei  rante  er  an  einen  nederen  Heckenpfollen
und  schlitzte  üch  die  linle  Bauchseite  anf,  godaß

  die  teilweise  zerrissenen  Gedärme  hervorquollen.
  Sosort  in  das  Kranlenhaus  Waldkirchen
  verbracht,  wurde  et  eirer  lunneren  Operation
  unterzogen.  Das  bisderige  Besinden  il
trotz  dieser  schweren  Verleung  Kfrievenstellend.

 

Erenzlande.

Kitzhbühel,  30.  1.  Geheime  Mehlo  or
räte.  Im  Hause  einer  Bäckermessterin  dahier
warden  500  Kilo  verheimlichtes  Me  ehl  verge!-  un
den,  das  schen  löngst  zu  Vrot  für  vie  Bevot
rung  Zitbühels  hat:e  verbaden  sein  sorlen.

Vost,  bitte  .  oder  nein,  ich  werde  selbert  Zeb:n.
ich  habe  noch  Zigarren  zu  kaufen.“

Dabei  drebte  er  Lotte  herum  und  sagte:

„Geh  nur  mieder  binüber,  ihr  habt  sicher  aufden
  Nachtisch  vergessen.“

Es  war  Jut,  dah  es  schon  finster  war,  dem
sonst  hätte“  Lotte  ihr  brennrotes  Gesicht  nicht
verbergen  können.

Wenige  M.  nuten  später  erschien  Balmer  wie
der  im  Salon;  ein  ungewöhnlich  tiefer  Schat-.  en
lag  auf  seinem  Gesichte.

„Ist  Ihnen  was  passiert?“"  stragte  Herr  ven
Lai  ider

„2  IS  ich  den  Brief  in  den  Kasten!  bei  der  Rirde
Leworsen  hatte,  trat  ich  noch  in  ben  Laden,  um
meinen  Zigarrenvorrat  zu  ergärzen,  und  da  finde
ich  wieder  einen  Menschen,  der  das  kleine  Ab-Fichen
  mit  dem  schwarg  ·n  Salamander  trägt.

Auf  Schritt  und  Trüt  bepegne  4  Leulon  mi:
diesen  Abzeichen,  die  mich  zi  beobachten  scheinen.
Das  wird  m.r  nachgerade  unangenehm  und  beginnt
  mich  zu  beumuhlgen.  Ich  habe  Sie  schon
langst  einmal  darüber  beiragen  wollen,  es  aber

wieder  vergessen.  Könnten  Sie  mr  vielleicht  sacden,
  Herr  von  Lander,  was  cs  bedeutet?“

Faen  blichen  alle  auf  Herrn  von  Lander.
weisz  ich  mi,  aber  warten  [Sie.“  Er
44  Paperr  ind  Bleistift  aus  seiner  Tasche  und
während  er  weiter  sprach,  zeichnete  er  mit  seinen
Uobigen  Fingern

„Also  am  Rande  des  Abeeichens  ist  ein  schwarzer
  Fllawander  und  in  der  Miile  die  Buchstaben
S.  N.  S.  .  .  .  schwarzer  Salamander  könnle