20 Einleitung.
Fakta, es mögsen Vernunftgründe sein; nur streitet der Vernunft nicht
das, was sie zum höchsten Gut auf Erden macht, nämlich das Vorrecht
ab, der letzte Probierstein der Wahrheit zu sein.“
Das sind die Anschauungen, in denen das 18. Jahrhundert lebt;
sie bilden die Voraussetzung, von der in seiner zweiten Hälfte der
sesamte Wissenschaftsbetrieb ausgrcht, von der auch der wissenschaftliche
Unterricht seine Impulse erhält. Dat auch unsere klassische
Literatur auf dieser Grundlage erwachsen ist, ist aller Welt bekannt.
Am sichtbarsten ist der Einfluss der Philosophie auf die Theologie
und den Unterricht der theologischen Fakultäten. Der theologische
Rationalismus ist die Folgeerscheinung des philosophischen.
Die alte supranaturalistische Theologie ist in beständigem
Zurückweichen vor der neuen vernunftmäßigen. Schon der Pietismus
hatte die Grundlagen der alten starren Dogmatik gelockert, indem er
das subjektive Moment im Glauben betonte. In der Folge wird in der
dogmatischen Theologie der Schwerpunkt immer mehr von der
biblischen in die philosophische Begründung des Glaubens verlegt;
A. H. Francke weicht Chr. Wolff; die Vernunftbeweise für das Dascin
Gottes und die Unsterblichkeit der Seele erreichen ihr höchstes Anschen.
In der historischen Theologie beginnt die „Kritik“ ihr Werk;
sie zeigt, indem sie dem geschichtlichen Ursprung der heiligen Bücher
nachgeht, ihre menschlich-zeitliche Bedingtheit; sie bringt sie aus der
exzeptionellen Stellung, worin sie auch der Protestantismus gelassen,
Ja, die er im Begriff der Inspiration aufs äußerste zugespitzt hatte, in
den allgemeinen geschichtlichen Zusammenhang hinein und nimmt
ihnen damit den Charakter absolut normativer Wahrheit. Die Prüfung
der Zeugnisse auf ihre Glaubwürdigkeit wird nun zu einer notwendigen
Aufgabe. In Sammel Reimarus, dem Verfasser der „Vornehmsten
Wahrheiten der natürlichen Religrion“ und der „Schutzschrift für die
vernünftigen Verchrer Gottes“, deren Herausgabe Lessing in den Streit
mit Götze verwickelte, sind beide Seiten der rationalistischen Theologie
dargestellt. In der weiteren Entwicklung wird der Begriff der
„Offenbarung“ selbst erweitert und neu geformt: Gottes Offenbarung
nicht eingeschränkt auf jenen Kanon heiliger Bücher, sondern fortgehend
durch die ganze Menschheitsgeschichte; alles Gute und Hohe,
alles Schöne und Wahre Offenbarung Gottes durch die Menschennatur.
So Ilerders Theologie und Gocthes.
In der Rechtswissenschaft erscheint der Rationalismus in der
Herrschaft des Naturrechts. Neben der Vernunftreligion stehend,
nimnit das Naturrecht in Anspruch, ein System von reinen \V'ernunft-