Full text : Handbuch für Preußische Verwaltungsbeamte. Zweiter Band. (2)

Provinzen,  Westfalen,  Rheinland  und  Hessen-Nassau.  797

(W.  §.  72.)  In  Städten,  wo  die  Gemeindevertretung  durch  einen,  nach
zweimal,  mit  einem  Zwischenraum  von  mindestens  acht  Tagen,  vorgenommener
Verathung  zu  fassenden  Beschluß  darauf  anträgt,  kann  unter  Genehmigung  des
Bezirksausschusses?)  die  Einrichtung  getroffen  werden,  daß  statt  des  Magistrats
nur  ein  Bürgermeister,  welcher  auch  den  Vorsitz  in  der  Stadtverordneten-Versammlung
  mit  Stimmrecht  zu  führen  hat,  und  zwei  oder  drei  Schöffen  resp.
ein  Beigeordneter,  welche  den  Bürgermeister  zu  unterstützen  und  in  Verhinderungsfällen
  zu  vertreten  haben,  gewählt  werden.  ·

§.73.(W.§.73.)WirdeineEinrichtungnachMaßgabederBestmzmung
Untet21n§.72ettossen,sogeheualleRechteundPsitchtemwelche  in  den
Vorschriften  der  Titel  I—VII  dem  Magistrat  beigelegt  sind,  auf  den  Bürgermeister
  mit  denjenigen  Modifikationen  über,  welche  sich  als  nothwendig  daraus
ergeben,  daß  der  Bürgermeister  zugleich  stimmberechtigter  Vorsitzender  der
Stadtverordneten-Versammlung  ist  ).  Demselben  steht  insonderheit  ein  Recht
der  Zustimmung  zu  den  Beschlüssen  der  Stadtverordneten  nicht  zu;  er  ist  aber
in  den  im  zweiten  Satze  unter  2  des  F.  56  bezeichneten  Fällen  die  Ausführung
der  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung  zu  beanstanden,  und,  wenn
diese  bei  nochmaliger  Berathung  bei  ihrem  Beschlusse  beharrt,  die  Beschluss-Ilassung
  des  Bezirksausschusses  zu  beantragen)  verpflichtet,  soweit  nicht  das
im  r  15  des  Zust.  Ges.  vom  1.  August  1883  vorgesechene  Verfahren  eintritt.
—  Inm  lebrigen  finden  bei  den  Städten,  welche  die  gedachte  Einrichtung  angenommen
  haben,  die  Vorschriften  der  Titel  I—VII  gleichfalls,  jedoch  mit  der
Maßgabe  Anwendung,  daß  die  Schöffen  zugleich  Stadtverordnete  sein  können,
und  daß  es  genügt,  wenn  die  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung
(§.  47)  nur  von  dem  Vorsitzenden  und  einem  Mitgliede  unterzeichnet  werden.

#ode.)  Titel  VIII.  Von  der  Einrichtung  der  städtischen  Verfassung  mit  kollegialischem
  Magistrat.

§.  66.  In  Städten,  wo  die  Gemeinde-Vertretung  durch  einen,  nach
zweimal,  mit  einem  Zwischenraum  von  mindestens  acht  Tagen  vorgenommener
Berathung  zu  fassenden  Beschluß  darun  anträgt,  kann  unter  Genehmigung  des
ezirksausschusses?)  die  städtische  Verfassung  mit  kollegialischem  agtttrat.
welcher  die  Obrigkeit  der  Stadt  ist,  die  städtischen  Gemeinde-Angelegenheiten  verwaltet
  und  an  der  Vertretung  der  Stadtgemeinde  Theil  nimmt,  eingerichtet
erden.
§.  67.  Wird  eine  Einrichtung  dieser  Art  getroffen,  so  finden  die  Vorschriften
  der  Titel  1.—VII.  mit  folgenden  Modifikattonen  Anwendung:

§.  68.  Der  Magistrat  besteht  aus  dem  Bürgermeister,  einem  Beigeordneten
  oder  zweiten  Bürgermeister  als  dessen  Stellvertreter,  einer  Anzahl  von
Schöffen  (Stadträthe,  Rathsherren,  Rathsmänner)  und,  wo  das  Bedürfniß  es
erfordert,  noch  aus  einem  oder  mehreren  besoldeten  Mitgliedern  (Syndikus,
Kämmerer,  Schulrath,  Baurath  u.  s.  w.).

Es  gehören  zum  Magistrat:

in  Stadtgemeinden  von  weniger  als  10,000  Einwohnern  2  Schöffen,

(2  „  „  10,0  bis  20,000  „  4  „
und  „  „  „20,000  und  mehr  „  6  „

Durch  statutarische  Anordnungen  können  abweichende  Festsetzungen  über  die
Zahl  der  Magistrats-Mitglieder  getroffen  werden.
S§.  69.  Zu  den  Personen,  welche  nicht  Magistratspersonen  seiu  können
G.  29),  gehören  auch  die  Stadtverordneten.  »
§.  70.  Außer  dem  Bürgermeister  werden  die  übrigen  besoldeten  Magistrats-Mttglieder
  ebenfalls  auf  zwölf  Jahre,  dagegen  die  unbesoldeten  Beigeordneten
und  die  Schöffen  auf  sechs  Jahre  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
.
1)  Obne  den  Bürgermeister  oder  dessen  Vertreter  bilden  die  Stadtverordneten
keine  beschlußfähige  Körperschaft,  E.  O.  V.  XXI.  3.
?)  Zust.  Ges.  §.  17,  1.
3)  Zus.  Ges.  §.  16  Abf.  3.