Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1873. (57)

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in  das  Getriebe  der  Parteien  gethan  und  die  Mittel  und  Künste  kennen  gelernt,
  durch  welche  man  damals  in  Frankreich  zu  Einfluß  und  Herrschaft  gelangen
  konnte.  Er  erkannte,  daß  das  Heer  noch  die  einzige  geordnete  Macht
in  dem  neuen  Frankreich  sei  und  daher  auch  dic  einzige  Stütze  der  Herrschaft
werden  könnte,  die  er  in  demselben  aufzurichten  trachtete.  Er  verstand  es,  die
Armce  durch  Versprechungen  von  „Ehre,  Ruhm  und  Reichtümern“  an  sich  zu
fesseln  und  die  Krieger  zu  willenlosen  Werkzeugen  seiner  herrschsüchtigen  Pläne
zu  machen.  „Soldaten!“  rief  der  27  jährige  General  der  Armec  von  Jtalien
zu,  deren  Oberbefehl  das  Direktorium  ihm  übertrug,  „Ihr  seid  blaß  und  halb
verhungert!  Die  Regierung  schuldet  Euch  viel,  kann  Euch  aber  nichts  geben.
Bewunderungswürdig  ist  Eure  Geduld,  Euer  Mut  in  dieser  Felsenwüste.  Das
bringt  Euch  aber  keinen  Ruhm.  Darum  will  ich  Euch  jetzt  in  das  fruchtbarste
Land  der  Welt  führen.  Ihr  werdet  reiche  Provinzen  und  große  Städte  erobern.
  Ihr  werdet  Ehre,  Ruhm  und  Reichtümer  finden.  Soldaten!  kann  es
Euch  an  Mut,  an  Ausdauer  fehlen?“  —  Ein  glänzender  Feldzug  hob  das
Selbstvertrauen  der  Kricger  und  fesselte  diese  noch  mehr  an  den  ehrgeizigen
jungen  Führer,  an  den  „kleinen  Korporal,“  der  ihnen  auf  der  Brücke  von
Arcole  selbst  im  Kugelregen  die  Fahne  vorantrug,  den  großen  Feldherrn,  der
sich  ihnen  von  vornhercin  als  Meister  einer  neuen  Kriegskunst  einführte.  Durch
die  Verwirklichung  des  Grundsatzes,  daß  der  Krieg  den  Krieg  ernähren  müsse,
indem  er  die  Sorge  für  die  Verpflegung  dem  eroberten  Lande  aufbürdete,
machte  er  die  Kriegführung  unabhängig  von  den  in  früheren  Kriegen  oft  so
hemmenden  Verpflegungsrücksichten.  Er  gab  den  Schlachten  dramatische  Bewegung
  und  Steigerung,  indem  er  sie  nicht  mehr  —  wie  in  den  Zeiten  der
Lincartaktik  und  Friedrichs  des  Großen  —  in  einem  Vorrücken  in  langer  festgeschlossener
  Linic  und  in  einem  lange  unterhaltenen  Feuergefecht  bestehen  ließ,
wobei  die  größere  Manövrierfähigkeit  und  die  überlegene  Feuerwirkung  des
einen  Teils  endlich  den  Sieg  herbeiführte,  sondern  indem  er  während  der  Einleitung
  und  der  ersten  Akte  das  Gefecht  hinhielt,  um  die  Schwächen  des  Gegners
  auszuspähen  und  seine  Kräfte  sich  abnutzen  zu  lassen,  dann  aber  nach
gehöriger  Vorbereitung  durch  das  konzentrierte  Feuer  seiner  Artillerie  mit  den
bereit  gehaltenen  Reservetruppen  den  Hauptstoß  führte.  Er  behielt  das  Ziel
des  Krieges,  die  Vernichtung  der  feindlichen  Streitmacht,  stets  unverrückt  im
Auge  und  suchte  das  Ende  desselben  durch  die  Bedrohung  oder  Besitznahme
der  feindlichen  Hauptstadt  herbeizuführen.  Feldherr  und  Staatsmann  zugleich,
verstand  er  es  nicht  allein  Kricg  zu  führen,  sondern  auch  zu  rechter  Zeit  Frieden
zu  schließen  und  sich  dabei  frei  zu  machen  von  den  Rücksichten  auf  die  eigene
Regierung,  deren  Schwäche  er  wohl  kannte.  Er  durchschaute  scharfblickend  auch
seines  Gegners,  Thuguts,  engherzige  Politik  und  wußte  Osterreich  durch  die
Aussicht  auf  die  Erwerbung  eines  Teils  der  Republik  Venedig  und  die  Erlangung