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in das Getriebe der Parteien gethan und die Mittel und Künste kennen gelernt,
durch welche man damals in Frankreich zu Einfluß und Herrschaft gelangen
konnte. Er erkannte, daß das Heer noch die einzige geordnete Macht
in dem neuen Frankreich sei und daher auch dic einzige Stütze der Herrschaft
werden könnte, die er in demselben aufzurichten trachtete. Er verstand es, die
Armce durch Versprechungen von „Ehre, Ruhm und Reichtümern“ an sich zu
fesseln und die Krieger zu willenlosen Werkzeugen seiner herrschsüchtigen Pläne
zu machen. „Soldaten!“ rief der 27 jährige General der Armec von Jtalien
zu, deren Oberbefehl das Direktorium ihm übertrug, „Ihr seid blaß und halb
verhungert! Die Regierung schuldet Euch viel, kann Euch aber nichts geben.
Bewunderungswürdig ist Eure Geduld, Euer Mut in dieser Felsenwüste. Das
bringt Euch aber keinen Ruhm. Darum will ich Euch jetzt in das fruchtbarste
Land der Welt führen. Ihr werdet reiche Provinzen und große Städte erobern.
Ihr werdet Ehre, Ruhm und Reichtümer finden. Soldaten! kann es
Euch an Mut, an Ausdauer fehlen?“ — Ein glänzender Feldzug hob das
Selbstvertrauen der Kricger und fesselte diese noch mehr an den ehrgeizigen
jungen Führer, an den „kleinen Korporal,“ der ihnen auf der Brücke von
Arcole selbst im Kugelregen die Fahne vorantrug, den großen Feldherrn, der
sich ihnen von vornhercin als Meister einer neuen Kriegskunst einführte. Durch
die Verwirklichung des Grundsatzes, daß der Krieg den Krieg ernähren müsse,
indem er die Sorge für die Verpflegung dem eroberten Lande aufbürdete,
machte er die Kriegführung unabhängig von den in früheren Kriegen oft so
hemmenden Verpflegungsrücksichten. Er gab den Schlachten dramatische Bewegung
und Steigerung, indem er sie nicht mehr — wie in den Zeiten der
Lincartaktik und Friedrichs des Großen — in einem Vorrücken in langer festgeschlossener
Linic und in einem lange unterhaltenen Feuergefecht bestehen ließ,
wobei die größere Manövrierfähigkeit und die überlegene Feuerwirkung des
einen Teils endlich den Sieg herbeiführte, sondern indem er während der Einleitung
und der ersten Akte das Gefecht hinhielt, um die Schwächen des Gegners
auszuspähen und seine Kräfte sich abnutzen zu lassen, dann aber nach
gehöriger Vorbereitung durch das konzentrierte Feuer seiner Artillerie mit den
bereit gehaltenen Reservetruppen den Hauptstoß führte. Er behielt das Ziel
des Krieges, die Vernichtung der feindlichen Streitmacht, stets unverrückt im
Auge und suchte das Ende desselben durch die Bedrohung oder Besitznahme
der feindlichen Hauptstadt herbeizuführen. Feldherr und Staatsmann zugleich,
verstand er es nicht allein Kricg zu führen, sondern auch zu rechter Zeit Frieden
zu schließen und sich dabei frei zu machen von den Rücksichten auf die eigene
Regierung, deren Schwäche er wohl kannte. Er durchschaute scharfblickend auch
seines Gegners, Thuguts, engherzige Politik und wußte Osterreich durch die
Aussicht auf die Erwerbung eines Teils der Republik Venedig und die Erlangung