Juni 28.
594 1611 254.
Polheim versichert, dass der König damit sehr zufrieden wäre, da dieser der
Affektion des Landgrafen gegen ihn und das gemeine Wesen gewiss
sei. Die Ursachen, die den Kaiser zur Abänderung bewogen, sind:
1. einen solchen Fürsten auf seine Seite zu ziehen und 2. de
Landgrafen Autorität unter denen seiner Religion und in der Union.
Der Bischof von Speier hat sich entschuldigt, wie Leuchtenberg mir
mitteilt, „le quel continue tousiours a boire& la sant6 de V. Exc.; sa rime est
maintenant: undanck in fine laborum.“‘ Der Herzog von Braunschweig
hat mich ausserordentlich freundlich aufgenommen und erzählt mir
von seinen Privatsachen u. a., dass er sich schliesslich vom Kaiser habe
überreden lassen, die Würde des Direktors des geheimen Rats
auf ein Jahr anzunehmen; allerdings wisse er nicht, ob es den Kurfürsten
und Fürsten angenehm sei.1 Er vertraute mir auch an, das
er die Instruktion für den Kurfürstentag verfasst habe,? worin u.a ein
Gutachten begehrt werde, wie der Administrationsstreit zu schlichten
sei und, wenn es mit einem Schiedspruch Schwierigkeiten hätte, oh
die Kurfürsten nicht für angebracht fänden, den Kurerben grossjährig
zu erklären und ihm die Wahl eines Administrators zu überlassen,
für welchen Ausweg die meisten geheimen Räte seien. Ich bleibe
bei meiner Instruktion und dabei, dass der Kaiser dem verstorbenen
Kurfürsten versprochen hat, das Testament und den darin verordneten
Administrator zu „handhaben“, so lange derselbe sich zu völligem
Austrag Rechtens erbietet. Ich erachte noch immer Dero Anwesenheit
beim Kurfürstentag für nötig; man wird dort sehr verschiedene Meinungen
treffen. Matthias verlässt sich auf das, was Polheim ihm sagte, dass
Sachsen dem Kaiser rate, ihn, Matthias, den Kurfürsten zum
römischen König vorzuschlagen. Vielleicht ist dies vor der
böhmischen Krönung geschehen, jetzt ist die Stimmung eine ganı
andere, — Hohenlohe geht morgen nach dem niedersächsischen Kreis
wegen der Acht gegen die Stadt Braunschweig ; ich weiss nicht, ob
dies dio Angelegenheiten des Kaisers fördern wird.” De Prague ce
18. de jung. — Praes. Heidelberg 25. junü 1611.
Bbg,, A 9a, no. 107, f. 69; Or. eigh.®
ı Vgl. no. 246. Bodenius berichtet am 27. Juni an seinen Ham:
es heisse, dass Braunschweig sich sogar in das Obersthofmeisteramt eirdrängen
wolle. Der Heizer (dessen sich der Herzog zum Verkehr mit dem
Kaiser bediente) masse sich zwar viele Dinge an; doch könne er, Bodenius,
nicht finden, „dass solches pro dignitate principis geschicht, er auch dis
werk nicht verstehet, viel weiniger er sich in solcher confusion befinden al*
(Mc., Entstehung, Fasz. III, no. 26, f. 113; Or. eigh.). — Wegen des Ofen
heizers vgl. no. 131, S. 316, Anm. 1.
? Vgl. no. 215, S. 513, Anm. 1.
® Vgl. no. 251.
* Am gleichen Tag berichtet Colli ungefähr gleichen Inhalts an des
Administrator der Kurpfalz (Mb., 101/4; — Or. eigh.).