Die Schweden, welche wohl einsahen, daß von der Eroberung der Geschütze
das Schicksal des Tages abhing, verdoppelten die Heftigkeit ihres Angriffes
auf dieselben. In diesem verhängnißvollen Augenblick, wo sich der Kurfürst
persönlich im dichtesten Kampfgewühl befand, bemerkte sein Stallmeister von
Froben, daß die Feinde unablässig auf den Schimmel zielten, welchen der
Fürst ritt. Unter dem Vorwande, das Thier scheute, beredete er seinen Herrm
zum Tausche, und kaum war dieser Tausch geschehen, so wurden Reiter und
Roß von einer Kanonenkugel zerschmettert. Um dieselbe Zeit weihte ein anderer
treuer Diener des Kurfürsten auf eine nicht minder heldenmüthige Weise sein
Leben dem Vaterlande. Als nämlich die Schweden mit erneuter Wuth gegen
die Geschütze vordrangen, befahl Friedrich Wilhelm dem Obersten von Mörner,
sie mit allen seinen Kräften zurückzuwerfen. Mit den Worten: „Eher will ich
sterben, als dem Feinde die Geschütze überlassen“, stürzte der treue Diener in
die dichtesten Reihen desselben und ward sofort von feindlichen Kugeln durchbohrt.
Auch andere Truppenabtheilungen verloren ihre Offiziere. Da sprengte
der Kurfürst selbst zu den Verlassenen heran, und führte sie mit den Worten:
„Ich, Euer Fürst und nunmehriger Kapitän, will siegen oder
ritterlich zugleich mit Euch sterben“, gegen den mit Uebermacht heranstürmenden
rechten Flügel der Feinde. Dies heldenmüthige Beispiel entflammte
die Seinigen zur höchsten Begeisterung; sie fochten mit unglaublicher Kühnheit
und Ausdauer. Der Kurfürst selbst ward in dem wogenden Schlachtgewühl von
feindlichen Schaaren umringt; jedoch neun seiner tapferen Reiter stürzten sich
mit Pfeilesschnelle auf die Gegner, und hieben ihn aus ihrer Mitte heraus.
Von nun ab vermochte die Taktik nichts mehr; nur größere Ausdauer und Hingebung
konnte den Sieg erringen. Er neigte sich endlich auf die Seite Brandenburgs;
den Schweden blieb nur Flucht oder Vernichtung. Gänzlich geschlagen
jagte die feindliche Reiterei in fast gänzlicher Auflösung über das Feld dahin,
und gab ihr tapferes Fußvolk dem Verderben Preis. Von dem oben genannten
Regimente Dalwig, welches zuerst die brandenburgischen Geschütze so hart bedroht
hatte, blieben 60 bis 70 Gefangene übrig, nur etwa 20 Mann retteten sich aus
dem mörderischen Kampfe. Trotz des harten Verlustes und des natürlich damit
verbundenen moralischen Eindruckes löste sich das schwedische Heer nicht in wilder
Flucht auf, sondern ging in geordnetem Zuge durch Fehrbellin zurück.
Um diese Zeit war der Nebel, welcher Anfangs die Schlacht eingehüllt,
ganz und gar gewichen. Man sah, wie die schwedische Reiterei zwischen den
geschlossenen Haufen des Fußvolkes zu neuer Aufstellung Schutz suchte. Da
schmetterten die Geschütze, deren Mannschaft seit dem Beginn der Schlacht eine
so rühmliche Thätigkeit entwickelt hatte, von Neuem Tod und Verderben in
die feindlichen Reihen. Nichtsdestoweniger wurden die eben noch fiegreichen
brandenburgischen Reiter, welche die Verwirrung des Feindes vollenden sollten,
von diesem kräftig zurückgewiesen, ein Zeichen, über wie tapfere Truppen der
Kurfürst in dieser denkwürdigen Schlacht obgefiegt hatte.