Die Verba. 99
durch einen ganzen Satz ausgedrückt werden. Dann steht dieser
Satz mit der Konjunktion „daß". Z. B. „Ich will daß Karl
kommt. Ich befehle daß Friedrich reitet“. (Das ist so viel wie:
ich will Karls Kommen, ich befehle Friedrichs Reiten.) Die
Konjunktion kann auch wegbleiben und der Satz steht ohne diese
mit dem Verb im Konjunktiv. Z. B. „Man sagt er komme.
Mir ahnt er werde sterben“. (Man sagt sein Kommen, mir
ahnt sein Sterben.) Auch in einer relativen Form kommen objektive
Sätze vor. Z. B. „Karl weiß nicht was er will. Erleide
was du suchtest“.
Solche objektive Sätze unterliegen gleichfalls den angeführten
Tongesetzen. Demnach wird ein solcher Satz im Grundtone
stehen und das Prädikat im vorgergehenden Satze wird etwas
zurücktreten. Sind solche Sätze kurz, wie die angeführten, so ist
es leicht die Regel zu beobachten. Sind aber die Sätze in einem
Satzgefüge ausgebildeter und verwickelter, ist namentlich das Prädikat,
auf das sich ein objektiver Satz bezieht, durch mehrere
Attributive näher bestimmt, so wird es schwierig vessen Mrintreten
durchzuführen und — herauszuhören, da ja das Zurücktreten
aller Begriffswörter nur ein leichtes ist. Z. B. „Erleide
mit Gelassenheit was dich trifft“.
Eben so wie sich ein Objekt in einen Konjunktionalsatz auflösen
läßt, lassen sich Konjunktionalsätze in einen Infinitiv zusammenziehen.
Z. B. „Eitler Wahn bethörte mich wohlfeilen
Ruhm in diesem Krieg zu suchen“. (Statt: „daß ich wohlfeilen
Ruhm suchte“.) Dieser zusammengezogene Satz nimmt beinahe
die Natur eines objektiven an und auch bei ihm ist ein leichtes
Zurücktreten an Ton des vorhergehenden am Platze. Es würde
aber die Grenzen dieses Buches weit überschreiten, sollten alle
die feinen Verhältnisse, in denen die Sätze zu einander stehen,
hier erörtert werden. Es muß daher Gweer genügen die Betonung
der Wörter innerhalb der einzelnen Sätze zu erörtern, die Betonung
der Sätze innerhalb eines Satzgefüges ergiebt sich zumteil
ziemlich von selbst. Als einzige Regel sei hier bemerkt:
Wie sich die Wörter zu einander verhalten, jenachdem sie subjektiv,
attributiv oder objektiv stehen, so verhalten sich auch die Sätze
zu einander, wenn sie subjektiv, attributiv oder objektiv stehen.
Zu bemerken ist nur noch, daß das Zurücktreten der Sätze gegen
ginander nicht so scharf in das Ohr fällt, wie das der einzelnen
örter.
§ 44. Zu den verwickelten Verhältnissen der objektiven
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