Full text : Der Mündliche Vortrag. Zweiter Teil. Die richtige Betonung und die Rhythmik der deutschen Sprache. (2)

Die  Verba.  99

durch  einen  ganzen  Satz  ausgedrückt  werden.  Dann  steht  dieser
Satz  mit  der  Konjunktion  „daß".  Z.  B.  „Ich  will  daß  Karl
kommt.  Ich  befehle  daß  Friedrich  reitet“.  (Das  ist  so  viel  wie:
ich  will  Karls  Kommen,  ich  befehle  Friedrichs  Reiten.)  Die
Konjunktion  kann  auch  wegbleiben  und  der  Satz  steht  ohne  diese
mit  dem  Verb  im  Konjunktiv.  Z.  B.  „Man  sagt  er  komme.
Mir  ahnt  er  werde  sterben“.  (Man  sagt  sein  Kommen,  mir
ahnt  sein  Sterben.)  Auch  in  einer  relativen  Form  kommen  objektive
  Sätze  vor.  Z.  B.  „Karl  weiß  nicht  was  er  will.  Erleide
was  du  suchtest“.

Solche  objektive  Sätze  unterliegen  gleichfalls  den  angeführten
Tongesetzen.  Demnach  wird  ein  solcher  Satz  im  Grundtone
stehen  und  das  Prädikat  im  vorgergehenden  Satze  wird  etwas
zurücktreten.  Sind  solche  Sätze  kurz,  wie  die  angeführten,  so  ist
es  leicht  die  Regel  zu  beobachten.  Sind  aber  die  Sätze  in  einem
Satzgefüge  ausgebildeter  und  verwickelter,  ist  namentlich  das  Prädikat,
  auf  das  sich  ein  objektiver  Satz  bezieht,  durch  mehrere
Attributive  näher  bestimmt,  so  wird  es  schwierig  vessen  Mrintreten
  durchzuführen  und  —  herauszuhören,  da  ja  das  Zurücktreten
  aller  Begriffswörter  nur  ein  leichtes  ist.  Z.  B.  „Erleide
mit  Gelassenheit  was  dich  trifft“.

Eben  so  wie  sich  ein  Objekt  in  einen  Konjunktionalsatz  auflösen
  läßt,  lassen  sich  Konjunktionalsätze  in  einen  Infinitiv  zusammenziehen.
  Z.  B.  „Eitler  Wahn  bethörte  mich  wohlfeilen
Ruhm  in  diesem  Krieg  zu  suchen“.  (Statt:  „daß  ich  wohlfeilen
Ruhm  suchte“.)  Dieser  zusammengezogene  Satz  nimmt  beinahe
die  Natur  eines  objektiven  an  und  auch  bei  ihm  ist  ein  leichtes
Zurücktreten  an  Ton  des  vorhergehenden  am  Platze.  Es  würde
aber  die  Grenzen  dieses  Buches  weit  überschreiten,  sollten  alle
die  feinen  Verhältnisse,  in  denen  die  Sätze  zu  einander  stehen,
hier  erörtert  werden.  Es  muß  daher  Gweer  genügen  die  Betonung
der  Wörter  innerhalb  der  einzelnen  Sätze  zu  erörtern,  die  Betonung
  der  Sätze  innerhalb  eines  Satzgefüges  ergiebt  sich  zumteil
  ziemlich  von  selbst.  Als  einzige  Regel  sei  hier  bemerkt:
Wie  sich  die  Wörter  zu  einander  verhalten,  jenachdem  sie  subjektiv,
attributiv  oder  objektiv  stehen,  so  verhalten  sich  auch  die  Sätze
zu  einander,  wenn  sie  subjektiv,  attributiv  oder  objektiv  stehen.
Zu  bemerken  ist  nur  noch,  daß  das  Zurücktreten  der  Sätze  gegen
ginander  nicht  so  scharf  in  das  Ohr  fällt,  wie  das  der  einzelnen

örter.

§  44.  Zu  den  verwickelten  Verhältnissen  der  objektiven
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