Metadata : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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ß.  322.

Wäre  aber  die  Fruchtblase  schon  gesprungen,  wenn  die
Hebamme  die  vorliegende  Nabelschnur  entdeckt,  oder  spränge  sie,  ehe
der  Arzt  kommt,  so  gebe  die  Hebamme  der  Gebärenden  eine  Rückenlage
  mit  etwas  erhöhtem  Becken  und  sorge  dafür,  daß  die
Nabelschnur  nicht  aus  der  Scheide  vorfalle.  Gewöhnlich
reicht  dazu  hin,  daß  sie  die  Schenkel  der  Gebärenden  zusammenlegt.
Fällt  die  Nabelschnur  dennoch  vor,  so  bedecke  sie  dieselbe  mit  einem
reinen,  feucht-warmen  Tuche.  Die  Kreißende  muß  sich  indeß  ganz
ruhig  verhalten  und  nicht  mitdrängen,  so  lange  der  Kopf  nicht
in  der  Schelde  ist,  damit  die  Nabelschnur  möglichst  wenig  gedrückt
werde.  Treiben  aber  die  Wehen  den  Kopf  durch  den  Muttermund
in  die  Scheide  herab,  so  muß  die  Gebärende  die  Wirkung  derselben
durch  kräftiges  Mitpressen  unterstützen,  da  nur  durch  eine  schnelle
Beendigung  der  Geburt  das  Kind  gerettet  werden  kann.

2.  Regelwidrige  Kürze  der  Nabelschnur.

g.  323.

Die  Nabelschnur  kann  sowohl  an  und  für  sich,  als  durch
Umschlingung  (s.  o.  §.  112.)  zu  kurz  sein.  Selten  ist  die  Nabelschnur
  so  kurz,  daß  der  Austritt  des  Kindes  dadurch  verzögert  wird.
Die  Gebärende  klagt  alsdann  in  der  Ausmeibungszeit  während  jeder
Wehe  über  einen  zerrenden  Schmerz  an  einer  bestimmten  Stelle  des
Leibes.  Bisweilen  geht  beim  Rachlasse  der  Wehe  etwas  Blut  neben
dem  Kopfe  ab,  weil  der  Mutterkuchen  in  Folge  der  Zerrung  sich
vorzeitig  löst.  Doch  sind  alle  diese  Zeichen  ungewiß,  und  mit  Sicherheit
  kann  die  Hebamme  den  Fehler  erst  nach  der  Geburt  des  Kindes
erkennen.  In  Folge  der  Zerrung  kann  beim  Austritte  des  Kindes
die  Nabelschnur  zerreißen,  oder  die  Gebärmutter  umgestülpt  werden.
Die  Hebamme  muß  daher  während  der  Austreibung  des  Rumpfes
die  Zusammenziehung  der  Gebärmutter  sorgfältig  überwachen  und
das  geborene  Kind  quer  und  nicht  zu  weit  ab  von  den  Geburts-