Haus u. Wohnung.. 167
bauer unterbricht, wie er kann, die Eintönigkeit der geraden Linie. Wo
die nothwendige Einfachheit der Construction oder das Baumaterial Ausladungen,
Krönungen, Gesimse 2c. nicht zuläßt, da behilft er sich mit der
Farbe, nicht nur um des bunten Schmuckes willen, sondern auch um größere
Flächen abzuschneiden und Wechsel hinein zu bringen.
Fand sich diese Behauptung im Böhmer= und Oberpfälzer-Walde bestätigt,
so gibt auch der Bau des Dorshauses in der westlichen oberpfälzischen
Verggruppe von ihrer Richtigkeit Zeugniß. Hier bedingt das Baumaterial
einfachere Constructionen und Aufrisse. Zu Gallerieen, Bretterverschalungen
und reichem Balkenwerke bietet dieser oberpfälzische Jurarücken nicht das
benöthigte Werkholz: Für eine decorative Verarbeitung des Bruch= oder
Backsteines fehlt aber dem Bauern Verständniß und — Zeit. Dennoch
fühlt sich auch hier noch jene Wirkung der persönlichen Stimmung durch,
welche dem naturwüchsigen Baumeister Handbeil, Kelle und Richtschnur lenkt
und ihm den Farbtopf in die Hand schiebt. Das Haus, das vorzugsweise
aus Bruchstein und Ziegelbau, seltener aus Fachwerk auf gemauertem Sockel
besteht, hat immerhin noch eine bewegtere Form als im Flachlande. Das
Dach, welches Wohnhaus und Stallung gemeinsam überdeckt, ist an beiden
Giebelseiten zurückgelegt, oder hat einen steilen vorspringenden Mantel. Nahe
der Altmühl liefern die reichen Thonschiefergruben zu Kelheim und Jachenhausen
das Material zum Eindecken. Die Platten werden aber meist, wie
sie vom Bruche kommen, verwendet und sechs bis acht Zoll hoch aufgelegt.
Das setzt einen ziemlich flachen, festgefügten Dachstuhl voraus. Steilerer
Giebelbau, abwechselnd mit Stroh, Ziegelplatten oder Hacken bedeckt, findet
sich tiefer im Gebirge. Die Giebelseite hat häufig noch einen niedrigeren
Anbau, unter dem sich die Schlafkammer oder das Austragsstübel befindet.
Die Langseite bildet vorwiegend die Hausfronte, und der mit eigener Aussenthüre
versehene Stall tritt von der Flucht zurück. So erhält Relief und
Grundplan Bewegung, die sich auch auf die Details überträgt. Die Thüre
zur Hausflur, zu welcher gewöhnlich ein Paar steinerne Freitreppen führen,
ist gerne im Bogen gesprengt; die Dachfenster haben die Froschmaulform,
und zum Ueberfluße schmückt namentlich der Siedler an der Lauterach die
Wandfläche über der Hausthüre gerne mit einem Gemälde aus der Heiligenlegende,
das freilich mehr durch die ungebrochene Farbe als durch Composition
und Behandlung wirkt.
Dem „Birgbauern" gegenüber bequemt sich der Dorfbauer in der Ebene
nur ausnahmsweise zu einer Abweichung von der geraden Linie, welche ihm
Senkblei und Wasserwage vorzeichnen. Die Monotonie der Landschaft spiegelt
sich auch in der Hausform ab. Ein niederer, eingädiger, langgestreckter
Bau ohne alles Gesimse, von Ziegel= oder Bruchstein aufgeführt, je nachdem
das Material zu Handen; ziemlich steile Dachung mit Ziegelplatten — seltener
mit Stroh gedeckt, kaum Balkenbreite den Rand der Umfassungsmauern