Volltext : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

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Bloedorn,  Kurt.
geboren  1880  zu  Budblitz.

Bloedorn  soll  hier  nicht  unerwähnt  bleiben,  trotzdem
  seine  beiden  Bücher

„Der  Heidebock  und  andere  Tiergeschichten“

„Der  Einbaum  und  andere
Pommerns  Vergangenheit"
sich  noch  im  Druck  befinden  und  erst  einzelne  Teile
daraus  in  den  beiden  Zeitschriften  „Unser  Pommer-=land“
  und  „Jung--Pommern“  veröffentlicht  worden
sind.  ·

Aber  die  diese  Proben,  vor  allen  den  unvergleichlich
  schönen  „Heidebock“  selbst,  dort  gelesen  haben,
  werden  mit  mir  in  Bloedorn  einen  würdigen
Jünger  des  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallenen
Löns  begrüßen.

und
Erzählungen  aus

Bonin,  Anna
geb.  1856  zu

von  (Hans  Werder),
Groß-Wunneschin.

Ihre  umfang=  und  zahlreichen  Romane  sind  nicht
nur  in  Pommern  viel  bekannt,  mehrere  haben  es  zu
recht  hohen  Auflagen  gebracht.  Sie  ist  hie  und  da
mit  Unrecht  zu  arg  geschmäht  worden;  ihre  Werke
sind  gute  Unterhaltungsromane  und  werden  in  pommerschen
  Volksbikliotheken  wohl  häufig  zu  finden
und  im  allgemeinen  recht  begehrt  sein.  Sie  schrieb:

„Junker  Jürgen"“  —  „Circe“  —  „Der  wilde  Reutlingen“
  (lein  Roman  aus  der  Zeit  Friedrichs  des

Großen)  —  „Roland“  —  „Die  Sonntagskinder“"“  —
„Der  Pommernherzog“"  —  „Im  Burgafrieden“
„Tiefer  als  der  Tag  gedacht“  —  „Licht  in  der

Ferne“.  —

Dazu  eine  Reihe  von  Novellen.

Uns  interessiert  an  dieser  Stelle  besonders  der
Noman

„Der  Pommernherzog“.

Seinen  Hauptinhalt  bildet  der  Kampf  Swanto-=pluks
  mit  dem  Ritterorden.  Vornehmlich  der  fließende
  Stil  macht  das  Lesen  des  stofflich  schon  interessanten
  Buches  zu  einem  Genuß.

Bonnet,  Johannes,
geb  1843  zu  Ornshagen  b.  Regenwalde.

(Pyritzer  Gymnasiast,

ein.  Jahr  Pfarrer  in
Dramburg.)
„Seeröslin  von  Misdroy“.  (Erz.)
Aus  seinen  zahlreichen  Erzählungen  vorläufig

nur  die  eine.  Die  übrigen  sollen  auf  ihren  heimatlichen
  Gehalt  noch  nachgeprüft  werden.

Brandes,  Johann  Christian,
geboren  1735  zu  Stettin.

Der  Schauspieldirekkor  und  fruchtbare  Dramatiker
  ist  mit  Unrecht  heut  fast  völlig  vergessen.  Für
die  pommersche  Heimatliteratur  kommt  nur  seine
dreibändige  „Lebensgeschichte“  in  Betracht,  die  im
Buchhandel  nicht  mehr  zu  haben  ist.

Unsee  Dommerland

Die  ersten,  in  Pommern  spielenden  Kapitel  sind
unter  dem  Titel  „Mein  Jugendleben“  neu  herausgegeben
  worden.

Brausewetter,  Artur,
geboren  1864  zu  Stettin.

Brausewetter  ist  einer  der  vornehmsten  lebenden
Erzähler,  die  auf  Pommerns  Boden  geboren  sind.
In  achtzehnjähriger  Tätigkeit  als  Schriftsteller  hat
er  eine  stattliche  Reihe  bedeutender  Werke  geschaffen.
  die  hoch  über  dem  Werte  des  Unterhaltungsromans
  stehen.  Er  veröffentlichte  die  Novellensammlungen
  „Das  Glück“  und  „Die  Eisrose“  sowie
die  Romane  „Der  Armenpastor“  —  „Der  Staatsanwalt"
  —  „Zwei  Welten"  —  Die  Halbseele“  —
„Die  Kirche  siegt“  —  „Königin  Lear"“  —  „Die  neue
Göttin“  —  „Der  Herr  von  Borkenhagen“.  —

Durch  letzteres  Werk  ist  die  stattliche  Rcihe  der
Gutsromane  um  einen  vermehrt  und  zwar  um  einen
tüchtigen,  den  man  mit  Genuß  und  Gewinn  zu
Ende  liest,  wenn  auch  ein  Vergleich  mit  Polenz
nicht  gezogen  werden  darf.

Von  früheren  Romanen  Brausewetters  nennen
wir

„Königin  Lear“

Das  Motiv  ist  aus  dem  Titel  des  Buches  ersichtlich
  Es  ist  das  des  Königs  Lear,  ins  Weibliche
übertragen,  während  die  Undankbaren  und  auch
das  edle,  verkannte  dritte  Kind  hier  Söhne  sind.
Die  Ungerechte,  dann  Getäuschte,  ist  eine  Guts-—

  besitzerwitwe,  die  örtlichen  Schilderungen  weisen  auf

Hinterpommern  hin;  Namennennungen  oder  andere
deutliche  Bestimmungen  fehlen.  Gut  durchgeführte
Charakteristik  ist  die  Hauptstärke  des  Buches.  Reizvolle
  Naturschilderungen  geben  einen  gut  abgestimmten
  Hintergrund.  Als  Heimaterzählung  gilt  auch
„Die  neue  Göttin“.  Auf  einen  der  anderen  Romane
Brausewetters,  die  weniger  heimatlichen  Charakter
tragen,  möchte  ich  hier  doch  auch  hinweisen.
„Die  Kirche  siegt“.

Die  Probleme  der  Stellung  des  Geistlichen  zur
Feuerbestattung,  seine  Teilnahme  am  Leichenbegängnis
  eines  Selbstmörders,  werden  hier  vom
Verfasser,  der  selbst  Geistlicher  ist,  in  freimütiger
Weise  erörtert.  „Der  Pastor  Winter,  ein  vorzüglicher
  Geistlicher,  der  ein  Eiferer  war  für  die  Gesetze
  der  Kirche  und  der  seinen  Freund  und  Kollegen
  veranlaßte,  wegen  einer  geringen  Differenz  aus
dem  Amte  zu  scheiden,  gerät  schließlich  selbst  in
einen  Konflikt  mit  den  unantastbaren  Geseken  der
Kirche;  da  er  in  einem  Falle  sein  Gefühl  und
seine  eigene  Empfindung  mit  den  Anordnungen  der
Kirchenregierung  in  Widerspruch  geraten  und  er  sich
nicht  löblich  unterwerfen  zu  dürfen  glaubt,  so  leat
auch  er  sein  Amt  nieder.“  Ein  recht  empfehlenswertes
  Buch,  auch  für  jüngere  Leser!

Brekenfeld,  Hermann,
geboren  1834  zu  Richtenberg.