Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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95  Scheidebank  —  Schein.

(s.  d.)  verbunden:  scheiden  und  meiden  thut  .  weh
Heyfe  6,  t24.  —  In  Zusammensetzungen:  Scheidebank,
  f.  im  Bergbau  Bank,  worauf  Erz  vom  Gestein
geschieden  wird.  —  Scheidebrief,  k.  Urkunde  über  erfolgte
  Scheidung  zweier  Ehegatten,  biblisch  z.  B.  Matth.
5,  31;  übertragen:  der  natur  eicen  seheidebrief  sehreiben
Schiller  Fiesko  2,  17;  auf  des  knaben  haupt  mit,
blutigem  siohl  bast  mir  den  scheidebriel  geschrieben
Wildenbruch  Generalfeldob.  4,  11.  In  der  alten
Rechtsspr.  —  Urteilsurkunde  der  Schiedsrichter:  der
scheidebricf  stet  an  mir,  uls  ich  das  furder  uszspreche,
dasz  nieman  das  sulle  breche  Liliencron  Volksl.
1,  1915.  —  Scheidegruß,  m.  Gruß  beim  Scheiden,  Abschied:
  dasz  ich  der  edlen  furstin  diesen  scheidegrusz
von  könig  Philipp  treulich  uberliesere  Platen  Mathb.
v.  Valois  1.  —  Scheidekolben,  m.  Retorte.  —  Scheidekunst,
  t.  Chemie.  —  Scheidelinie,  k.  Grenzlinie:  in  unserer
gesetzgebung  eine  scheidelimme  zwischen..  landesteilen
  einzufuahren  Bismarck  Red.  14,  61.  —  Scheidemünze,
  1.  geringe,  unterwertig  geprägte  Münze,  zum  Auseinandersetzen
  im  Kleinhandel,  ramt  mitores  divrersi
  rrri,  Frisch;  dafür  eine  schiedmunz  Simpl.
3,  98;  bildlich:  haben  mit  gewichtigen  hieben  ge-Zzuhlt,
  denen  sie  gräszliche  flüche  uls  scheidemunze  beifugten
  Moltke  1,  77;  sein  wissen  als  scheidemunze
ausprägen  und  verbreiten.  —  Scheidepunlt,  m.  Trennungspunkt.
  —  Scheidewand,  s.  scheidende,  trennende
Wand;  übertragen:  Lussen  wur  ulso  zuischen  die  üuszere
welt  und  das  denkende  wesen  eine  scheidewand  fallen
Schiller  1,  300;  scheidewand  der  konfessienen
CF  Meyer  Jenatsch  70;  eine  seheidewand  errichten,
aufrichten;  niederreiszen,  fullen  lassen:  ihm  wird,  als
fuhl  er  dann  die  dunne  scheidwand  fallen,  die  ihn
noch  kaum  von  scinen  lieben  trennt  Wieland  Ob.
S,  27;  dio  seheidewand  soll  niedersinken,  die  zwisehen
mir  und  meinem  reiter  steht  Hv  Kleist  Käthch.  v.
Heilbr.  2,  12.  Im  Bergban  flacher  Stein  oder  eiserne
Platte,  auf  welcher  das  Erz  geschieden  wird.  —  Scheidewasser,
  n.  Flüssigkeit  zur  Scheidung  des  Silbers  von
andern  Metallen,  zur  Atzung  von  Kupserplatten,  u.  a.
—  Scheideweg,  m.  Ort,  wo  sich  zwei  Wege  treunen:
setzt  Fanies  wie  Uerkules,  sich  auf  den  scheidweg
hin  Wieland  Musar.  1,  55;  bildlich:  am  seheideweg
von  jahr  und  tag  Uhland  319.  —  Scheidewort,  n.
Wort  beim  Scheiden,  Abschied:  im  letzten  bittern  scheidewort
  Geibel  7,  ts.

Scheidung,  i.  Handlung  des  Scheidens,  ahd.  seeidungu,
  schitunga,  mhd.  scheidunge;  nach  den  verschiedenen
  Anwendungen  des  Verbums:  sch.  von  personen,
stoffen;  das  ganze  system  der  tuierischen  haushaltung,
kochung  und  scheidung  Schiller  2,  362;  scheidungen
dewirken  in  der  Chemie  Goethe  Wahlverw.  1,  4;  die
absonderung  der  dicht-  und  redearten  liegt  in  der
natur  uber  nur  der  kunstler  darf  und  kann  die
scheidung  unternehmen  Werke  36,  1690;  rechtlich  sch.
zweier  chegatien,  dio  sch.  verlangen,  beantragen,  aussprechen;
  drohe  ibm  meinetwegen  mit  der  scheidung
Benedix  Störenfr.  2,11;  scheidung  von  tisch  und
bett  (bildlich  Bismarck  Red.  16,  255);  unter  Freunden:
würe  dio  furstin  niebt  so  reiner  nutur  gewesen,  so
b.ute  sich  .  eine  onerfreuliche  scheidung  ergcben
Goethe  Tagb.  1795;  in  Bezug  auf  Gesinnung:  aus
der  schurlen  abgrenzung  und  scheidung,  in  der  die
fraktionen  sich  zu  der  snche  stellen  Bismarck  Red.
8,  122;  milder  —  Trennung,  Abschied:  seine  prinzessin
  zeit  der  letzten  scheidunu  Wieland  Am.
11,  5;  die  scheidungen  des  lebens  J  Paul  Tit.  2,  82;
örtlich:  hier  ist  die  erste  grenzscheidung  zwischen
mensch  und  thier  Schiller  I,  152.

Schein,  m.  Handlung,  Zustand  des  Scheinens,
Scheinendes,  Klares  felbst;  westgerm.  Subst.  zu  dem
Verbum  scheinen,  altengl.  als  scin  Gespenst,  altfrief.

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altfächs.  skin  Glanz,  ahd.  scin,  mhd.  schin;  altnord.
entspricht  mit  kurzem  Vocal  das  Neutr.  skin  das
Scheinen.  Bed.  1)  sfinnlich,  in  stärtstem  Sinne,  Glanz,
strahlende  Helle:  scin,  Jubar  Graff;  coruscatio,
fulgur,  splendor  sechin,  schein,  niederd.  schine  Dief.:;
si  sähen  in  der  vinster  der  liehten  schilde  schin  Nib.
1542;  Glanz  der  Sonne,  des  Mondes,  der  Sterne  Jes.
30,  26.  Joel  2,  10.  Matth.  21,  29  u.  ö.;  dnz  sin  (des
Tages)  schin  vil  näch  gelac  Parz.  638,  2;  dss  riesenkleinoc
  .  gab  so  wunderklaren  schein  als  wie  die
licbe  sonne  Uhland  316;  in  mancherlei  Abstufungen
eschwächt  zu  dem  Begriffe  des  Lichten  und  Hellen  überaupt:
  nu  siht  man  bluomen  .  neten  an  der  beide
ir  schin  Minnes.  Frühl.  33,  20;  schein  des  goldes,  der
watfen  Steinbach;  schein  von  fackeln  Schiller
2,  322,  einer  feuersbrunst,  vgl.  auch  vwiderschein;
schein  am  himmel,  nordschein  Adelung;  bei  dem
schein  der  kerze  Hv  Kleist  Amphitr.  2,2;  gesicht.  das
vom  schein  der  lampe  gluhte  Heyse  5,  6;  kuss’  sic
(die  Blumen)  auf  zu  dutt  und  glanz  und  schein  Freiligrath
  3,  52;  in  schwächster  Bed.,  wenn  vom  truben
schein,  schein  der  dammerung  die  Rede  ist;  im  dümmerschein,
  der  immer  tiefer  grauet  Goethe  die  Geheimnisse
  10;  in  Bildern:  gott  ..  hat  cinen  hellen  schein
in  unser  herzen  gegeben  2.  Cor.  4,  6;  der  red  ein  schein
geben,  wol  blömen,  ein  farb  anstreichen,  ein  liebligkeit
  gäben  Maaler;  niebt  éinen  wird  ihr  (der  Gefühle)
  blanker  schein  betrugen  Hv  Kleist  Schroffenstein
  1,  1;  —  von  den  Augen:  daz  ir  sd  läzet  truoben
liehter  ougen  schin  Nib.  573;  dasz  seine  frischen  augen
im  lande  so  guten  schein  geben  als  irgend  andero
augen  Keller  Nachl.  97;  bier  in  den  Begriff  des  Sehens
und  der  Sehkrast  übergehend:  daz  verre  ist  ab  der
ougen  schin,  duz  sol  niht  verre  ab  berzen  sin  Boner
Edelst.  47,  114;  scine  angen  haben  kaum  noch  einen
schwachen  sehein,  er  ist  sast  blind;  —  Plur.  von  einzelnen
  Ausflüssen  des  Scheins:  lebhafte  farbige  scheine
um  das  licht  Goethe  52,  55;  durch  die  waldung
huschten  eigne  scheine  Freiligrath  3,  31.  2)  in
eingcengtem  Sinne:  sechein,  Aureole  um  das  Haupt
Christi,  der  Heiligen,  Märtyrer  (vgl.  heiligenschein,
und:  dd  qnam  unser  frowe  zu  ime  und  gotliche  schine
gingen  üz  irme  antlitze  Moyst.  1,  219):  du  miszgönnst
dem  bild  des  mörtyrers  den  goldnen  scbein  ums  kablo
haupt  wobl  schwerlich  Goethe  Tasso  3,  4;  —  in  der
Spr.  der  Kalendermacher  von  der  veränderlichen  Gestalt
des  Mondes,  neuer  schein,  Neumond,  alter  schein,
voller  sechein  Adelung:  in  der  Astrologie  schein  der
Neumond  in  den  Zufammenfetzungen  jenner  -,  horn--,
mürzschein  u.  s.  s.,  Neumond  im  Jannar,  Februar,
März  ebd.  3)  schein  unsinnlicher,  —  Sichtbarkeit,  sichtbare
  Art  und  Gestalt,  im  Mhd.  entwickelter  als  in
späterer  Spr.,  wo  es  sich  auf  die  Bed.  des  äußeren
Aussehens  eingeengt  bat  im  Gegenfatz  zum  inneren
Wesen,  oft  auch  mit  solchem  Gegensatze  verbunden  erscheint:
  wer  einen  geistliclen  schin  treit  und  nicht
einen  geistlichen  gront  Myst.  I,  115;  dic  da  haben  den
schein  eines  gottscligen  wesens,  uber  seine  Kraft  verleugnen
  sie  2.  Tim.  3,  5;  der  schein,  was  ist  er,  dem
das  wesen  sehlt?  Goethe  nat.  Tocht.  2,  5;  verstehen
sic  vom  sein  den  schein  zu  trennen  Faust  11  4;  der
schein  weiche  der  that  Schiller  Fiesko  2,  17;  vielfach
in  sesteren  Verbindungen:  zum  scheinc,  unter  dem
scheinc  der  freundschall,  mit  dem  sche  inc  rechtens,
einen  schein  erwecken,  den  schein  retten  u.  s.  w.;  als
pald  (r  yn  in  einem  schein  der  versunnung  an  des
kunigs  hove  brachte  D.  Städtechr.  3,  271;  meidet  allen
bösen  schein  1.  Thess.  5,  22;  unier  falschem  schein,
flschlich  Maaler;  kfreilich  ist  der  schein  wider  mich
Weiße  kom.  Op.  3,  53;  diesc  rube  wär  nur  schein
Schiller  5,  129;  du  hust  es  .  untersncht.  und  was
hast  du  gefunden?  knum  den  schein  Goethe  Tasso  5,1;

Schein.