Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1842. (19)

Niederlausitz  und  Rochlitz.  141

Ungarn  Gemahlin  und  Mutter  der  heiligen  Elisabeth,  und
endlich  die  heilige  Hedwig,  des  liegnitzer  Heinrichs  des  Bärtigen
Gemahlin,  hervor  1).

Markgraf  Konrad  (seit  1190),  der  ein  Jahr  früher  Albrecht
  von  Meißen,  überzeugt  von  dessen  gerechterer  Sache,
gegen  seinen  Vater  unterstützt  hatte,  war  ein  treuer  Begleiter
Heinrichs  VI.  auf  dessen  Zuge  1194  nach  Genua,  Calabrien
und  Sicilien,  wo  Tankred  eben  gestorben  war  und  Heinrich
sich  zu  Palermo  die  Krone  aufsetzte,  während  ihm  das  verhängnißvollste
  Kind  jener  Zeit,  Friedrich  II.  von  Konstanzen
zu  Jesi  geboren  wurde.  Der  Tod  des  großen  Salaheddin  ermuthigte
  1197  die  Franken  zu  einem  neuen  Kreuzzug.  Konrad
und  der  meißner  Dictrich  nahmen  Theil,  aber  Jerusalem,  die
Stadt  des  Heils,  bekamen  sie  nicht  zu  sehen.  Des  Kaisers
Tod  rief  sie  und  alle  Fürsten,  jetzt  um  irdisch  Näheres  besorgt,
zurück.  In  der  unseligen  Doppelherrschaft  des  Hohenstaufen
Philipp  und  des  Welfen  Otto  stand  er  wie  sein  meißner  Vetter
auf  des  Schwaben  Seite;  er  giug  selbst  nach  Nom,  um
Innocenz  III.  für  Philipp  umzustimmen.  Den  Probst  Walther
vom  Lauterberge  benutzte  er  mehrmals  als  seinen  Gesandten
in  diplomatischen  Geschäften.  —  Die  unter  ihm  vollbrachte
Vollendung  des  dobrilugker  Klosters,  dessen  Güter  allmählich
zwei  Geviertmeilen  Land  umfaßten,  bezeugt  seine  Übernahme
der  Schirmvogtei.  In  Schlesien  eroberte  er  Leubus  im  Kampfe
mit  seinem  polnischen  Schwager,  dem  Herzog  Wladislav  von
Kalisch,  dessen  Besatzung  das  Land  weit  und  breit  verhrcerte,
und  hing  sie  als  Räuber  auf.  Der  Verlust  seiner  Elisabeth
1209  zog  ihn  bald  nach.  Schon  1210  wurde  er  neben  ihr
in  Dobrilugk  begraben.  Er  hinterließ  nur  Töchter,  selbst  sein
Bruder  war  vor  ihm  gestorben,  und  so  fiel  die  Mark,  sielen
Landsberg,  Eilenburg,  Nochlitz,  Groitzsch  an  Dietrich  den  Bedrängten
  und  blieb  fast  ein  Jahrhundert  bei  der  meißner  Linie.

1)  Über  diese  Verwandtschaften  die  angef.  Ann.  Vet.  Cell.  u.  Worbs
N.  Archiv  1I,  220,  mit  ciner  wichtigen  Verbesserung  des  Textes.  Vergl.
die  Stammtasel  VIII  in  v.  Hormayrs  sämmtlichen  Werken  (Tilb.
1820)  1  u.  III,  141,  in  der  Entwickelung  jener  schwierigen  Verhältnisse
der  Andechse,  Dachauer,  Merane.

1190

1194

1197

1210