222 27. Berggesetznovelle.
Zwecke der Versöhnung, zum Zwecke des Friedens, ausgebeutet würden
im Interesse der staatsfeindlichen Sozialdemokratie.
(Sehr richtig! rechts.)
Meine Herren, ich verstehe diesen Standpunkt. Und ich gebe Herrn
von Heydebrand weiter zu, daß die Sozialdemokratie es leider verstanden
hat, schon bestehende sozialpolitische Organisationen, so besonders die
Krankenkassen
(sehr wahr! rechts),
zum Schaden ihrer sozialen Bedeutung für Parteizwecke auszubeuten.
(Sehr wahr.)
Zu verhindern, daß das auch bei den Arbeiterausschüssen geschieht, ist
die Königliche Staatsregierung durchaus bereit. Sie glaubt aber hier—
für genügende Kautelen zu schaffen, wenn die Aufgaben des Arbeiterausschusses
genau bestimmt, wenn insbesondere der Arbeiterausschuß auf
die Erörterung der Verhältnisse seines Werks beschränkt, zur Aufrechterhaltung
des Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
verpflichtet und für den Fall des Uberschreitens seiner Befugnisse mit
Auflösung bedroht wird. Außerdem noch die politische Betätigung zu
verbieten, erscheint unnötig und wegen des juristisch schwer faßbaren
Begriffs der politischen Betätigung untunlich. Ebenso bestehen schwerwiegende
Bedenken gegen das ausdrückliche Verbot der politischen Betätigung
der einzelnen Mitglieder außerhalb des Ausschusses aus den
schon von dem Herrn Justizminister dargelegten sachlichen Gründen.
Und nun, meine Herren: die geheime Wahl der Arbeiterausschüsse.
Man hat diese Frage zu einer Prinzipienfrage gestempelt, und
Herr von Heydebrand hat die Gründe dargelegt, welche ihn und seine
politischen Freunde in dieser Beziehung leiten. Meine Herren, ich verstehe
vollommen, daß man grundsätzlich ein Gegner des geheimen Wahlrechts
ist. Ein großer Geist, der alles in allem der linken Seites dieses
Hohen Hauses näher stand als der rechten, John Stuart Mill, war
beispielsweise der entschiedenste Gegner der geheimen Abstimmung. Er
hat darüber ein vielen von Ihnen bekanntes, interessantes Buch geschrieben.
Der verewigte Abgeordnete Windthorst hat 1867 für die
öffentliche Abstimmung plädiert. Ein Dogma ist das geheime Wahlrecht
nicht; an Dogmen glaube ich in der Politik überhaupt nicht
(Heiterkeit),
wohl aber glaube ich, daß niemand seinen Grundsätzen etwas vergibt,
wenn er in diesem speziellen Falle der obligatorischen Arbeiterausschüsse
(