Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Diplomaten,  St.  Aignan,  der  auf  der  Verfolgung  angehalten  und  in  das
Hauptquartier  gebracht  worden  war,  einseitig  Verhandlungen  angeknüpft.  Er
suchte  demselben  begreiflich  zu  machen,  daß  die  Verbündeten  keineswegs  an  die
Entthronung  Napoleons  dächten,  und  versicherte  ihm,  daß  die  Verbündeten
darüber  einig  wären,  Frankreich  seine  natürlichen  Grenzen,  den  Rhein,  die  Alpen
und  die  Pyrenäen,  zu  lassen,  wenn  Napoleon  nur  die  Unabhängigkeit  von
Italien,  Spanien  und  Holland  anerkennen  wolle.  Diese  demütigen  und  feigherzigen
  Anerbietungen  steigerten  nur  den  unbändigen  Trotz  und  Hochmut  Napolecons.
  Er  zögerte  mit  seiner  Antwort  und  ließ  so  den  günstigsten  Augenblick
  vorübergehen.  Unterdessen  hatte  aber  doch  der  zornige  Widerspruch  Gneisenans
  und  Blüchers,  der  ohne  Scheu  von  den  „diplomatischen  Schuften“  im
Hauptquartier  sprach,  einige  Wirkung  anf  diese  geübt.  Am  13.  November  kam
auch  Stein  nach  Frankfurt  und  machte  die  Ansicht  geltend,  die  schon  Arndt
in  seiner  obenerwähnten  Schrift  ausgesprochen,  daß  „das  Recht  so  gut  wie  die
Politik,  die  Ehre  so  sehr  wie  die  Trenue  des  deutschen  Namens  die  Wiedererwerbung
  des  linken  Rheinufers  forderten.“  Die  feste  Haltung  des  Königs
Friedrich  Wilhelm,  der  ebenfalls  von  Berlin  wieder  im  Hauptquartier  zu  Frankfurt
  eingetroffen  war  (13.  November),  und  seines  Verbündeten,  des  Kaisers
Alexander,  gab  endlich  den  Ausschlag.  Die  Unterhandlungen  wurden  abgebrochen
und  der  Einmarsch  in  Frankreich  beschlossen.

Ein  Manifest  (vom  1.  Dezember)  kündigte  der  französischen  Nation  diese
Wendung  an,  war  jedoch  in  so  höflichen,  fast  schmeichelhaften  Worten  abgefaßt,
daß  es  nur  den  Hochmut  der  Franzosen  steigern  konnte.  Die  Verbündeten  —
hieß  es  darin  —  wollten  dem  französischen  Reiche  eine  Ausdehnung  des  Gebietes
  gewähren,  wie  sie  Frankreich  unter  seinen  Königen  nie  gehabt  habe.

Auch  über  den  Kriegsplan  gingen  die  Ansichten  in  den  Hauptgquartieren
Schwarzenbergs  und  Blüchers  weit  auseinander.  Während  Blücher  und  Gneisenau
  direkt  auf  Paris  gehen  und  den  Thron  des  Imperators  umstürzen  wollten,
auf  welchem  mehrere  Flüsse  (die  Maas,  Marne,  Seine  und  Aube)  entspringen,
die  ihre  Gewässer  nach  verschiedenen  Meeren  senden,  zu  ihrem  Operationsobjekt.
Die  böhmische  Armee  sollte  durch  die  Schweiz  und  Burgund  gegen  jenes  Plateau
  vordringen,  Blücher  sollte  das  Corps  von  Langeron  vor  Mainz  zurücklassen,
  mit  dem  übrigen  Corps  —  Vork  bei  Kaub,  Sacken  bei  Mannheim,
St.  Priest  bei  Koblenz-Ehrenbreitstein  —  den  Mittelrhein  überschreiten  und
dann  ebenfalls  die  Richtung  nach  dem  Platean  von  Langres  einschlagen.  Auf
dem  rechten  Flügel  endlich  sollte  Bülow  durch  Holland  vordringen.  Im  Dezember
  setzte  sich  die  Hauptarmee  langsam  in  Bewegung  und  gelangte  auf  dem
weiten  Umwege  durch  Baden,  das  Elsaß  und  die  Schweiz  um  die  Mitte  des
Januar  mit  dem  Hauptquartier  des  Fürsten  Schwarzenberg  nach  Langres,  wo

v.  Köppen,  Hohenzollern.  2.  Aufl.  *!35