Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1850. (27)

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Formular  III.  zu  §.  30.
Bürgerwehr.
Stuttgart  den  6  Juli  1850.

An  den  Berichterstatter  des  Verwaltungsraths
  zur  Einleitung  der  Anklage.
Stuttgart  den  8.  Juli  1850.
Der  Befehlshaber:
v.  Müldenstein.

An  den  Vorstand  des  Verwaltungsraths.
Der  Unterzeichnete  stellt  den  Antrag  zur
Verhandlung  einer  Klage  gegen  den  Wehrmann
  Sommer,  wegen  Verlassen  des  ihm
am  5.  Juli  vor  dem  Kanzleigebäude  angewiesenen
  Postens  (Discipl.-Vorschrift  §.  10,
Ziff.  4),  Tagfahrt  anzuberaumen,  und  hiezu
den  Angeklagten,  und  als  Zeugen
den  Lieutenant  Wagner,
die  Wehrmänner
Groß,
Schneider  und  im  3.  Banner,
Liebmann
den  Cafetier  Kober
und  den  Schlosser  Eberhardt,  welcher  nach
den  gemachten  Erhebungen  dem  Schneider
die  Mittheilung,  wo  Groß  zu  finden  sei,  gemacht
  hat,  vorladen  zu  lassen.
Stuttgart  den  10.  Juli  1850.
Der  Berichterstatter:
Jordan.

Zweites  Banner.

Zweite  Compagnie.
Meldung.

Gestern  Mittag  um  12  Uhr  bezog  ein  Zug
der  zweiten  Compagnie,  unter  dem  Commando
des  Lieutenant  Wagner,  die  Hauptwache.

Dieselbe  hat  unter  anderen  auch  vor  dem
Kanzleigebäude  einen  Posten  (Schildwache)  zu

eben.

Auf  diesen  Posten  wurde  Abends  8  Uhr
der  Wehrmann  Sommer,  von  dem  Wehrmann
  Grofß,  als  Schildwache  aufgeführt.  Als
Sommer  um  10  Uhr  durch  den  Wehrmann
Schneider  abgelöst  werden  sollte,  war  er
nicht  mehr  zu  finden.

Hievon  machte  Schneider  nachseiner  Zurückkunft
  mit  dem  Anfügen  Melvung,  daß,  nach
einer  ihm  gemachten  Mittbeilung,  Sommer
im  Cafee  Kober  sitze  und  Glühwein  trinke.

Der  Wache-Commandant  schickte  sofort
den  Webrmann  Liebmann  in  das  Cafee
Kober  ab,  um  sich  von  Obigem  zu  überzeugen
und  den  Sommer  zurückzubringen.

Liebmann  traf  den  Letzteren  im  Gespräche
mit  dem  Cafetier  Kober  an  einem  Wirthstische
  sitzend  und  brachte  ihn  zurück.

Sommer  entschuloigte  sich  mit  Unwohl--sein
  und  wurde  von  dem  Wache-Commandanten
  mit  dem  Anfügen  nach  Hause  geschickt,  daß
wegen  der  Strafe  das  Weitere  nachfolgen  werde.

Ich  bitte  um  ernste  Bestrafung  des  Schuldigen.
  Ein  Verzeichniß  seiner  Vorstrafen  ist
angeschlossen.

Compagnie-Commandant:
Hauptmann  Dizinger.

Gesehen,  und  wird  —  mit  der  Bitte  um
Einleitung  des  Disciplinarverfahrens  —  an
den  Befeblshaber  übergeben.

Stuttgart  den  7.  Juli  1850.

Das  Commando  des  zweiten  Banners:
Major  Camerer.