Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1899. (90)

743  Stammbaum  —  Stammgast.

Wigal.  237,  33;  er  was  .  rechter  zuchte  ein  stam
linl.  Chron.  11658;  —  Stelle  der  Abstammung  im  Allgemeinen,
  Ursprung,  Grund  eines  Dinges:  an  den
rehten  stam  diz  mere  ist  komen  Parz.  678,  30;  in
Bezug  auf  ein  Geschlecht:  bistos  von  guetem  stame
Ov  Wolkenstein  117,  7,  4;  seitemal  mein  stamm  (Abkunft).
  dergleichen  kleidungen  und  noch  wohl
schlimmere  erfordert  Simpl.  3,  198;  wenn  der  junge
könig  von  Spanien  daran  erinnerte,  dasz  der  wabre
stamm  und  die  erste  blume  seines  adels  von  Oestreich
komme  Ranke  Werke  1,  200;  —  Geschlecht  selbst,  mit
Rücksicht  auf  seine  Fortpflanzung,  teils  noch  in  ganz
frischer  Bildlichkeit:  es  wird  eine  rute  aufgehen  von
dem  stam  lsai  Jes.  11,  1;  die  ihm  oft  vorschwebende,
gunz  nahe  auswurzelung  seines  groszen  stammes  betrubte
  ihn  zuweilen  bis  zu  tbränen  Schubart  Leb.
u.  Gesinn.  103;  teils  rerblaßter:  Ismael  ..  aus  königlichem
  stam  Jer.  41,  1;  des  groszen  Carlens  stamm
Zinkgres  1,  132;  Gefamtheit  der  Geschlechts=  und
Vollsgenossen:  lies  in  jener  hutten  die  stemme  lerael
wonen  Pf.  72,  55;  (er)  erwelet  den  stam  Juda  68;  infam
  ist  mein  stamm  Schiller  Fiesko  1,  11;  der  Griechen
stämme  Kran.  des  Ibylus;  —  stamm  erst  in  nenerer
Spr.  in  weiterer  Übertragung  auf  Gegenstände  von
Festigleit  und  Dauer,  an  das  sich  Anderes  anschließt
oder  von  dem  es  ausgeht;  vom  Kapital,  im  Gegenfatz
zu  Zinsen,  stamm,  hauptstamm;  bei  einzelnen  Spielen,
Gesamtheit  des  von  den  Spielern  gegebenen  Einsatzes;
auch  das  Spiel  darum,  z.  B.  cinige  stämme  kegeln;
bei  Landwirten  von  einem  Viehbestand:  das  gut  hat
cinen  tuchtigen  stamm  von  kluft-  und  weichhlrigen
schafen  Adelung;  ein  stamm  huhner;  allgemeiner:
stamm  einer  gesellschaft,  cines  vereins;  in  der  Heerspr.
einer  kompagnie,  cines  bataillons;  die  arbeiter  aus  den
nächsten  dörfern  kamen  unregelmäsziger,  als  wonsechenswerth
  war:  uber  der  stamm  hielt  doch  fest  Freytag
Soll  2,  197;  stamm  der  gäste  eines  wirtshauses  (vgl.
stammgast,  Kneipe.  -isch);  neuerdings  nennen  Gastwirte
  auch  das  Essen,  welches  sie  für  ihre  Stammgäste
vorrätig  halten,  selbst  stamm.  In  der  Grammatik
stamm  eines  wortes,  woraus  die  Wortsorm  sich  bildet,
schon  im  17.  Ih.:  (in  einem  Wörterbuche)  musten
alle  (Wörter)  in  jbrem  stamme  oder  stammletteren  gesetzet
  werden  Schottel  159;  —  im  Bergbau  stamm
der  32.  Teil  der  ganzen  nach  125  Kuxen  gerechneten
Zeche,  oder  1  Kuxe.  —  Zusammensetzungen:  Staimmbaum,
  m.  Geschlechtsregister,  als  Baum  bitdlich  vorgestellt;
  zuerst,  schon  im  Mittelalter,  ausgeführt  von
dem  Geschlecht  Christi,  des  Zweigs  aus  der  Wurzel
Jesse  (Jes.  11,  1),  dann  in  weltlicher  Weise:  stammbaum,
  arbor  consanguinitatis,  scliema  genetiliaeum
Stieler;  stammbänme  .  zu  verfertigen  Rabener
3,  96;  wie  der  stammbaum  erzühlt  CFMeyer  Nov.
2,  33;  frei:  wo  wir  den  stammbaum  der  geister.  aus
einander  rollten  Schiller  1,  33;  jetzt  selbü:  stammbaum
  von  edlen  plerden.  —  Stammbrief,  m.  Urkunde
über  Abstammung;  frei:  nuch  stammt  es  (das  Spiel)
aus  der  belobten  alten  zeit  und  hat  in  dieser  b.  zichung
also  seinen  gultigen  stammbrief  Keller  Nachl.  111.—
Stammbuch,  u.  in  älterer  Spr.  Buch  in  dem  eine  Abstammung
  auigezählt  wird:  der  Edomiter  stammbuch
und  gesechleehtregister  Mathesius  Sar.  192;  Adams
geschlechtregister  oder  stammbuch  103b;  dann  Buch
in  das  sich  Geschlechtsgenos#en,  sräter  auch  nur  Freunde
zum  Andenken  einschrieben.  —  Slammeltern,  Eltern
von  denen  ein  Geschlecht  abstammt.  —  Slammesscheide,
  k.  Scheide  zweier  Volksstämme:  (der  Reunsteg)
vor  zeiten  dir  greuzweg  zwiseben  Thoringen  und
Franken,  bildete  noch  immer  eine  seharsfe  stämmesscheide
  Treitschke  2,  397.  —  Skamutcevetter,  m.  Genosse
  des  gleichen  Geschlechtes  oder  Volkes  nach  Abstammung.
  —  Stammgast,  w.  stäter  Gast,  besonders

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in  einem  Wirtshause.  —  Stammgenosse,  m.  Genosse
des  gleichen  Stammes,  Geschlechtes,  Volkes.  —  Stammgut,
  n.  Erbgut,  Familiengut.  —  Stammhalter,  m.
Sohn,  Sproß  eines  Geschlechtes,  der  es  zu  erbalten
bestimmt  ist:  der  jungste  stammhalter  der  familie  König
Freytag  Erinn.  369.  —  Stammholz,  n.  Holz  das
aus  einem  ausgewachsenen  Stamm  besteht;  frei:  ongezeichnetes
  stimmbolz  aus  dem  watdesdickicht  der
nation  Keller  Werke  6,  316.  —  Stammlneipe,  f.  derber
Ausdruck  für  die  Gastwirtschaft,  in  der  einer  regelmäßig
verlehrt.  —  Stammland,  n.  Land  aus  dem  ein  Geschlecht
  oder  Volk  hervorgegangen  ist:  die  in  dem
preuszischen  besitz  befindlichen  bestandteile  dieses  uralten
  stammlandes  (Thüringen)  Bismarck  Red.  4,  110.
—  Stammmutter,  k.  Mutter  von  der  ein  Geschlecht  abstammt:
  stammmutter  des  luneburgisehen  hauses  Ranke
Werle  1,  2256.  —  Stammregister,  u.  Geschlechtsregister;
Register  nach  dem  andere  gebildet  werden.  —  Stammrolle,
  k.  Hauptrolle  über  Heerpflichtige.  —  Stammsage,
  k.  Sage  über  die  Abstammung  eines  Geschlechtes
oder  Volles.  —  Stammsilbe,  f.  grammatisch  Silbe,  die
den  Stamm  eines  Wortes  bildet.  —  Stkammsitz,  m.
ursrrünglicher  Sitz  eines  Geschlechts,  Stammgut.  —
Stammtafel,  k.  Tasel  auf  der  ein  Geschlecht  nach  Abstammung
  und  Ausbreitung  verzeichnet  ist.  —  Stammtisch,
  m.  Tisch  in  einem  Wirtshause,  um  den  die  Stammgäste
  sitzen.  —  Stammvater,  m.  Vater  von  dem  ein
Geschlecht  oder  ein  Volk  abstammt.  —  Stammwort,  n.
Wort  von  dem  andere  abstammen:  die  wurzelen  oder
stammwörter  der  teutschen  sprache  Schottel  1272.
Stammelu,  undeutlich  abgebrochen  sprechen;  hochdeutsches
  Wort,  ahd.  stammalön,  stamalön,  stammilon,
stammoloön  (auch  stambildo),  mhd.  stammelen,  stamelen,
stamlen;  Häufigkeitsbildung  zu  dem  Verbum  ahd.
stammen,  altnord.  stamma  tjünger  stama),  undeutlich
reden,  siottern,  das  vom  Adl.  goth.  stamms.  altnord.
stamr,  ahd.  stam  und  stamm  stotternd  (im  Ablaute  zu
stumm,  f.  d.),  ausgeht;  der  Verbalform  ahd.  stamalön
set  auch  ein  Adj.  ahd.  stamal  zur  Seite.  Nebenform
es  Verbums  mud.  stameren  (einem  altengl.  Adj.  stumor
stotternd  entsprechend),  auch  mitteldeutsch  verbreitet:  der
stammernde  man,  ab  her  misscspricht  Sachsensp.  1,61,  3;
stammeren  bolbure  Schottel.  In  absoluter  Stellung:
er  stammelt,  secine  zunge  stammelt;  stummien  oder
stagglen,  lingua  haesitare,  balbutire  Maaler;  mit
halber  und  schwerer  zungen  .  Stolpern,  stammeln
und  lallen  Luther  8,  2645;  kaum  konnt  er,  von
freuden  erschuttert,  bebend  stammeln  Klopstock  Mess.
2,  156;  der  süugling,  der  zu  stammeln  kaum  begann
Geibel  1,  231;  unperfönlich:  dn  stammelts  in  der
halben  verstümmelten  stimme  Schiller  Ränb.  1,  3;
im  Part.:  aus  stamlenden  kindern  werden  redner
(Garg.  31;  2echen,  bis  alle  zungen  stammelnd  sprechen
z  14.  62;  mit  Ace.  des  Gesagten:  (ein  Kind)  sinnt
nach,  und  stammelt  gedanken  Ev  Kleist  Frühl.  150;
geheimen  wunsch  zu  stammlen  Göckingk  Lieder  zweier
Lieb.  147;  unzusammenhängende  worte  (Benedix  ein
Lusispiel  1,  11),  dank  des  herzens  (zärtl.  Verw.  1,  1)
sF  ammeln;  (Tag)  an  dem  ihm  zum  erstenmal  unter
entgegengestammelt  ward  Schiller  Räub.  1,  1;  dazu:
das  erste  sammelnde,  schambafte  bekenntois  Lessing
Sampf.  2,  3;  Inf.  als  Subst.:  mit  frohem  stammein
Arndt  191;  frei:  wenig  erlreut  das  kindische  stammein
mönchisehcr  gelehrsamkeit  Frevtag  Bild.  1,  102.
Stammen,  1)  Stamm,  Ursprung  woher  haben,
mhd.  stammen  (ecrgl.  dazu  ab·,  entstammen):  stimn  en,
herstammen,  ortum  e##ne  Schottel;  von  Menschen,
nach  eschlecht,  Volk,  Heimat,  Urfprung:  wir  slammen
alle  von  der  erden  Stieler;  ans  einem  lande,  aus
altem  adel  stammen;  wus  wir  sind,  woher  wir  stimmen
Arndt  133;  ungeheuer,  das  aus  der  hölle  stammt

Stammgenosse  —  stammen.

Namler  I,  16;  von  denen  stammen  lbre  jetzigen