Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

mußten  sich  die  Armee-Abteilungen  Falkenhausen  und  Gaede  abfinden,
deren  Front  am  Maßstabe  der  übrigen  gemessen  als  Nebenkriegsschauplatz
anzusehen  war.

Die  der  Zeeresgruppe  Deutscher  RKronprinz  rechts  benachbarte  3.  Armee
in  der  Thampagne  hatte  als  Gegendruck  der  Westmächte  gegen  unsere
Anfang  Februar  in  Cstpreußen  einsetzende  große  Offensive  hartnäckigste
Durchbrucheversuche  in  Richtung  auf  Réthel  auszuhalten.  Wir  fragten
une,  wie  die  französische  Vation  die  Sekbatomben  von  Menschenopfern
seinals  werde  ersetzen  bönnen.  In  welchem  Umfange  sie  das  Menschenreservotr,
  über  das  sie  in  den  afribanischen  Rolonien  verfügte,  nutzbar  zu
machen  wußte,  ahnten  wir  noch  nicht.  Ich  mußte  die  bedrängte  Front
der  3.  Armee  durch  Abgabe  einer  Infanterie-Brigade  nach  der  Gegend
zwischen  Somme  Dy  und  Challerange  stützen  helfen  und  überzeugte  mich
persönlich  von  ihren  schwierlgen  Zampfverhältnissen  bei  ungünstig  gelegenen
Stellungen,  schlechten  Derbindungen  und  schrecklicher  Unterbunft.  Wer
die  vom  Boden  breldigweiß  gefärbten  Gestalten  mit  ihren  von  Wind  und
Wetter  durchgerbten  Gesichtern  sah,  für  den  war  es  kein  Wunder,  wenn
unter  dem  ungeheuren  Druck  aller  Belastungsproben  für  Rörper  und
Nerven  schwächere  Naturen  alle  Rriegeillusionen  einbüßten  und  zusammenbrachen.
  Wir  genossen  eben  nicht  die  unschätzbaren  Vorteile  unserer  Feinde,
durch  häufige  Ablösungen  und  Ruhepausen  den  Verbrauch  an  ervenkraft
immer  wieder  zu  ersetzen.  Die  Seele  unserer  Organisationsarbeit  im
Artegeministerlum,  der  hochverdiente  Gberst  v.  Wrisberg,  berichtete  mir
zwar  persönlich  in  Stenay,  daß  die  Vleuformationen  und  Ersatzgestellungen
im  Februar  1915  bereits  der  gesamten  KRriegsstärke  des  deutschen  Seeres
von  1870/71  gleichkamen.  Aber  was  wollte  das  heißen  gegenüber  den
schier  unerschöpflichen  personellen  und  materlellen  Zilfsmitteln  unserer
Feinde  ringsuml

Unserem  geduldigen  Ausharren  in  der  Abwehr  schwerster  Angriffe
an  der  Westfront  wurde  eine  moralische  Stärkung  durch  die  siegbündenden
UMeldungen  aus  dem  Osten,  wo  Sindenburg  in  der  Winterschlacht  in
asuren  die  russische  10.  Armee  zertrümmerte.  Neidisch  weilten  unsere
Gedanken  bei  den  Kameraden  der  Ostfront,  denen  es  vergönnt  war,  im
Bewegungskriege  —  freilich  unter  den  denkbar  schwierigsten  Derhältnissen  —
neue  Lorbeeren  zu  erringen.  Indessen  die  hochgespannten  Prwartungen,
daß  der  Sieg  sich  zu  einer  feldzugentscheidenden  Operation  ausgestalten

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