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Der Straßburger Impfstoff war stets sehr kräftig, so daß Impfungen nicht
wiederholt zu werden brauchten. Der Beweis wird durch die geringe Zahl der Bestellungen
im Spätjahr geliefert, zu welcher Zeit meist nur versäumte oder zurückgestellte
Impfungen vorgenommen werden. — Für die Wirksamkeit der zuerst gebrauchten
Lymphe spricht es, daß von 28 Wiederimpflingen, welche ohne Erfolg
geimpft waren, bei der Wiederholung der Impfung nur einer eine schwache Pustel
aufwies. Die übrigen 27 dreimal mit erwiesen wirksamer Lymphe geimpften Kinder
zeigten keinen Erfolg.
Aus Metz wird berichtet, daß die Wirksamkeit des dort gewonnenen Impfstoffes durch
eine verschieden lange Kellerlagerung nicht beeinträchtigt worden sei. Soweit die
Anstalt Mittheilungen erhielt, hatten die Impfärzte bei Erstimpfungen zwischen 99
und 100 %, bei Wiederimpfungen zwischen 90 und 100 % Erfolge zu verzeichnen.
Die Haltbarkeit der Thierlymphe.
In Königsberg i. Pr. ergaben die fortgeführten Versuche über die Haltbarkeit
der Lymphe, daß nach 3 Monaten und darüber noch volle Wirksamkeit bestand, wenn
die Aufbewahrung in einem gleichmäßig niedrig temperirten Naume erfolgt war.
Der Berliner Impfstoff ist im Alter von 77, 93 und 106 Tagen von öffentlichen
Impfärzten im August bei Erst= und Wiederimpflingen mit gutem Erfolge verwendet
worden; bei 3 Gefangenen erzielte 63 Tage alter Stoff auf 15 Schnitten 14 Blattern
und von 10 desgl. waren 8 mit S0 Tage alter Lymphe erfolgreich geimpft. Es entstanden
auf 60 Schnitten 37 Blattern. Privatärzte hoben den Impfstoff oft Monate
hindurch auf und verimpften denselben noch mit gutem Erfolge.
Ueber die Erfahrungen hinsichtlich der Beibehaltung der Wirksamkeit der in Berlin
erzeugten Thierlymphe wird mitgetheilt, daß der Vorstand des Olfice of the Special
Vaccine Supply Department in Madras am 17. Februar 1891 abgesandte Lymphe
am 17. März auf ein Kalb übertrug. Von 121 Impfschnitten zeigten 101 Erfolg.
Auch die Fortpflanzung des gewonnenen Impfstoffes ließ auf einem anderen Kalbe
eine gute Ernte erwarten. — Nach Kamerun am 4. April durch den Regierungsarzt
mitgenommene, 60 Tage nach der Herstellung verimpfte Lymphe hatte bei 9 von
131 Impfungen Erfolg; 786 Schnitte ergaben 12 Blattern. Von späterhin im Oktober
mit 5 Wochen alter Lymphe geimpften 51 Männern (Dahomelenten oder Krujungen)
bekamen 74 / gut entwickelte Pusteln. Von 182 Weibern, welche fast sämmtlich die
Pocken überstanden haben sollten, zeigten 6 Erfolg. Ein gleich gutes Ergebniß erzielte
der Arzt der Gravenreuth'schen Expeditionen. In Dar-es-Salaam waren die Erfolge
geringer, in Pangani und Bagamoyo trat kein Erfolg ein und in Lindi und Mikindani
noch ein schwacher. In Zanzibar waren einige Impfungen von mäßigem Erfolge
begleitet.
Der Stettiner Impfstoff kam im Alter von 2 bis 69 Tagen zur Verwendung.
Ein als „X. Generation“ bezeichneter Stoff wurde 22 bis 60 Tage alt mit 100%
personellem (93,8 % Schnitt-) Erfolg verimpft, ein anderer 5 bis 69 Tage alter Stoff
mit 99,7 % (94,7%%) Erfolg u. s. w. Die zur Erprobung der Haltbarkeit an Erstimpflingen
vorgenommenen Impfungen stellten fest, daß einzelne Stoffe noch nach
46, 81, 102, 138, 153, 175, 178, 229 und 249 Tagen wirksam waren. Die Tube
des 249 Tage wirksamen Stoffes war bis dahin nicht geöffnet worden. Derselbe Stoff,
aus einem wiederholt geöffneten Glase verimpft, war nach 242 Tagen unwirksam.
Nehnliches ist einige Mal beobachtet oder einberichtet worden.
In Oppeln sind bei der kurzen Dauer des Bestehens der Anstalt umfassende
Beobachtungen über die Haltbarkeit des gewonnenen Stoffes noch nicht angestellt
Med. stat. Mittheil. a. d. Kaoiserl. Gejundheitoamte. Vand I.