Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

94  1611  40—41.

Februar  2.  falls  einem  unierten  Stand  oben  oder  unteu  Landes  unversehens  zugesetzt
  würde,  ihn  retten  und  sich  überhaupt  vor  Gewalt  schützen,  wie
man  besonders  zu  besserm  Einverständnis  und  beständiger  Ruhe  im
Reiche  gelangen,  den  bisher  geklagten  Beschwerden  abhelfen  und  die
Stadt  Donauwörth  in  bessern  Stand  bringen  könne  und  was  deswegen
sowol  beim  Kaiser,  als  bei  den  geistlichen  Kurfürsten  und  beim
Herzog  von  Baiern  anzubringen  wäre.  Auch  sind  dem  Direktorium
verschiedene  Punkte,  den  König  Matthias,  Erzherzog  Maxiınilian,  den
Herzog  von  Baiern,  die  Österreichischen  und  mährischen  Stände  belangend,
  mitgeteilt  worden,  über  die  man  zu  reden  hat.  Ebenso  ist
vorzunehmen,  was  in  früheren  Abschieden  auf  fernere  Tinterredung
gestellt  worden  ist.

Als  Tag  der  Zusammenkunft  bezeichnen  wir  den  11./21.  März,
an  dessen  Abend  E.  L.  in  Schweinfurt  ankommen  wollen.  Wir  ersuchen
  E.  L.  in  der  Person  und  mit  geringer  Begleitung  zu  erscheinen
oder  sonst  Dero  genugsam  bevollmächtigte  Räte  zu  schicken.  Datum
Heydelberg  den  23,  januarii  1611..

Nachschrift  an  die  höhern  Stände:  Es  wird  auch  von  einigen
Nebenpunkten  zu  reden  sein,  die  bisher  allein  vor  den  höheren
Ständen  verhandelt  worden  sind,  besonders  ob  eine  engere  Verständigung
mit  Frankreich,  England,  den  Staaten  und  Dänemark  anzustellen  sei,
auch  wie  man  der  jülichschen  Sache  Bat  schaffen  und  wie  man  sich
mit  den  Böhmen,  Ungarn,  Oesterreichern,  Mährern  und  Schlesiern
in  etwas  nähere  Verfassung,  als  von  den  Städten  bewilligt  worden  ist,
einlassen  könnte;  endlich  sind  die  Rechnungen  wegen  der  jülichschen
Assistenz  und  wegen  der  verschiedenen  Gesandtschaften  richtig  zu
machen.  Ut  in  literis.

Mb.,  119|3,  £  163;  Kpt.  von  Dathenius.!

Februar3-41.  Melchior  Khlesl  an  den  Herzog  von  Braunschweig.

E.  fl.  Gn.  eigenhändigen,  durch  Dero  Sekretär  mit  dieser  Tage  überschickten
  ‚‚Zettel‘‘®  habe  ich  empfangen,  eben  als  ich  in  den  Rat
fuhr,  und  da  ich  mich  nicht  versehen  hatte,  dass  E.  fl.  Gn.  sich
ohne  alle  Ursache  so  gegen  mich  alterieren  sollten,  den  Zettel  öffentlich
  im  Bat  im  Beisein  der  Länderausschüsse,  um  allen  Verdacht
abzuschneiden,  eröffnen  und  verlesen  lassen.  Als  ich  den  unverhofften
Inhalt  vernahm,  habe  ich  bedauert,  ihn  zuvor  nicht  überlesen  zu
haben,  hatte  aber  die  Genugthuung,  das  alle  Anwesenden  ohne  Unterschied
  der  Religion  mit  mir  Mitleid  hatten,  da  sie  wussten,  dass  ich
in  dieser  Sache  unschuldig  sei.  Da  E.  fl.  Gn.  in  so  hoher  fürstlicher

!  (srossenteils  nach  einem  (Grutachten  des  D.r  Michael  Loefenius  vom
14  /24.  Januar;  Mb.  119/3,  f.  95;  Or.  eigh.

2  Vom  29.  Januar,  gedruckt  im  „Gründlichen  Bericht,“  S.  227  und
darnach  bei  Hammer-  Purgstall,  Khlesls  Leben,  Il.  Urkunden-Sammlung
no.  298.